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Entwickelt sich mein Baby normal?

Jedes Kind entwickelt sich individuell. Zudem entwickeln sich Kinder in Afrika anders als in Europa, in Asien anders als in Amerika. Manche Babys verhalten sich mutiger, andere ängstlicher, die einen laufen schon mit 12 Monaten, andere sprechen erst mit 2 Jahren. Doch bei aller Verschiedenheit: Es gibt Entwicklungsschritte, die für alle Säuglinge in unserem Kulturkreis gelten – für die einen früher, für andere etwas später. Die wichtigsten Entwicklungen auf einen Blick:

 

Sprachwahrnehmung und Sprachlaute:

  • 3 bis 4 Monate: Betonungsmuster der Muttersprache erkennen
  • 5 bis 6 Monate: Emotionale Bedeutung von Worten erkennen
  • 8 bis 9 Monate: Worte im Sprachfluss erkennen
  • 10 bis 12 Monate: Wortbedeutung verstehen
  • 16 bis 30 Monate: Verständnis grammatischer Regeln
  • 30 bis 36 Monate: Übergeneralisierung grammatischer Regeln

Sprachproduktion:

  • 1 Monat: Gurren
  • 3 bis 5 Monate: Lallen und Brabbeln
  • 7 bis 8 Monate: Babbling (Silbenverdopplung)
  • 8 bis 10 Monate: Jargoning (Kauderwelsch)
  • 11 bis 12 Monate: Erste Worte
  • 18 Monate: Wortschatzexplosion
  • 20 bis 30 Monate: Zweiwortsätze
  • 30 bis 36 Monate: Drei- und Mehrwortsätze

 

Eltern können Ihre Kinder in der sprachlichen Entwicklung nur bedingt unterstützen. Das Baby mag es aber schon in den ersten Lebensmonaten, wenn Sie ihm antworten und seine Laute nachmachen – oder ihm gar neue Laute vormachen. Dabei ist es aber nicht nötig, in Babysprache zu sprechen; sprechen Sie ganz normal mit Ihrem Kind. Grundsätzlich mag es Ihre Stimme und Zuwendung in Form einer einfachen Konversation. Zwischen dem 3. und 6. Monat macht das Kind gerne Erfahrungen mit Spielzeug, mit dem es Töne oder Lärm produzieren kann. Ausserdem mag es Ihre Kommentare zu dem, was gerade passiert wie z. B. «Das ist aber ein weiches Schaf.»


Wahrnehmung, Sprache und Denken: Babys äussern schon früh ihre Bedürfnisse. Mit 3 Monaten schreit ihr Kind je nach Anlass (Hunger, Ärger, Langeweile) anders und ist darauf angewiesen, dass Sie sein Bedürfnis erkennen. Es gluckst und lacht aber auch schon. Mit 6 Monaten brabbelt es in wechselnden Tonlagen und kann die Stimmung anderer Menschen einschätzen.


Motorische Entwicklung:
Generell ist Entwicklung individuell und kann und muss nicht forciert werden. Auch nicht die motorische. Es reicht völlig aus, gute Bedingungen dafür zu schaffen. So trainiert ein Kind, das genügend Bewegungsmöglichkeiten hat und nicht ständig in einer Wippe liegt, seine Motorik aus eigenem Antrieb – in welchem Tempo, entscheidet es selbst. Die grobe Einteilung sieht in etwa so aus:

  • Bis 4. Monat: Kopfkontrolle
  • Bis 9. Monat: Freies Sitzen
  • Bis 15. Monat: Freies Gehen

Krabbeln:
Mit 3 oder 4 Monaten nehmen Babys eine Art Seehundhaltung ein – Köpfchen neugierig nach oben gereckt, Oberkörper in Bauchlage auf Unterarme und Hände gestützt, Ellenbogen gestreckt. In dieser Position lässt sich die Welt von der Krabbeldecke aus gut erkunden. Das ist nicht nur ein wichtiger motorischer Entwicklungsschritt, sondern zeigt auch, dass Ihr Kind seine visuelle Aufmerksamkeit schon sehr gut steuern kann; es reagiert nun nicht mehr nur auf Reize, es sucht sie auch.


Sitzen:
Vor dem 4. Monat sollte Ihr Baby noch nicht sitzen, weil seine Muskeln das eigene Körpergewicht noch nicht tragen können. Stützen sie sein Köpfchen deshalb immer gut, wenn sie es halten. In den meisten Fällen richten sich Kinder ab dem 6. Monat automatisch auf und sitzen zum ersten Mal selbstständig.


Nuckeln und Greifen:
Sich einen Gegenstand selber zum Mund führen ist eine grosse Koordinationsleistung, denn es setzt viele verschiedene Fähigkeiten voraus. Und die Vorbereitungen dazu fangen früh an: Schon im 4. Schwangerschaftsmonat nuckeln viele Ungeborene an ihren Fingerchen – sie beherrschen also bereits die Hand-Mund-Koordination. Wenn Säuglinge eine Hand zum Gesicht führen, sie betrachten und die Finger dabei bewegen, klappt die Hand-Augen-Koordination. Etwa ab dem 3. Lebensmonat kann ein Kind seine Hände zusammenbringen und beherrscht damit die Hand-Hand-Koordination. Ab dem 5. Monat nähert es sich gezielt mit den Händen einem Gegenstand und packt zu.


Von der Milch zum Löffel:
Die WHO (World Health Organization) empfiehlt, das Baby in den ersten 6 Lebensmonaten ausschliesslich zu stillen. Nach aktuellen Erkenntnissen der Babyernährungsforschung ist es ideal, wenn Sie nach 4 Monaten langsam zu kleinen Portionen der Beikost übergehen. Ein Anbieten von möglichst abwechslungsreicher Kost kann Allergien vorbeugen. Am Anfang wird das Baby an der gekochten Karotte, dem Brotstück, dem gekochten Apfelschnitz nur lutschen und saugen (bitte immer unter Aufsicht – Erstickungsgefahr, wenn es sich verschluckt!). Dieser sogenannte Fingerfood kann beibehalten werden, besonders bei Kindern, die keinen Brei mögen. Essen ist wie alles andere ebenfalls sehr individuell. Etwa mit 6 Monaten ist Ihr Kind dann so weit, um vom Löffel zu essen: Es kann jetzt den Mund bewusst verschliessen, die Zunge hinten lassen, den Brei oder andere Beikost schlucken.


Selbsterkenntnis:
Diese entwickelt sich erst etwa ab dem 18. Lebensmonat. Dann erkennt Ihr Kind sich selbst im Spiegel, wird sich damit also selbst bewusst.


Kontaktfreude und Fremdeln:
Schon mit 3 Monaten hält ein Baby Blickkontakt und dreht dazu gezielt den Kopf. Es freut sich, wenn es angesprochen wird, lächelt bekannte und fremde Gesichter an und lernt immer besser, sie auseinanderzuhalten. Die Fremdelphase beginnt erst mit etwa 8 Monaten.


Schlafen:
Ein Neugeborenes schläft durchschnittlich 18 von 24 Stunden, also drei Viertel des Tages. Aber kein Neugeborenes schläft lange am Stück, nicht einmal nachts, denn es braucht viel öfter etwas zu essen als ein Erwachsener oder sogar als ein Kleinkind. In den ersten 3 Monaten wird es deshalb einen Schlaf-Wach-Rhythmus haben, bei dem nachts die Schlafphasen ein wenig länger sind; dabei wacht es jedoch öfter auf als Erwachsene und schläft nicht so tief wie Erwachsene. Dieser Zyklus variiert von Baby zu Baby, aber generell können Sie davon ausgehen, dass Ihr Baby tagsüber bis zu 2 Stunden am Stück schläft und nachts höchstens 4 bis 6 Stunden am Stück. Manche Babys können innerhalb von wenigen Wochen schon durchschlafen, doch bei den meisten dauert das Monate, manchmal bis zu einem Jahr.


Vormittags- und Nachmittagsschläfchen:
Im Alter von 3 Monaten wird Ihr Baby nachts etwa doppelt so viel schlafen wie am Tag. Die Vormittags- und Nachmittagsschläfchen werden länger, aber seltener, wenn Ihr Baby 6 Monate alt ist. In diesem Alter schläft es in der Regel 11 Stunden mit kurzen Unterbrechungen, tagsüber eine halbe Stunde. Der Schlaf-Wach-Zyklus Ihres Babys hängt allerdings – wie bei Ihnen auch – von seinem täglichen Essensrhythmus, seiner Körpertemperatur und seinem Hormonhaushalt ab.


Feste Rituale:
Weil auch Ihr Kind einen eigenen Biorhythmus hat, kann es nicht immer dann schlafen, wenn Sie das möchten. Aber mit festen Ritualen können Sie ihm helfen, seinen Biorhythmus zu unterstützen, das Schlafen und Füttern in eine zeitliche Ordnung zu lenken.


Empfohlene Literatur:
Remo Largo, «Babyjahre» (Piper, 2010)  

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