Dossier: Familie

Beim Geocachen heben wir einen Schatz

Geocaching ist die moderne Form der Schnitzeljagd. Hier ist Entdeckerlust gefragt und Teamgeist. Ein Selbstversuch mit der Familie.

Text: Leoni Hof; Foto: Kostas Maros

«Ich will da nicht reinfassen. Wer weiss, welches Getier in diesem Erdloch haust.» Gerümpfte Nase, den Ärmel hochgeschoben, tu ich es dann doch. Ich bin mir sicher, mein Mut wird belohnt. Der Schatz, er kann nur hier versteckt sein. Es ist ein Wochenende im Sommer, ein Sonntag, der seinem Namen Ehre macht. Wir wollen an die frische Luft. Nur hat die Jüngste in letzter Zeit auf den klassischen Familienausflug keine Lust mehr. Lieber würde sie mit ihren Gspänli spielen. Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, um die Kleine bei Laune zu halten – und haben uns fürs Geocaching entschieden. Dafür braucht’s keine teure Ausrüstung, man kann es quasi überall machen und bei jedem Wetter. 

Praktischerweise wohnen wir direkt unterm Zürcher Hausberg, wo es auf der Geocaching-App –  unserer digitalen Schatzkarte – nur so wimmelt von «Caches». So nennt man die Verstecke, die es zu finden gilt. Allein in der Schweiz gibt es Tausende davon. Eins vorweg: nicht immer liegen hier wirklich Gegenstände verborgen. Oft sind dies kleine Behälter, sogenannte Micros, in denen nur ein Logbuch steckt, in das man sich eintragen kann. In anderen Caches finden sich tatsächlich kleine Schätze – wie Spielzeugautos, Murmeln oder Münzen – und man darf einen davon gegen einen gleichwertigen Gegenstand tauschen. 

Zieht man mit Kindern los, empfiehlt es sich, die Cachebeschreibung vorab zu lesen.

Nichts wie los!

Da wir uns zum ersten Mal auf Schatzjagd befinden, wählen wir Caches mit geringem Schwierigkeitsgrad. Auch den zeigt die App an. So schickt uns diese nur auf zugängliches Terrain und zu Caches, die auch für Kinder zu finden sind. Beim Schwierigkeitsgrad fünf etwa ist oft spezielle Ausrüstung nötig, Klettergurte und -seile beispielsweise. (Sogar im Himalaya oder in der Antarktis sind Caches versteckt, Geocacher sind auf der ganzen Welt unterwegs.) Zieht man mit Kindern los, empfiehlt es sich also, die Cachebeschreibung vorab zu lesen. Also nichts wie los, über un- oder wohlbekannte Wege. Denn selbst Letztere werden beim genauen Hinsehen wieder spannend. Wir bewundern Wurzeln, die sich wie Riesenschlangen durch die Erde winden oder streifen mit den Händen über knorrige Bäume, die uns an alte Waldgeister erinnern. Wir fühlen uns bei unserer Suche tatsächlich wie Entdecker. Den ersten Schatz finden wir in einem kleinen Baumloch. Wo genau, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten... Andere der von Geocachern versteckten Caches tarnen sich als Grasbüschel oder Steine, Schrauben oder Tannenzapfen. Verstecken sollte aber erst, wer schon selbst einige Caches gefunden hat. 

Gut gerüstet

Überhaupt empfiehlt es sich, fürs Geocaching eine überschaubare Ausrüstung dabei zu haben: neben dem Handy einen Stift für den Eintrag ins Logbuch, Tauschgegenstände, ein Taschenmesser, einen kleinen Spiegel für Caches in verwinkelten Verstecken, vielleicht noch eine Taschenlampe und ein Notizbuch, falls Rätsel gelöst werden müssen. Übrigens: Beim Suchen und erst recht beim Finden sollte man diskret vorgehen. Nicht, dass die «Muggel», so nennt die eingeschworene Gemeinde der Geocacher all jene, die nicht schatzsuchend unterwegs sind, auf die Caches aufmerksam werden. Es versteht sich ausserdem von selbst, dass man als Geocacher auf den Wegen bleibt, gerade wenn die Suche durch Naturschutzgebiet führt. Statt durch geschützte Areale oder Weideland zu trampeln, halten wir also inne und überlegen uns eine alternative Route. An diesem Sonntag finden wir tatsächlich drei Schätze, stapfen stundenlang durch den Wald, naschen Heidelbeeren und schlagen einen Bogen um die ersten spriessenden Pilze. Das Kind hat kein einziges Mal gefragt, wann wir denn endlich da sind. Und auch uns Erwachsenen hat diese Suche Spass gemacht. Weil wir sie als Familie bestritten haben, jeder seinen Teil dazu beitrug. Und weil diese moderne Schnitzeljagd einem tatsächlich den Blick auf die Welt verändern kann – wo hinter jeder Ecke ein Schatz auf uns warten könnte.