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Oh Schreck, die Schuhsohle ist weg!

Michael Suter, Redaktor bei Sanitas, hat auf einer Wanderung ausgerechnet auf der Bergspitze beide Schuhsohlen verloren. Der Fachspezialist Andy Planzer erklärt ihm, auf was er beim Kauf eines neuen Wanderschuhs achten sollte.

Interview: Michael Suter

 

Wann ist die ideale Tageszeit, um Wanderschuhe zu kaufen?

Ich empfehle Ihnen, Schuhe generell immer nachmittags oder abends anzuprobieren. Der Fuss schwillt im Verlauf des Tages an, senkt sich und verändert seine Grösse. Beim Plattfuss ist das allerdings nicht der Fall. Planen Sie genügend Zeit ein, damit Sie verschiedene Modelle im Fachgeschäft anprobieren können und den idealen Schuh finden.

 

Ich lasse mich immer vom Fachpersonal beraten. Was zeichnet einen kompetenten Schuhverkäufer aus?

Eine fachkundige Person erkundigt sich über Ihre geplanten Wanderrouten und in welchem Gelände der Schuh eingesetzt werden soll. Zudem misst sie Ihren Fuss aus und bietet für das Simulieren des Bergauf- und -ablaufens eine schiefe Ebene. Auch achtet sie darauf, dass Sie beim Anprobieren der Schuhe Wandersocken wie auf der richtigen Wandertour tragen. Wichtig ist auch, dass abgeklärt wird, ob Sie Fussgelenkprobleme haben.

 

Nun habe ich den Wanderschuh angezogen. Auf was muss ich beim Tragen achten?

Tragen Sie den Schuh 10 bis 15 Minuten und gehen Sie ein paar Schritte. Beobachten Sie dabei das Abrollverhalten. Der Schuh sollte gut sitzen und sich geschmeidig anfühlen. Idealerweise befindet sich der Abrollpunkt unter dem Fussballen. Falls Sie zu Druckstellen neigen, empfehle ich Ihnen, zusätzlich eine Einlegesohle zu testen, die den Fuss stützt und den Sitz im Schuh optimiert.

 

Und die Form meines Fusses spielt keine Rolle?

Doch, das ist ein wichtiger Punkt. Die Form des Schuhs muss zu der Form Ihres Fusses passen. Die sogenannten Passformkriterien müssen stimmen, sonst ist es nicht der richtige Wanderschuh für Sie. Zudem ist für die Schuhwahl auch entscheidend, für welches Gelände er gebraucht wird. Für leichte Wanderungen genügt ein sportlicher, niedriger Schuh. Für Bergwanderungen brauchen Sie einen mittelfesten, knöchelhohen Schuh.

 

Meine letzten Wanderschuhe haben mitten auf der Strecke die Sohlen verloren. Habe ich sie allenfalls falsch gelagert?

Die Lebensdauer hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine grosse Rolle spielt sicherlich die Machart – also die Art und Weise, wie die Sohle mit dem Schuhschaft verbunden wird. Da gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Grundsätzlich gilt: je aufwendiger die Machart, desto robuster der Schuh. Damit der Wanderschuh lange hält, braucht er die richtige Pflege und Lagerung. Wird der Schuh schlecht gepflegt, wird er schnell porös und wasserdurchlässig.

An diesen fünf Kriterien erkennen Sie den richtigen Schuh:

  1. Die Ferse darf sich nicht bewegen, sonst entstehen Blasen.
  2. Der Mittelfussbereich muss gut fixiert sein, um sicher im Schuh zu stehen.
  3. Die Zehen brauchen nach vorne einen Fingerbreit Platz, damit bergab keine Druckstellen entstehen.
  4. Der Schuhschaft darf nicht auf den Knöchel drücken, sondern muss ihn sanft umschliessen.
  5. Durch die Schnürung darf kein Druck auf den Fussrücken entstehen. 

Andy Planzer, 35, ist verantwortlich für den Bereich Schuhe im Transa Flagship Store an der Europaallee in Zürich. 

Michael Suter, 32, liebt die Natur und geht regelmässig mit Freunden auf mittelschwere Wanderausflüge.

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