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Umfragen

Datengesellschaft und Solidarität: Die Forschungsstelle Sotomo befragte im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung Menschen aus der Schweiz zum Leben mit der Digitalisierung.

Ergebnisse Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» 2020


Surfen, einloggen, Datenspuren generieren: Das ist die neue Realität der e-Gesellschaft. Und die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung grossen Vorschub geleistet. Wie sahen die Menschen aber die Chancen und Risiken der Datengesellschaft noch vor Corona im Detail? Was war ihre Haltung zur stetig zunehmenden Lebensvermessung? Und wie wirkt sich das auf die gesellschaftliche Solidarität aus?

Der Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» 2020 zeigt: Die Bevölkerung ist ambivalent. Sie nutzt fleissig digitale Angebote, fürchtet sich aber vor Datenweitergabe. Sie hält gesellschaftliche Solidarität hoch, ruft aber vermehrt nach verhaltensabhängigen Versicherungsprämien.

Die Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung erfolgte zum dritten Mal seit 2018. Vom 9. bis 16. Januar 2020 wurden 2297 Personen online zu ihrem Verhalten und ihrer Einstellung zur Solidarität im Kontext der Digitalisierung befragt. Die gezielte Personenauswahl und Gewichtung sichert eine repräsentative Stichprobe nahe an der Schweizer Bevölkerung ab 18 Jahren. Unser Umfragepartner: Forschungsstelle sotomo, Zürich.


Kurzfassung ausgewählter Ergebnisse 

  • Die Datengesellschaft verliert an Schrecken: Im Dreijahresvergleich wird die Datengesellschaft heute vermehrt auch mit positiven Merkmalen wie Effizienz, Möglichkeiten und Informiertheit verknüpft. Heute sehen bereits 44 Prozent der Befragten vor allem Fortschritt und neue Möglichkeiten im digitalen Wandel. Damit in Zusammenhang stehen Selbstermächtigung und Selbstoptimierung.
  • Mehr Nutzer auf digitalen Kanälen: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der regelmässigen Nutzer von Streaming-Diensten (51%), Cloud-Datenspeichern (53%) und Social Media (67%) gestiegen. Auch nach einem Splitting nach Alter, beispielsweise für Social Media: 18- bis 35-Jährige (92%), 36-bis 55-Jährige (64%), > 55-Jährige (43%).
  • Mehr Junge verunsichert: Von den 18- bis 35-Jährigen sehen sich 38 Prozent durch die Entwicklung des digitalen Wandels verunsichert. Bei den über 65-Jährigen sind es 28 Prozent. Zudem beurteilen gerade die Älteren die Digitalisierung vermehrt positiv. Jüngere, die ihr Leben und ihre Karriere noch vor sich haben, scheinen mehr gefordert.
  • Leistungsdruck infolge digitaler Durchdringung: 44% der Erwerbstätigen sehen sich am Arbeitsplatz unter Druck – etwa gleich viele wie 2019. Aber einen deutlichen Sprung macht der wahrgenommene Leistungsdruck im Gesundheitsbereich (von 25 auf 32%).
  • Lebensvermessung ein Trend: Daten aufzuzeichnen über Aktivitäten und Gesundheit verbreitet sich. Über 20% der Bevölkerung gehen aufgrund des Schrittezählens häufiger oder länger zu Fuss, besonders die Frauen. Und bereits 58% der 15- bis 35-jährigen der Frauen zeichnen ihren Zyklus digital auf. Die Herzfrequenz messen mit 19% fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
  • Skepsis bezüglich Teilen von Gesundheitsdaten: 84% der Befragten würden selbst aufgezeichnete Daten mit dem Hausarzt teilen, aber deutlich weniger mit medizinischen Spezialisten (64%), der medizinischen Forschung (47%) oder einer Versicherung/Krankenkasse (15%).
  • Auswirkung der Datengesellschaft auf die Solidarität: Die Ambivalenz bezüglich der Solidarität im Gesundheits- / Krankenversicherungsbereich ist frappant. Prinzipiell wird Solidarität von gesund mit krank als wichtig erachtet und sie hat seit 2019 sogar signifikant an Bedeutung gewonnen (von 56 auf 63%). Gleichzeitig spricht sich 2020 erstmals eine Mehrheit (51%) dafür aus, dass sich Personen, die sich fit halten und gesund ernähren, weniger Krankenkassenprämie zahlen sollten als andere. Ein Anstieg um rund einen Fünftel in nur 2 Jahren, der Anlass zur Sorge um das bestehende Versicherungsprinzip mit Kopfprämie geben könnte.
  • Politik rennt der Basis davon: Ein Spezialthema des Monitors «Datengesellschaft und Solidarität» 2020 bildet der Vergleich der Einstellung zum digitalen Wandel von Bevölkerung und National- bzw. Ständeratskandidierenden 2019. Mehr Politiker (92%) sehen die Auswirkungen der Digitalisierung insgesamt positiv im Vergleich zur Basis heute (70%). Und zwei Drittel der Bevölkerung, aber nur ein Dritter der Politiker sind der Ansicht, die Digitalisierung führe zu mehr Ungleichheit im Arbeits- und Wirtschaftsleben. Entfremdet sich die Politik von der Bevölkerung?

Die zweite repräsentative Online-Umfrage fand im Februar 2019 statt und setzte Akzente auf das Thema Solidarität in der Gesellschaft. Wie ist die Bevölkerung der Schweiz der wachsenden Lebensvermessung gegenüber eingestellt? Welche Solidaritäten sind den Menschen wichtig? Und wie entwickelten sich Nutzung und Einstellung der Bevölkerung bei digitalen Angeboten seit 2018 weiter?

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Grundsätzlich ist der Bevölkerung Solidarität der Reichen mit den Armen, der Jungen mit den Alten, der Gesunden mit den Kranken und sogar Alten mit den Jungen am wichtigsten.
  • 2019 befürwortet jedoch bereits die Hälfte der Befragten Prämienrabatte für Personen, die sich fit halten und gut ernähren.
  • Die Personen, die ihre eigene Lebensweise gesünder einschätzen als die von anderen gleichen Alters, fänden solche verhaltensabhängigen Prämienrabatte sogar zu fast zwei Dritteln (63 Prozent) angemessen. Die Solidarität gerät somit unter Druck.
  • Diskrepanz zwischen Wunsch und Verhalten: Die Bevölkerung will und nutzt digitale Angebote und trägt so zum gläsernen Menschen bei. Gleichzeit bestehen aber Sorge um die gesellschaftliche Solidarität und Bedenken aufgrund der zunehmenden Leistungsgesellschaft.
  • Die Menschen sind gegenüber dem digitalen Wandel an sich etwas weniger skeptisch.
  • Junge, Flexible, Gebildete und Leistungsorientierte sehen die Befragten auf der Gewinnerseite der Digitalisierung. Der digitale Wandel akzentuiert jedoch die Leistungsgesellschaft und erzeugt zusätzlichen Stress – vor allem bei den Jüngeren.
  • Digitale Lebensvermessung führt eher zu weniger Selbstverantwortung – die digitale Nanny übernimmt.
  • Die Nutzung digitaler Angebote liegt auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr. Das Vertrauen in Datensammler ist wieder etwas gestiegen. Datenspuren scheinen akzeptiert, wenn im Gegenzug günstige oder kostenfreie digitale Angebote zur Verfügung stehen.

Die erste Umfragewelle «Digitale Lebensvermessung und Solidarität» 2018 beleuchtete vor allem Fragen zur eigenen Lebensvermessung mit dem Smartphone, die Bereitschaft Daten zu teilen, das Thema Datenspuren und Datenschutz sowie die Erwartungen an das gesellschaftliche Leben in einer digitalen Zukunft.

Schweizer gehören zu aktiven Erfassern von digitalen Leben- und Verhaltensdaten. Viele Personen sind im privaten Nutzerverhalten sehr offen, haben jedoch ein eher negatives Bild von einer Gesellschaft, die durch eine zunehmende digitale Vermessung geprägt ist. Hier die wichtigsten Folgerungen:

  • Lebensvermessung ist in der Schweizer Wohnbevölkerung verbreitet.
  • Menschen wägen Chancen und Risiken ab: Bedenken zu Privatsphäre stehen im Alltag oft im Hintergrund.
  • Datensammeln durch Dritte wird skeptisch beurteilt, besonders, wenn es sich dabei um Hacker/Kriminelle, um wirtschaftliche Unternehmen oder das Arbeitsumfeld handelt.
  • Befürchtungen zur digitalisierten Gesellschaft: Solidarität wie auch Eigenverantwortung sind herausgefordert.
  • Es stellt sich die Frage nach der digitalen Verantwortung.