Hilfe bei Angststörung | Sanitas Krankenversicherung
MED_SEN_laptop_SANITAS_17931_DSC2694.jpg

Angst: «Online-Programme können helfen»

Angststörungen sind weit verbreitet. Können professionelle Online-Programme helfen? «Ja», sagt Prof. Dr. Thomas Berger, «sie können ein wirksamer Therapieansatz sein».

Interview: Robert Wildi

 

Bis zu welchem Grad ist Angst normal? Ab wann wird sie krankhaft?

Prof. Thomas Berger: Angst ist eine ganz normale Reaktion auf gefährliche, ungewisse oder unkontrollierbare Ereignisse und Situationen. Angst ist überlebenswichtig, sie schützt Menschen davor, sich in gefährliche Situationen zu begeben und lässt uns vor Gefahren flüchten. Problematisch wird sie, wenn sie auch ohne reale Bedrohung auftritt.

Wie merkt man, dass man eine Angststörung hat?

Hinweise sind, wenn Menschen die Angst nicht mehr kontrollieren können, unter der Angst leiden, angstauslösende Situationen vermeiden und in ihrem beruflichen und sozialen Leben eingeschränkt sind.

Wer ist speziell betroffen?

15 bis 20 Prozent aller Menschen leiden irgendwann im Leben unter einer Angststörung. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer.

Welches sind die häufigsten Angststörungen?

An erster Stelle stehen spezifische Phobien wie die Höhenphobie oder die Spinnenphobie. Sie belasten den Alltag in der Regel nicht akut. Danach folgen soziale Angststörung, die Panikstörung und generalisierte Ängste, die die Betroffenen oft stark beeinträchtigen.

Online-Fragebogen: Psyche im Lot?

Angst zu haben ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Doch wenn sie das Leben beeinträchtigt, sollten Sie Hilfe annehmen. Ein webbasiertes Coachingprogramm ist eine Möglichkeit. Finden Sie mithilfe unseres kostenlosen Online-Fragebogens heraus, ob unser Online-Programm «velibra – bei Sorgen und Ängsten» für Sie geeignet wäre. Nachdem Sie unverbindlich die Fragen beantwortet haben, erhalten Sie sofort ein repräsentatives Ergebnis.

Wodurch wird eine Panikattacke ausgelöst?

Oft treten sie plötzlich und unerwartet auf. Häufig sind nicht bestimmte Situationen der Auslöser, sondern körperliche Symptome wie Herzklopfen, Unwohlsein oder Kurzatmigkeit.

Und bei Phobien?

Da sind es ganz konkret Tiere wie Schlangen oder Spinnen, Höhenlagen, das Fliegen, enge Räume, eine zahnärztliche Behandlung oder der Anblick von Blut oder Verletzungen, welche die Angst auslösen.

Muss man sich einer Angst stellen, um sie besiegen zu können?

Ja, die wichtigste und wirksamste Methode ist die Konfrontationstherapie. Dabei lernen Betroffene, sich den gefürchteten Reizen auszusetzen. Bei einer Höhenphobie steigt man beispielsweise auf einen Turm, um die Angst so lange zu ertragen, bis sie abnimmt.

Neuerdings gibt es auch Online-Programme, die helfen sollen bei Angstsymptomen. Was taugen diese?

Internetbasierte Selbsthilfeprogramme haben sich gerade bei Angststörungen in vielen Studien als wirksam erwiesen. Wir erleben oft, dass es Menschen mit Panikattacken deutlich besser geht, nachdem ihnen die Abläufe, die zu ihrer Notsituation geführt haben, plausibel erklärt worden sind. Diese systematische und strukturierte Vermittlung von Fachwissen kann ein Online-Programm problemlos leisten. Wichtig ist, dass die Programme Betroffene auch dazu anleiten, nach draussen zu gehen und sich in der Realität mit angstauslösenden Situationen zu konfrontieren. Das gelingt nach unseren Erfahrungen mit Hilfe eines Online-Programms vielen Betroffenen sehr gut.

Welche Vor- oder Nachteile bringt eine virtuelle Therapie?

Gute Online-Programme vermitteln Betroffenen das, was ihnen auch Psychotherapeuten vermitteln würden. Man bewahrt sich eine gewisse Anonymität, was vielen Menschen den Schritt zu einer Online-Therapie einfacher macht. Im Vergleich zu einer Psychotherapie erfolgt die Arbeit mit dem Online-Programm selbständiger und erfordert deshalb mehr Disziplin.

Für wen eignen sich Onlineprogramme?

Es gibt kein typisches Profil. Unsere Erfahrung zeigt, dass Betroffene rasch selbst merken, ob ihnen ein solches Programm helfen kann. Ich empfehle, es einfach einmal auszuprobieren. Falls mit dem Programm keine Fortschritte erzielt werden, sollte man aber einen Arzt oder Psychologen aufsuchen.

Prof. Dr. phil.Thomas Berger arbeitet in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Bern. Er hat dort eine Förderungsprofessur SNF (Schweizerischer Nationalfonds) zum Thema «Internetbasierte klinisch-psychologische Interventionen». Mehr dazu auf: www.online-therapy.ch

Rechtlicher Hinweis Impressum