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Diabetes Typ 2: vom Alterszucker zur Volkskrankheit

Diabetes Typ 2 ist längst mitten in der Gesellschaft angekommen. Zunehmend sind auch Menschen unter 40 Jahren betroffen. Die grössten Risikofaktoren: Bewegungsmangel und Übergewicht.

Text: Helwi Braunmiller; Foto: Priscilla Du Preez / Unsplash

«Alterszucker» oder «Altersdiabetes»: So war Diabetes Mellitus Typ 2 noch bis in die jüngere Vergangenheit bekannt. Nur: Die Patientengruppe hat sich längst über ältere Menschen hinaus erweitert, der Anteil jüngerer Erkrankter steigt. Übergewicht ist einer der Hauptgründe dafür.

Heute sind neun von zehn Diabetikern vom Typ 2 betroffen, in der Schweiz sind dies über 400'000 Menschen.

Wie entsteht Diabetes Typ 2?

Unser Körper ist ständig damit beschäftigt, Energie aus der aufgenommenen Nahrung zu gewinnen. Insulin spielt dabei eine massgebliche Rolle. Es dient als «Türöffner»: Dank ihm können Muskel- und Fettgewebszellen Zucker (Kohlenhydrate) aufnehmen. Bei Diabetes Typ 2 sprechen diese Zellen zunehmend schlechter auf Insulin an, sie werden insulinresistent. Die Folge: Es wird weniger Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust. Die Bauchspeicheldrüse versucht dem entgegenzusteuern, indem sie mehr Insulin ausschüttet, um den Zucker aus dem Blut zu filtern. Bleibt diese Reaktion aber ohne den Effekt, dass der Zuckerspiegel im Blut tatsächlich wieder sinkt, kommt es zum Diabetes Typ 2 – einem erhöhten Zuckerspiegel im Blut.

Symptome für Diabetes Typ 2: schleichende Verschlechterung

Der Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und meist unbemerkt. Sehr oft bleiben Betroffene lange symptomfrei. Die Diagnose fällt erst, wenn Komplikationen auftreten – schlecht heilende, infektionsanfällige Wunden, Empfindungsstörungen in Füssen oder Beinen oder Sehstörungen beispielsweise. Denn ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt Nerven und Blutgefässe – vor allem der Nieren und Augen. Umso wichtiger ist es, früh gegenzusteuern und folgende Symptome ernst zu nehmen und beim Arzt abklären zu lassen:

  • starker Durst
  • verstärkter Harndrang (auch nachts)
  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Gewichtsverlust
  • verschwommenes Sehen

Die Diagnose: Habe ich Diabetes Typ 2?

Sie können bereits im Vorfeld eines Arztbesuchs Ihr individuelles Risiko in einem Online-Test kostenlos bestimmen.

In der Arztpraxis lässt sich die Zuckerkrankheit durch einen unkomplizierten Blutzuckertest nachweisen. Dafür nimmt die Ärztin Blut aus der Vene ab. Bei Unsicherheit kann ein zusätzlicher Zuckerbelastungstest Aufschluss geben: Dafür darf der Patient oder die Patientin 10 bis 16 Stunden vor dem Test nichts essen und muss sich davor drei Tage lang kohlenhydratreich ernähren. In der Arztpraxis muss er eine genau festgelegte Glukoselösung trinken. Mittels Bluttest wird nun untersucht, wie hoch der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Diabetes Typ 2 vorbeugen und behandeln

Die gute Nachricht: Man kann Diabetes Typ 2 durch eine Änderung des Lebensstils in vielen Fällen in Anfangsstadien so effektiv beeinflussen, dass keine Medikamente nötig sind. Eine britische Studie aus dem Jahr 2017 zeigt: Fast der Hälfte aller Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes gelang es mit einer kalorienreduzierten Ernährung inklusive Ernährungsberatung, ihren Blutzuckerspiegel innerhalb eines Jahres deutlich zu senken. Nahmen sie 15 Kilo oder mehr ab und hielten sie dieses Gewicht, konnten 86 Prozent der Studienteilnehmer ihren Diabetes zurückdrängen.

Das beeinflusst den Blutzuckerspiegel positiv:

  • Sport und Bewegung
  • Abnehmen
  • Eine ausgewogene Ernährung: Dazu zählt nicht nur gesundes Essen (möglichst keine Fertiggerichte), auch – und die gehen oft vergessen – gesunde, zuckerfreie Getränke wie Wasser oder ungesüsste Tees gehören dazu. 

In fortgeschrittenen Stadien kann die Insulinproduktion komplett zum Stillstand kommen. Dann wird es wie bei Typ-1-Diabetikern erforderlich, Insulin zu spritzen – aus der Insulinresistenz ist ein Insulinmangel geworden.

Es gelten die Grenzwerte gemäss diabetsschweiz.ch. Wichtig ist, sich engmaschig von einem Arzt oder einer Ärztin beraten zu lassen und auch die Unterstützung einer Diabetes-Fachperson in Anspruch zu nehmen.