Online-Sucht | Sanitas Krankenversicherung
MED_SEN_laptop_SANITAS_17931_DSC2694.jpg

Online-Sucht

Ein Schlagwort greift um sich: die Online-Sucht. Wir wollten wissen: Ab wann ist jemand onlinesüchtig?

Text: Barbara Lukesch

Franz Eidenbenz, Psychologe mit dem Spezialgebiet Neue Medien, spricht von «Online-Sucht», wenn er bei seinen Patienten folgende Verhaltensweisen feststellt:

  • Sie verlieren die Kontrolle über ihren Online-Konsum.
  • Trotz offensichtlicher negativer Auswirkungen auf ihre Leistung in der Schule oder am Arbeitsplatz setzen sie ihren Konsum fort.
  • Gleichzeitig vernachlässigen sie ihre Sozialkontakte zur Familie, zu Freunden und Bekannten.

Die Konsumzeit allein sei kein Suchtkriterium, betont Eidenbenz, Leiter Behandlung beim Zürcher Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte Radix (spielsucht-radix.ch). Es gebe zahlreiche Anwendungen wie Recherchieren, Schreiben und Kommunizieren, die wertvoll und nützlich seien: «Problematisch wird der Konsum erst, wenn der Rest des Lebens nicht mehr bewältigbar ist. Wenn also der Konsum wichtiger wird als alles andere.»


Problem? Ich doch nicht!

In der Schweiz gelten 7,4 Prozent der 12- bis 19-Jährigen als onlinesüchtig. Hauptbetroffen, so Eidenbenz, seien männliche Jugendliche. Viele, die bei ihm eine Therapie machten, hätten kaum eine Problemeinsicht. Deshalb sei es für den Therapieerfolg sehr wichtig, auch Angehörige, Schule oder Arbeitgeber einzubeziehen.

Um Betroffenen helfen zu können, erhebt Franz Eidenbenz mit ihnen ihren täglichen Konsum und hält sie an, diesen zu kontrollieren. Zudem sucht er mit ihnen nach alternativen Freizeitbeschäftigungen und erprobt neue Formen der Konfliktbewältigung.

«Digitale Abstinenz», sagt der Experte, «ist heute keine Option mehr.» Denn fast alle Berufe setzen digitales Know-how voraus. «Wenn man die neuen Medien smart und kontrolliert konsumiert, machen sie weder dumm noch süchtig.»

Rechtlicher Hinweis Impressum