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«Ich schaffe mir Offline-Inseln»

«Mein Tag beginnt und endet oft mit dem Blick auf das Smartphone. Und dazwischen fallen noch etliche weitere Blicke darauf». Hana Disch, 35, ist Ökosystem-Manager bei Sanitas. Neuerdings schafft sie sich kleine «Offline-Inseln».

Mein Smartphone ist für mich im beruflichen wie auch privaten Alltag unverzichtbar. Ich benutze es, um zu kommunizieren, um Freunde zu treffen, um einen Weg von A nach B zu finden, um Dinge zu kaufen und zu verkaufen. Es ist meine Kamera, mein Wissensspeicher, mein Newsroom, meine Bank. Mein Wissenshunger und meine Neugierde werden ständig genährt. Das ist super, denn es vereinfacht vieles und eröffnet neue Möglichkeiten.

Irgendwann aber wurde mir bewusst: Dieses unscheinbare Gerät hat mein Leben total vereinnahmt. Es füllt und killt jeden stillen Moment. Es hat die Ruhe aus meinem Leben verbannt. Und plötzlich stellt man fest, dass man überfordert ist. Dass die Überdosis an Informationen ermüdet. Dass man nicht ständig erreichbar sein will. Deshalb habe ich beschlossen, mein Smartphone bewusster – smarter! – zu benutzen.

Mein Ziel ist nicht, komplett aufs Handy zu verzichten, nein. Aber ich will Grenzen setzen. Und so habe ich angefangen, mir kleine ‹Offline-Inseln› zu schaffen. Zum Beispiel schalte ich das Smartphone während einer Konversation ab. Und wenn ich esse, hat es nichts mehr auf dem Tisch zu suchen.

 

Vintage-Uhr und kostbare Mussestunden

Fünf Monate sind seit meinem Entschluss «Offline-Inseln schaffen» vergangen. Morgens weckt mich jetzt ein alter Funkwecker, den ich aus einer Kiste herausgekramt habe. Er ist toll. Und um tagsüber pünktlich zu sein, habe ich mir eine schöne Vintage-Uhr zugelegt. Dafür hat mein Smartphone als Wecker und als Uhr nichts mehr zu melden. Ich checke meine Büro-E-Mails auch nicht mehr schon im Bett. Warum auch? Es reicht, wenn ich das erst am Arbeitsplatz tue.

Manchmal nutze ich auch meine Fahrt ins Büro als «Offline-Insel»: Ich schaue aus dem Fenster des Zuges und lasse meine Gedanken schweifen oder beobachte die Menschen um mich herum. Die Whatsapp-Nachrichten auf meinem Smartphone versuchen natürlich penetrant, meine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Aber ich bleibe hart und lasse mich nicht ablenken.

Immer wieder aber gibt es Momente, wo mich ein schleichendes Gefühl von Stress und schlechtem Gewissen überkommt. Dann nämlich, wenn ich dem Drang nicht nachgebe, sofort zu reagieren. Ich mache mir in solchen Momenten bewusst, dass dieser Drang mich der Möglichkeit beraubt,loszulassen und mich auch mal langweilen zu dürfen. Solche kostbaren Mussestunden lasse ich nun vermehrt zu. Denn sie schaffen Raum für Neues, für Kreativität.

 

Eine Offline-Insel-Community?

Klar, ich ertappe mich auch in Situationen, in denen mein Blick regelrecht ins Handy hineinfällt. Vor allem wenn ich gerade auf etwas oder jemanden warte. Und schon löse ich mich auf in meinen Newsplattformen, Nachrichten und Bildern. Hingegen fällt es mir nicht schwer, während eines intensiven Gesprächs das Handy zu vergessen. Die einen Offline-Inseln entstehen von selber, andere muss man erzwingen.

Meine Idee ist nun, Offline-Inseln mit anderen zu teilen. Da dieses Thema etliche meiner Arbeitskollegen ebenfalls beschäftigt, haben wir ein kleines Projekt gestartet. Wir möchten gemeinsam Offline-Inseln kreieren. Wohin die Reise uns führen wird, ist noch offen. Wir wollen auf jeden Fall dranbleiben.


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