Schwanger werden: Mythen und Fakten | Sanitas Krankenversicherung
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Schwanger werden: Mythen und Fakten

Wenn Sie schwanger werden möchten, erhalten Sie viele gut gemeinte Ratschläge. Auch widersprüchliche. Wie soll man sich im Informationsdschungel zurechtfinden? Wir haben gängige Schwangerschaftsmythen dem Faktencheck unterzogen.


Fakt oder Mythos? «Koffein verhindert die Einnistung der Eizelle.»

Es sind keine guten Nachrichten für Kaffeeliebhaber: Mehr als eine Tasse Kaffee (ca. 200 Milligramm) pro Tag senkt die Chance auf eine Schwangerschaft um die Hälfte.

Studien wiesen nach, dass sich das Risiko einer Fehlgeburt verdoppelt, wenn die Schwangere mehr als 200 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nimmt. Die Fehlgeburtenrate stieg von 12,5 Prozent bei Frauen ohne Koffeinkonsum auf 25,5 Prozent bei Frauen, die mehr als eine Tasse Kaffee zu sich nahmen.

  • Fakt!


Fakt oder Mythos? «Mit Hustensaft erhöhen Sie die Chancen, schwanger zu werden.»

Es klingt zwar wie ein Märchen, aber das Hausmittel kann tatsächlich unterstützend wirken. Denn schleimlösender Hustensaft lockert den Zervixschleim auf und macht ihn so für Spermien empfänglich.

Zervixschleim ist der Scheidenausfluss und ein wichtiger Faktor, um schwanger zu werden. Die meiste Zeit verhindert er, dass Keime und somit auch Spermien in die Gebärmutter eindringen. Um die Zeit des Eisprungs verändert sich aber seine Konsistenz und Aufgabe: Das Sekret wird flüssig und klar – es lässt die Spermien passieren. Es ähnelt nun klarem Eiweiss und ist dehnbar. Ausserdem schützt es die Spermien vor dem sauren Scheidenmillieu.

  • Fakt!


Fakt oder Mythos? «Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Sie nicht auf die Toilette gehen.»

Um Harnwegsinfekten vorzubeugen, gehen viele Frauen direkt nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette. Auch wer schwanger werden möchte, muss nicht darauf verzichten.

Selbst wenn Flüssigkeit aus der Scheide fliesst, besteht kein Grund, beunruhigt zu sein. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Eiweiss und Vitamine. Nur ein Prozent des Samens ist Sperma. Unmittelbar nach der Ejakulation lösen sich gut drei Viertel der Spermien vom Samen und wandern direkt zum Gebärmutterhals. Bis man für den Toilettengang aufgestanden ist, sind die Spermien bereits angekommen. Alles, was herausfliesst, hätte es sowieso nicht bis zum Ziel geschafft.

Aus dem gleichen Grund sind Softcups nutzlos. Softcups sind weiche Becher, die eigentlich für die Periode eingesetzt werden. In Foren wird immer wieder diskutiert, dass man sie nützen könne, damit die Spermien nicht sofort herausfallen. Aber eben, auch das ist Unsinn.

  • Mythos!


Fakt oder Mythos? «Während der Periode können Sie nicht schwanger werden.»

Es ist zwar nicht wahrscheinlich, während der Periode schwanger zu werden, aber es ist möglich. Ausschlaggebend sind die Dauer der Periode und der Zeitpunkt des Eisprungs im Zyklus. Ein Zyklus beginnt am ersten Tag der Periode und endet am ersten Tag der darauffolgenden.

In einem Lehrbuchzyklus ist es unmöglich, während der Periode schwanger zu werden: Die Periode dauert idealtypisch fünf Tage und der Eisprung findet am 14. Tag des Zyklus statt. Die Frau menstruiert also vom 1. Tag ihres Zyklus bis zum 5. Tag Schwanger werden kann sie aber erst ab dem 9. Tag. Warum? Man kann an sechs Tagen schwanger werden: fünf Tage vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs selbst. Wenn nun der Eisprung am 14. Tag des Zyklus stattfindet und man die fünf Tage vor dem Eisprung miteinbezieht, so erhält man den 9. Tag. Als Rechenaufgabe: 14 (Tag des Eisprungs) – 5 (Tage vor dem Eisprung) = 9 (Beginn des Fruchtbarkeitsfensters). Doch der Körper hält sich nicht an Theorien. Bei 70 Prozent der Frauen fällt der Zyklus nicht in die klinischen Richtlinien. Nehmen wir an, eine Frau hat ihren Eisprung bereits am 10. Tag ihres Zyklus und ihre Periode dauert sechs Tage. In diesem Fall ist es theoretisch möglich, dass sie während der Periode schwanger wird: Ihr fruchtbares Fenster beginnt am 5. Tag, ihre Periode dauert bis zum 6. Tag. Die Rechnung: 10 (Tag des Eisprungs) – 5 (Tage vor dem Eisprung) = 5 (Beginn des Fruchtbarkeitsfensters).

Wahrscheinlich ist dieser Fall nicht. Laut einer amerikanischen Studie fällt das fruchtbare Fenster nur bei 30 Prozent der Frauen in die Zeit ihrer Periode. Hinzu kommt: Die Chance, am ersten Tag des Fruchtbarkeitsfensters schwanger zu werden, liegt bei weniger als 5 Prozent. Trotzdem:

  • Mythos!


Fakt oder Mythos? «Bestimmte Stellungen oder der Kopfstand begünstigen die Befruchtung.»

Die Schwerkraft spielt bei der Befruchtung keine Rolle. Medizinisch gesehen, gibt es daher keine Stellungen, die die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen. Was aber einige Studien aufzeigten: Nach einem ausgiebigen Vorspiel hatten die Männer mehr Spermien in der Samenprobe, als Männer, die nur ein kurzes Vorspiel hatten. Kurz: Wichtiger als die Stellung ist der Spass.

Einige Fruchtbarkeitsexperten empfehlen den Hand- beziehungsweise Kopfstand nach dem Geschlechtsverkehr. Auch dieser Tipp ist Humbug: Weder spielt die Schwerkraft bei der Befruchtung eine Rolle, noch fällt zeugungsfähiges Sperma aus der Scheide (siehe oben).

Es gibt aber Leute, die behaupten, dass sich Umkehrhaltungen positiv auf das endokrine System auswirken – also das Hormonsystem. Zwar ist diese Wirkung nicht wissenschaftlich belegt. Falls man es trotzdem testen möchte: Es reicht, die Beine aufrecht an die Wand zu lehnen.

  • Mythos!


Fakt oder Mythos? «Gleitmittel ist schädlich für Spermien.»

Zwar könnte man meinen, Gleitmittel sei ähnlich wie Zervixschleim und somit hilfreich, wenn man schwanger werden möchte. Aber das Gegenteil ist der Fall: Einige Gleitmittel weisen einen hohen Säuregehalt auf, der die Spermien abtötet. Ausserdem können sie sich in der dickflüssigen Konsistenz der Gleitmittel schlecht fortbewegen. Das gilt sowohl für handelsübliche als auch für selbst gemachte Produkte, beispielsweise aus Kokosöl, sowie für Speichel.

Wer wegen des Komforts Gleitmittel verwenden möchten, sollte ein fruchtbarkeitsförderndes Gleitmittel wählen. Lassen Sie sich aber nicht vom Namen in die Irre leiten: Fruchtbarkeitsfördernde Gleitmittel steigern nicht die Fruchtbarkeit, sie sind einfach unschädlich für Spermien.

  • Fakt!

 
Fakt oder Mythos? «Gute Schwangerschaftstests bestimmen eine Schwangerschaft vier Tage nach dem Eisprung.»

Ein Schwangerschaftstest ist frühestens acht Tage nach dem Eisprung möglich. Soll das Ergebnis wirklich vertrauenswürdig sein, wartet man mit dem Test sogar besser bis mindestens zwölf Tage nach dem Eisprung.

Der Grund: Eine Schwangerschaft liegt erst dann vor, wenn sich das befruchtete Ei in die Gebärmutter eingenistet hat. Das passiert innerhalb von acht bis zehn Tagen nach dem Eisprung. Erst danach beginnt der Embryo das «Schwangerschaftshormon» hCG zu produzieren. Das Hormon, das Schwangerschaftstests nachweisen. Oft dauert es sogar einige Tage, bis der Spiegel hoch genug ist, damit die Tests reagieren.

  • Mythos!
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