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Die Zukunft der Arztpraxis

Immer häufiger spannen Mediziner in multidisziplinären Praxen zusammen: Diese bieten Ärzten und Therapeuten, aber auch Patienten neue Möglichkeiten.

Text: Helwi Braunmiller, Foto: Kostas Maros

Die Aussicht aus dem 13. Stock auf Zürich Oerlikon und die Alpen ist grossartig. Licht durchflutet die Räume durch bodentiefe Fenster. Überhaupt: Alles ist neu, modern und grosszügig im Andreasturm, nur einen Steinwurf vom Bahnhof Oerlikon entfernt. Behandlungszimmer reiht sich an Behandlungszimmer. Seit Ende 2018 praktizieren hier Allgemeinmedizinerinnen neben dem Hautarzt, Psychotherapeutinnen neben Orthopäden, Alternativmediziner neben Gynäkologinnen, ein Stockwerk höher ist das Physiotherapeutenteam zu Hause.

Ärztezentren, die viele Disziplinen unter einem Dach vereinen, sind gerade in Ballungsräumen wie Zürich, Basel, Bern und Genf auf dem Vormarsch. Vor allem junge Mediziner schliessen sich zunehmend in multidisziplinären Praxen zusammen. Allein zwischen 2011 und 2014 hat deren Zahl schweizweit um rund 20 Prozent zugenommen.

Im Team Zeit und Geld sparen

Für Ärzte und Therapeuten ermöglicht das eine sehr verzahnte Art des Arbeitens. «Es kommt beispielsweise vor, dass meiner Kollegin in der Physiotherapie ein Leberfleck auffällt. Sie kann mich dann mit Zustimmung des Patienten einfach schnell hinzurufen, damit ich kurz einen Blick darauf werfe», erzählt Oliver Das, Hautarzt im Medbase Gesundheitszentrum im Andreasturm. Das spart Zeit und Geld. «In 90 Prozent der Fälle übernehme ich den Patienten auf Zuruf sofort – eine klassische Win-win-Situation.»

Man kennt und trifft sich, nicht zuletzt dank des gemeinsamen Aufenthaltsraums, den sich Ärzte und Therapeuten ebenso teilen wie die Behandlungsräume und die Infrastruktur. Ultraschall, Röntgen und Co. sind so einerseits optimal ausgelastet, andererseits sind aber auch Teilzeitpensen gut möglich – gerade unter Ärzten früher ein Ding der Unmöglichkeit. «Vor allem erfahrene Kolleginnen und Kollegen mit Familie arbeiten gerne in Teilzeit, und wir müssen so auf ihre Expertise nicht verzichten», sagt Gaby Mischler, stellvertretende Leiterin Physiotherapie und Komplementärmedizin im Medbase Gesundheitszentrum in Oerlikon.

«Wir haben standardisierte Zimmer, in denen alles immer am gleichen Ort ist.»

So flexibel die Arbeitsmodelle, so gross der Diskussionsbedarf zwischen den Disziplinen – beispielsweise wenn es darum geht, welche Medikamente es in der kleinen Apotheke wirklich braucht. Und in den Räumen, die sich mehrere Ärzte oder Therapeuten teilen, muss strikte Ordnung herrschen. «Wir haben standardisierte Zimmer, in denen alles immer am gleichen Ort ist», erklärt Gaby Mischler. Persönliche Bilder an den Wänden, die Lieblingsskulptur auf dem Tisch? Fehlanzeige. «Das fehlt mir tatsächlich manchmal, ich bin da eher ein Individualist», gibt Oliver Das zu. «Ich glaube dennoch: Vor allem in Städten wird die Zahl der Zentren weiter zunehmen.»