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«Für viele bleiben die Prämien unverändert»

Für CEO Andreas Schönenberger ist klar: Nur wenn alle am gleichen Strang ziehen, lässt sich unser Gesundheitswesen nachhaltig finanzieren.

Text: Helwi Braunmiller, Fotos: Kostas Maros

Die wichtigste Frage vorneweg: Wie entwickeln sich die Prämien im kommenden Jahr?

Erfreulicherweise zeichnet sich aktuell ab, dass wir den meisten unserer Versicherten 2020 stabile Prämien zusichern können: Bei einer grossen Mehrheit bleiben die Prämien in der Grundversicherung und in den Zusatzversicherungen unverändert. Gute Nachrichten gibt’s auch für junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren: Sie profitieren in der Grundversicherung weiterhin von sehr attraktiven Rabatten. Längerfristig gehe ich allerdings davon aus, dass die Prämien aufgrund der Überalterung, falscher Anreizsysteme, teurer Behandlungen etc. wieder stärker steigen werden.

Haben Sie Spartipps für die Kundinnen und Kunden?

Rabatte gibt es insbesondere in Versicherungsprodukten, welche die Behandlung von Patienten effizient steuern – etwa in alternativen Versicherungsmodellen wie unseren Produkten Callmed, Netmed, Caremed oder neu ab Oktober Medbase MultiAccess. Versicherte profitieren beispielsweise bei Callmed von 7x24-h-Verfügbarkeit, und dies bei tieferen Kosten als im Notfall im Spital. Zudem werden sie ohne Umwege an den Spezialisten verwiesen, der für ihr Problem am besten geeignet ist. Das erhöht die Effizienz, denn es verhindert Mehrfachanalysen sowie unnötige Arztbesuche, und spart so Kosten.

Oft entsteht dadurch aber der Eindruck, Krankenversicherungen versuchen zwar, Kosten zu senken, wirtschaften aber vor allem in die eigene Kasse.

Was die Grundversicherung anbelangt, ist dies gar nicht möglich. Krankenversicherungen müssen die Höhe der Prämien laut Gesetz so festlegen, dass sie am Ende die Kosten decken, aber keinen Gewinn erwirtschaften. Verzeichnet eine Krankenversicherung trotzdem ein Plus, weil weniger Krankheitskosten als erwartet angefallen sind, bildet sie Reserven. Mit diesen kann sie dann in Zukunft den Prämienanstieg für ihre Versicherten dämpfen.

In der Schweiz ist es schwierig, Gesundheitskosten zu senken. Wir leisten uns eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Was ist Ihre Meinung dazu?

Aus meiner Sicht braucht unser Gesundheitssystem ein Update. Es könnte viel effizienter, schlanker und liberaler sein. Trotz der bestehenden Überkapazitäten (20 bis 30 Prozent der Spitalbetten stehen leer) sind in den nächsten Jahren sehr hohe Investitionen in Spitäler geplant – über 15 Milliarden Franken. Wieso bauen wir die Spitalüberkapazitäten nicht ab? Die Bürgerinnen und Bürger stimmen regelmässig gegen Spitalschliessungen, unter anderem sicherlich aus Angst vor einer medizinischen Unterversorgung. Ein weiteres Problem ist die Intransparenz bei den Behandlungskosten. Die Bürgerinnen und Bürger werden beispielsweise von den tatsächlichen Spitalkosten abgeschirmt: 55 Prozent werden direkt von den Kantonen bezahlt und sind für den Patienten oder die Patientin nicht erkennbar. Das führt letztlich dazu, dass Versicherte bedenkenloser Leistungen in Anspruch nehmen. Zusätzlich honorieren die festgelegten Tarife exzellente Leistungen nicht genügend. Das könnte zur Folge haben, dass die Qualität langfristig sinkt. In der Schweiz fehlt definitiv eine Qualitäts- und eine Kostentransparenz. Die obligatorische Grundversicherung wurde 1996 eingeführt, um die Kostenexplosion zu verhindern und das Gesundheitssystem für alle erschwinglich zu machen. Leider hat dies nur bedingt funktioniert, denn die Kosten sind im Gesundheitswesen schneller gewachsen als das Bruttoinlandsprodukt.

Könnte eine Einheitskasse der Weg aus dem Kostendilemma sein?

Dies ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Ohne Wettbewerb werden die Kosten schneller steigen und die Qualität nimmt ab. Eine staatlich geführte Einheitskasse hätte keinen Anreiz, die Qualität, die Effizienz und das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu steigern.

Hat Sanitas ein Rezept, um die steigenden Kosten abzufedern?

Ein einfaches Rezept gibt es sicher nicht. Das Gesundheitswesen ist sehr engmaschig reguliert. Innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens sind wir bestrebt, mit Innovation und gutem Kostenmanagement die Preisentwicklung zu bremsen. Insbesondere die alternativen Versicherungsmodelle fördern wir in diesem Kontext. Hier haben wir den Freiraum, Effizienz und Qualität anstatt Menge zu belohnen. Deshalb schaffen wir neue alternative Versicherungsmodelle und Services, setzen zusätzlich noch stärker auf Prävention und fördern damit die Eigenverantwortung für die Gesundheit. Gleichzeitig müsste man mehr Freiraum für Innovationen und echten Wettbewerb schaffen. Zum Beispiel sollte es Krankenversicherern freistehen, Verträge mit Leistungserbringern aufzulösen, die keine gute Qualität erbringen. Dazu müsste aber zwingend Transparenz geschaffen werden bezüglich Qualität und Kosten einer Behandlung. Und wir müssten als Versicherer die Möglichkeit erhalten, Qualität zu belohnen.

Ebenfalls in den Medien unter Beschuss geraten sind die Spitalzusatzversicherungen. Sind sie ein Auslaufmodell?

Nein, im Gegenteil. Denn es gibt immer Versicherte, die zusätzliche Dienstleistungen wünschen. Und Letztere gehen gerade bei den Spitalzusatzversicherungen weit darüber hinaus, ob man im 1- oder 2-Bett-Zimmer liegt oder vom Chefarzt behandelt wird. Unser Preference Service beispielsweise unterstützt unsere Versicherten individuell bei der Vermittlung einer Zweitmeinung oder eines Termins bei einem Spezialisten. Zudem sind wir laufend daran, unser Produktangebot den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden anzupassen – sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich.

Welche Trends sehen Sie denn auf Krankenversicherungen zukommen?

Ein anhaltender Trend, den ich mit Sorge beobachte, ist die zunehmende Regulierung. Ich bin der Meinung, dass sie in unserem sowieso schon komplexen Gesundheitssystem Innovationen hemmt und letztlich so den Kunden schadet.

In welcher Rolle sieht sich Sanitas dem Kunden gegenüber?

Jede Kundin und jeder Kunde steht bei uns im Zentrum und wir verstehen uns als ihr Gesundheitspartner – nicht nur im Krankheitsfall, sondern insbesondere auch in der Prävention. Wir begleiten unsere Versicherten aktiv und erleichtern ihnen ihr Leben. Mit digitalen Services wie unserer Sanitas Portal App für alle Versicherungsangelegenheiten oder unseren Gesundheitsförderungsangeboten.

Worauf freuen Sie sich persönlich in den kommenden Monaten am meisten?

Ich freue mich, unseren Versicherten attraktive Prämien und neue, innovative Produkte und Services anbieten zu können, mit welchen wir ihre Bedürfnisse noch besser abdecken und sie in ihren Gesundheitsmassnahmen unterstützen können. Wir werden zudem Prozesse vereinfachen, beispielsweise im Online-Kaufprozess und in der Abrechnung. Und ich bin begeistert von unserem neuen Markenauftritt, der den partnerschaftlichen Ansatz «Gemeinsam für deine Gesundheit» betont und das Wohl unserer Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt stellt.