Dossier: Gesunde Zähne

Fünf Tipps für richtiges Zähneputzen

Ist Zahnseide wirklich nötig? Handzahnbürste oder doch lieber elektrisch? Und was hat die Zahl 45 mit all dem zu tun? Eine Expertin klärt auf.

Text: Isabelle Fretz; Foto: iStock

Wer kann sich noch an die Schulstunde erinnern, in der die Schulzahnpflege-Instruktorin mit einem riesigen Plastikgebiss und einer übergrossen Zahnbürste das Zähneputzen demonstriert hat? Viel ist von den Informationen wahrscheinlich nicht hängengeblieben – geschweige denn noch gültig. Claudia Altorfer, diplomierte Dentalhygienikerin HF und Schulleiterin Prophylaxe Zentrum Zürich, erklärt, worauf Sie beim Zähneputzen achten sollten

Viel wichtiger als ‹wie oft?› sind ‹wann und wie?›

Wie oft Zähne putzen: einmal, zweimal oder dreimal täglich?

Grundsätzlich gilt: Ihre Zähne sollten Sie zwei- bis dreimal pro Tag putzen – sofern Ihre Zahnärztin oder Ihr Dentalhygieniker nichts anderes empfehlen. «Viel wichtiger als ‹wie oft?› sind ‹wann und wie?›», so Claudia Altorfer. Aufs Zähneputzen am Abend, bevor Sie ins Bett gehen, sollten Sie auf keinen Fall verzichten. Denn über Nacht wird der Speichelfluss deutlich geringer. Bakterien haben dadurch grössere Chancen, Zahnfleischentzündungen hervorzurufen. Doch wie putzen Sie Ihre Zähne richtig? Auch hier hat Claudia Altorfer einen einfachen Tipp: «Putzen Sie die Vorder- und die Rückseite der Zähne mit rüttelnden Bewegungen statt mit kreisenden. Die Kauflächen können Sie hingegen ganz einfach schrubben.»

Der Umgang mit der Zahnbürste: der ominöse 45-Grad-Winkel

Um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen, setzen Sie die Zahnbürste in einem 45-Grad-Winkel auf die Zähne auf. Nur so können die Borsten auch den Zahnfleischrand reinigen. «Erste Anzeichen für Zahnfleischentzündungen sind Rötung, Schwellung und Blutung beim Zähneputzen», so die Dentalhygienikerin. 

Üben Sie keinen Druck aus und nehmen Sie sich für jeden Zahn fünf Sekunden Zeit

Handzahnbürste vs. Schallzahnbürste

Claudia Altorfer empfiehlt die Reinigung mit der Schallzahnbürste: «Üben Sie keinen Druck aus, setzten Sie die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel an und nehmen Sie sich für jeden Zahn fünf Sekunden Zeit. Eine zusätzliche Putzbewegung ist nicht nötig.» Beim Kauf ist jedoch Vorsicht geboten, denn nicht überall, wo Schalltechnologie draufsteht, ist diese auch tatsächlich drin. Lassen Sie sich vor dem Kauf von Ihrer Zahnärztin oder Ihrer Dentalhygienikerin beraten. Anstelle der Schallzahnbürste können Sie auch eine manuelle Zahnbürste mit weichen Borsten verwenden. Vorsicht ist bei oszillierenden Zahnbürsten mit rundem Kopf geboten. Diese können bei falscher Handhabung das Zahnfleisch verletzen. Daher rät die Expertin vom Gebrauch eher ab.

Ist Zahnseide wirklich notwendig?

Ja und nein. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Zahnzwischenräume reinigen. Die Zahnseide ist jedoch ein Hilfsmittel, das nur sehr eingeschränkt Sinn macht. Sie verleiht uns zwar ein gutes Gefühl, da sie Essensreste entfernt. «Besser ist es jedoch, die Zahnzwischenräume am Abend mit einem Zwischenraumbürstchen zu reinigen – und zwar vor dem eigentlichen Zähneputzen. Nur so können die Beläge, welche Entzündungen hervorrufen, gründlich entfernt werden.» Kleiner Wermutstropfen: Für Personen mit eng gestellten Zähnen werden die Zwischenraumbürstchen nicht empfohlen. 

Zahnpaste mit Fluorid oder lieber ohne?

Obwohl Fluorid bei einigen Menschen keinen guten Ruf geniesst, ist für Claudia Altorfer klar, zu welchem Zahnpflegeprodukt sie greift. «Ich empfehle meinen Patientinnen und Patienten immer eine fluoridhaltige Zahnpaste. Denn Fluorid macht den Zahnschmelz widerstandsfähiger und verhindert die Bildung von Karies.»