«Influencer gehören zu meinem Alltag» | Sanitas Krankenversicherung
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«Ich followe, also bin ich»

Warum interessieren sich auf Social Media so viele Menschen für das Leben anderer? Die Studentin Simona Ritter hinterfragt ihre «Influencer-Liebe» mit einer Prise Selbstironie.

Text: Simona Ritter
Foto: Sven Germann

Als Follower like, poste, bewerte und kommentiere ich Fotos und Videos von Menschen, die ihr Leben in einer virtuellen Welt teilen. Eine Welt, die zugleich ein fester Bestandteil meines Alltags ist. Rund 600 Accounts habe ich auf Instagram abonniert – eine nichtssagende Zahl, da ich nur rund zwanzig Influencern aktiv folge. Manche ihrer Inhalte konsumiere ich täglich, andere situationsabhängig, zum Beispiel, wenn ein Party-Make-up ansteht und ich dazu eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von einer Beauty-Bloggerin brauche.

Mein TV-Programm habe ich längst gegen die Vlogs (Videoblogs) meiner beiden Lieblingsinfluencer eingetauscht: Janni Deler und Jon Olsson, ein Model und ein Ex-Skiprofi. Täglich posten sie Videos und Fotos aus ihrem Leben. Natürlich reisen sie viel, machen Action-Sport und leben in Häusern an den weltbesten Destinationen – kein Vergleich zu meinem Leben. Dieses besteht gefühlt aus der Radtour zur Uni, Nudelsuppe vom Chinesen um die Ecke und Unisport in überfüllten Gruppen. Trotzdem habe ich als Follower das Gefühl, ein Teil von ihrem Leben mitzuerleben.

Unter den restlichen Accounts ist eine Handvoll realer Freunde, Fitness- und Inspirationsblogs, die mit Lebensweisheiten wie «Nur wer reist, erfährt wahren Reichtum» glänzen. Blöd nur, dass ich nicht reich genug bin, um die Welt zu bereisen, und deshalb wahrer Reichtum vorerst von meiner Liste gestrichen ist.

Ausserdem habe ich viele lustige Seiten abonniert, zum Beispiel «Studentproblems». Nach drei Wochen Lernstress, wenn ich aus meiner Höhle krieche und mich im Spiegel selbst nicht mehr erkenne, ist es hilfreich, zu wissen, dass ich nicht als Einzige im Pyjama, mit ungekämmten Haaren und umzingelt von leeren Energy-Drink-Dosen lebte.

Allen anderen Accounts folge ich aus Gewohnheit. Oder ist es schon Sucht? Täglich scrolle ich mich direkt nach dem Aufwachen durch die Weiten von Instagram und Co. Manchmal erwische ich mich dann, wie ich beim selben Bild ankomme, bei dem ich die Nacht zuvor den Schlussstrich ziehen musste.

Ob ich Influencern langfristig treu bleibe, entscheide ich aufgrund ihrer Authentizität. Leider bewegt sich der Trend verstärkt in Richtung «Fake-Schiene». Im Kampf um Anerkennung überschreiten viele die Grenzen: Bildretuschen mit Photoshop, gemietete Autos, gefälschte Luxusuhren – ideal für alle, die auf Instagram so richtig reich wirken wollen.

Wichtig für mich ist, dass ich zwei Dinge auseinanderhalten kann: mein reales Leben und soziale Medien.

Simona Ritter, 25, studiert Multimedia Production an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur. Social-Media-Plattformen sind nicht nur eines ihrer Hobbys, sondern auch ein grosser Bestandteil ihres zukünftigen beruflichen Handwerks.

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