Zahnpflege: Guide für gesunde und starke Zähne
Die Zähne richtig zu pflegen, ist gar nicht so aufwendig. Die besten Tipps vom Zähneputzen über die richtige Ernährung bis hin zu Bleaching.
Gepflegte und gesunde Zähne wirken attraktiv auf andere Menschen, das zeigen psychologische Studien. Dabei lohnt es sich nicht nur aus ästhetischen Gründen, auf Mundhygiene zu achten. Gesunde Zähne beugen Erkrankungen an ganz anderen Stellen im Körper vor – ein komplexer, aber gut nachgewiesener Zusammenhang.
Zahngesundheit – mehr als nur ein schönes Lächeln
Essensreste zwischen den Zähnen sind ein ausgezeichneter Nährboden für Bakterien. Wo sich diese ansiedeln, bildet sich in den Zahnzwischenräumen Zahnbelag – sogenanntes Plaque. Was wiederum die Gefahr für Zahnstein erhöht.
Solche Entzündungen im Mundraum setzen über die Blutbahn im Rest des Körpers Bakterien frei.
Diese Entzündungsherde können sich dann in Blutgefässen ablagern, was das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Arteriosklerose erhöht – also an ganz anderer Stelle im Körper.
Es lohnt sich also doppelt, die Zähne gut zu hegen. Vorsorge beginnt dabei oft schon bei der Ernährung.
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Was schadet den Zähnen am meisten?
Zucker und Kohlenhydrate
Eine der frühesten Lektionen, die Kinder lernen: Zucker ist schlecht für die Zähne. Und das stimmt auch. Kohlenhydrate dienen Bakterien als Nahrung, diese wandeln sie dann in Säuren um.
Kompletter Zuckerverzicht muss trotzdem nicht sein: Ein Dessert nach dem Essen ist für den Zahnschmelz kein Problem – wohl aber viele kleine Rationen Zuckerhaltiges den Tag über.
Säure
Säuren greifen den Zahnschmelz direkt an, indem sie ihm Mineralien entziehen, was zu Karies führt. Der Zahnschmelz wird weich, die Zähne werden schmerzempfindlich.
Speichel neutralisiert solche Säuren, deswegen eignen sich zuckerfreie Kaugummis gut. Besonders viel Säure ist in Säften und Limonaden, genauso aber in Früchten oder Salatsaucen enthalten.
Klebrige Nahrungsmittel
Trockenobst, Gummibären und andere klebrige Snacks bleiben lange am Zahn haften und machen ihm genauso lang zu schaffen.
Zigarettenrauch
Tabakkonsum schädigt die Zähne, das Zahnfleisch und die gesamte Mundhöhle. Anzeichen hierfür sind Verfärbungen, die Nikotin und Teer als Ablagerungen hinterlassen.
Vor allem ist das Risiko für Parodontitis, also Zahnfleischentzündungen, durch Zigaretten erhöht, genauso wie für Wundheilungsstörungen.
Mechanische Schäden und Stress
Wer an den Nägeln oder dem Kugelschreiber kaut oder gar mit den Zähnen Kronkorken öffnet, sollte sich nicht wundern.
Dasselbe gilt für Menschen, die stressbedingt mit den Zähnen knirschen.
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Welche Lebensmittel sind gut für gesunde Zähne?
Besonders empfehlenswert sind:
- Milchprodukte: Käse und Joghurt enthalten viel Kalzium und stärken den Zahnschmelz. Vegane Alternativen sind Brokkoli, Grünkohl, Sesam oder Mandeln.
- Knackiges Gemüse: Karotten, Kohlrabi oder Fenchel machen festes Kauen nötig, was den Speichelfluss und damit die Selbstreinigung der Zähne erhöht.
- Nüsse können dasselbe und neutralisieren daneben noch den Mund. Besonders wertvoll sind Mandeln, Walnüsse und Paranüsse.
- Vollkornprodukte wie Brot, Nudeln oder Müsli machen lange satt und liefern wichtige Mineralstoffe.
- Lebensmittel mit Fluorid, etwa fetter Seefisch wie Lachs und Makrele, genauso aber Mineralwasser, härten den Zahnschmelz.
- Zuckerfreie Alternativen und Zahnpflegekaugummis mit Xylit erzeugen keinen Karies.
Richtig Zähne putzen: So geht's
Zahnfreundliche Lebensmittel sind das eine. Auch wer auf sie achtet, kommt um tägliche Zahnpflege nicht herum.
Auf dem Markt für passende Produkte werden laufend neue Innovationen angepriesen. Dabei hat die gute alte Handzahnbürste längst nicht ausgedient. Wichtiger als Hightech sind Putztechnik und -frequenz.
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Wie oft, wie lang?
«Viel wichtiger als ‹wie oft?› ist die Frage ‹wann und wie?›», erklärt Claudia Altorfer-Sigrist, diplomierte Dentalhygienikerin am Prophylaxe Zentrum Zürich. Zwei- bis dreimal am Tag sollten es sein.
«Nehmen Sie sich für jeden Zahn fünf Sekunden Zeit.» Macht insgesamt etwa zweieinhalb Minuten. Die wichtigste Putzeinheit ist die vor dem Schlafengehen. Denn über Nacht nimmt der Speichelfluss ab. Bakterien haben es dann leichter, Zahnfleischentzündungen hervorzurufen.
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Der ideale Zeitpunkt – direkt nach dem Essen?
Einst hiess der Ratschlag, nach dem Essen 30 Minuten mit dem Zähneputzen zu warten, weil zu frühes Putzen den Zahnabrieb erhöhe.
Heute empfehlen Zahnexperten, direkt nach dem Essen ranzugehen, damit die Zähne möglichst schnell mit Fluorid in Kontakt kommen. Denn baut sich im bakteriellen Belag auf den Zähnen Zucker zu Säure um, kann sich Karies bilden.
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Die richtige Technik
«Erste Anzeichen für Zahnfleischentzündungen sind Rötungen, Schwellungen und Blutungen beim Zähneputzen», so Dentalhygienikerin Altorfer-Sigrist.
Um Plaque am Zahnfleischrand zu entfernen, ohne das Zahnfleisch zu verletzen, setzen Sie die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel auf die Zähne auf. Nach dem Putzen: ausspucken, aber nicht ausspülen, damit das Fluorid in der Zahnpasta seine Wirkung entfalten kann.
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Der Reihe nach – die KAI-Methode
Was bei Kindern gut funktioniert, damit sie nichts übersehen, klappt auch bei Erwachsenen: Zuerst werden die Kauflächen, dann die Aussenflächen und schliesslich die Innenflächen des Zahns gereinigt. Erst wird oben geputzt, anschliessend unten.
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Die passende Zahnbürste
Hand- oder Schallzahnbürste? Claudia Altorfer-Sigrist empfiehlt Letztere: «Üben Sie keinen Druck aus. Bei solchen Bürsten ist keine zusätzliche Putzbewegung nötig.» Achtung beim Kauf: Nicht überall, wo Schalltechnologie draufsteht, ist sie auch drin.
Am besten in der Zahnarztpraxis nachfragen. Wenn es die gute alte Handzahnbürste sein soll, eignen sich weiche Borsten am besten. Wer sich für eine oszillierende Zahnbürste mit rundem Kopf entscheidet, sollte darauf achten, das Zahnfleisch nicht zu verletzen.
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Zahnpasta mit Fluorid – ja oder nein?
Für Claudia Altorfer-Sigrist ist diese jahrealte Diskussion nicht ganz nachvollziehbar, sie rät ihren Patientinnen und Patienten immer zu fluoridhaltiger Zahnpasta: «Fluorid macht den Zahnschmelz widerstandsfähiger und verhindert die Bildung von Karies.»
Wissenschaftlich eindeutig belegt – und absolut sicher, solange keine extremen Mengen an Fluorid geschluckt werden. Bei Kindern auf entsprechende Dosierung achten.
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Ist Zahnseide wirklich nötig?
Ja und nein. Wichtig ist, auch die Zahnzwischenräume zu reinigen. Zwar entfernt Zahnseide tatsächlich Essensreste von dort. «Gründlicher ist es aber, die Zahnzwischenräume am Abend mit einem Zahnzwischenraumbürstchen zu reinigen – vor dem eigentlichen Putzen», sagt Altorfer-Sigrist.
Nur so können die Beläge, welche Entzündungen hervorrufen, gründlich entfernt werden. Und bei engen Zwischenräumen? Hilft dann doch zusätzlich die Zahnseide.
Prophylaxe: Regelmässige Kontrolle & Dentalhygiene
Solange nichts wehtut, wird schon alles in Ordnung sein? Das wäre zu kurz gedacht.
Schäden, durch Karies oder Parodontitis verursacht, werden in der Zahnarztpraxis bei der jährlichen Kontrolluntersuchung erkannt, um rechtzeitig eingreifen zu können, bevor es wehtut.
Auch Tipps zur Zahnpflege und zu weiteren Massnahmen wie der Versiegelung der Zähne gibt es dort.
Die Alarmzeichen: Wann ist ein Zahnarztbesuch sofort nötig?
Kennt jeder: Zahnschmerzen machen sich immer im ungünstigsten Moment bemerkbar. Nicht jeder Schmerz ist gleich ein Notfall.
Wohl aber, wenn er pochend oder pulsierend ist, vielleicht sogar begleitet von Fieber und Schwellungen – ein Zeichen, dass das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion beschäftigt ist.
Wer jetzt nicht sofort eine Zahnarztpraxis aufsucht, riskiert, dass der entzündete Zahnnerv abstirbt. Dann breiten sich die Erreger unbemerkt weiter aus.
Bei einer Parodontitis sind das Zahnbett und der Zahnhalteapparat entzündet. In der Altersklasse zwischen 35 und 44 war 2010 etwa jeder Fünfte betroffen. Zwischen 65 und 74 Jahren lag die Quote sogar bei 40 Prozent. Meist sind Bakterien, die sich auf den Zahnbelägen ansammeln, die Ursache. Unbehandelt kann sie bis zum Zahnverlust führen. Eine gute Zahnhygiene und regelmässige dentalhygienische Behandlungen beugen vor.
Karies – also ein Loch im Zahnschmelz – ist bereits bei Kindern weit verbreitet. Bereits 13 Prozent der zweijährigen Kinder haben Karies, bei den siebenjährigen sind es bereits bis zu 50 Prozent. Die gute Nachricht ist aber: Zwischen 1964 und 1996 hat der Kariesbefall bei Schulkindern um 90 Prozent abgenommen. Eine gute Mundhygiene inklusive fluoridhaltiger Zahnpasta sowie wenig Zucker und Säuren senkt das Risiko.
Zahnmythen im Check
Wie wichtig gesunde Zähne sind, weiss man oft erst zu schätzen, wenn sie wehtun. Oder ausgefallen sind. Um aber nicht den oft irreführenden Werbeversprechen auf den Leim zu gehen, ist es gut, wenn man sich mit den gängigen Mythen der Zahnpflege auskennt.
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Ist Milch gesund für die Zähne?
Ja und nein. Zwar enthält Milch Calciumphosphat, welches die Zähne stärkt. Milch enthält aber auch Zucker, der ihnen schadet. Besser ist Hartkäse, weil er das Enzym Casein enthält, das beim Zahnaufbau hilft.
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Wie sinnvoll sind Ölziehen und Natron?
Natron wirkt wie Schmirgelpapier und entfernt Verfärbungen – effektiv und schnell. Weil es den schützenden Zahnschmelz abreibt, wird davon aber dringend abgeraten.
Wesentlich weniger riskant ist das Ölziehen mit Kokos- oder Sesamöl: Am besten morgens auf nüchternen Magen 10 bis 20 Minuten lang einen Esslöffel langsam durch die Zahnzwischenräume ziehen, in ein Papiertuch spucken und im Hausmüll entsorgen, um verstopfte Rohre zu vermeiden.
Ölziehen kann Entzündungen hemmen und eine gesunde Mundflora fördern. Eine sinnvolle Ergänzung zur gängigen Zahnpflege aus der ayurvedischen Lehre – aber kein Ersatz.
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Ist Zahnbleaching schädlich?
Kaffee, Tee, Rotwein oder Nikotin verfärben den Zahnschmelz, ebenso manche Medikamente. Also ab zum Bleaching? Nein. Denn nicht jede Art von Bleichen ist gut für Zähne und Zahnfleisch.
In Produkten aus der Drogerie sind Bleichmittel wie etwa ätzendes Wasserstoffperoxid enthalten. Das kann zu Verätzungen im Mund führen, mindestens aber zu fleckigen Ergebnissen.
Schonender wirkt da eine professionelle Zahnreinigung. Bleachings, die von Fachleuten in der Zahnarztpraxis angeboten werden, sind in der Regel unbedenklich. Ihre Wirkung ist zeitlich aber begrenzt.
Was bezahlt die Krankenkasse?
Die obligatorische Grundversicherung bezahlt in der Schweiz nur Leistungen bei schweren, unvermeidbaren Erkrankungen der Zähne sowie bei Unfällen. Dentalhygiene, Spangen oder Füllungen müssen selbst bezahlt werden.
Vor teuren Behandlungen sollten Sie unbedingt einen Kostenvoranschlag einholen und Angebote vergleichen.
Wann ist eine Zusatzversicherung sinnvoll?
Kurze Antwort: oft. Angebote wie «Dental» und «Dental Basic» von Sanitas schützen vor hohen Kosten, die schnell anfallen.
Die Zusatzversicherung «Dental» zum Beispiel deckt neben der Zahnhygiene 80 Prozent der Kosten für Zahnbehandlungen bis 5000 Franken pro Kalenderjahr ab – auch im Ausland.
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