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Dossier: Feiern und geniessen

«Ein Salatblatt kann man nicht geniessen!»

Der Philosoph Markus Huppenbauer findet: Freude am Essen ist wichtig! Das klappt aber kaum, wenn wir dabei verbissen Kalorien zählen.

Text: Ruth Jahn; Foto: Filipa Peixeiro

Herr Huppenbauer, gehört Genuss zu einem guten Leben?

Er ist sogar ein zentraler Teil davon!Wer geniessen kann, ist insgesamt zufriedener mit seinem Leben. Genuss heisst ja: Wir sind präsent und voll bei einer Sache, wir sind mit dem Leben versöhnt. Auch wenn um uns herum vieles elend und düster sein mag.

Sind wir denn heute genussfreudiger als in der Vergangenheit?

Ich zögere, hier ja zu sagen. Im Unterschied zu früher hätten wir die Möglichkeit, genussvoll durchs Leben zu gehen. Heute ist Genuss etwas für viele, nicht nur für Eliten wie früher. Aber: Wir leben in engen Zeitkorsetts, sind schon im Kindergarten hoch getaktet, essen hastig, sind getrieben beim Konsumieren – wirklich genüsslich ist das nicht!

Müssen wir erst wieder lernen, zu geniessen – Essen zum Beispiel?

Ganz sicher. Wir kommen nicht als Gourmets zur Welt. Von unserer Biologie her sind wir einfach konditioniert: Hast du Zucker, Fett oder Proteine vor dir – iss sie! Aber das ist kein Genuss. Genuss hat mit Kultiviertheit zu tun. Ich spreche nicht von einer Tafel mit fünf verschiedenen Bestecken und dreierlei Gläsern. Sondern davon, dass wir Speisen achtsam wahrnehmen, dass wir Esskultur und kulinarische Traditionen kennen, dass wir in Musse und mit anderen gemeinsam speisen. Dazu braucht es eine gewisse Hingabe. Und wir müssen die Hektik ausblenden. Wer sich mit Sorgen an den Tisch setzt, wird nicht geniessen können.

Wir essen nicht einfach nur, was uns schmeckt, sondern denken dabei auch an unsere Gesundheit, an die Umwelt, ans Tierwohl und so weiter. Steht das wahrem Genuss im Weg?

Genuss und Moral gehören beide zum Leben. Wir wollen geniessen, aber auch verantwortungs-bewusst handeln. Das kann ein Widerspruch sein: Ich geniesse meinen Rindsbraten, bin mir aber bewusst, dass Tierhaltung zum Treibhauseffekt beiträgt.Ich gönne mir mein Glas Wein, weiss aber, dass ich meine Leber schädigen kann. Insolchen Fragen muss jeder Mensch für sich eine Güterabwägung machen.

Auch Ärztinnen und Ärzte betonen ja, dass beim Essen Genuss und Geselligkeit wichtig sind – unter anderem, weil wir dann weniger essen.

Geniess dein Essen, dann isst du weniger und dann isst du gesund – das ist schon in Ordnung. Aber Genuss ist selbst ein Wert! Das vergessen Ärzte gelegentlich. Der Wein, der Braten: Sie können negative Folgen haben. Wenn ich zu viel Alkohol trinke, mich falsch ernähre und zu wenig bewege, bin ich ein Kandidat für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme. Aber unsere Genüsse haben positive Folgen für unsere Lebensqualität. Ich plädiere deshalb für massvolles Geniessen.

Gesund essen entspricht dem Zeitgeist. Wir zählen Kalorien, achten auf Vitamine, verkneifen uns den Genuss gewisser Lebensmittel.

Viele Menschen sind fixiert auf die vermeintlich richtige Ernährung. Das hat zwei Gründe: Wir sind heute weniger auf ein jenseitiges Leben nach dem Tod ausgerichtet, sondern leben im Diesseits. Und so fokussieren wir auf das, was wir haben: unseren Körper. Zweitens kann ich mit einer Diät etwas bewirken, während ich mich sonstigen Problemen gegenüber vielleicht machtlos fühle. Ich kann abnehmen, meine Blutwerte verbessern, den Fettanteil meines Körpers reduzieren. Wer schlank ist, demonstriert, dass er sich im Griff hat. Mancher Influencer vermittelt hingegen den Eindruck, wenn du nur willst, dann schaffst du es! Das ist aber ein Trugschluss. Aus einer Bulldogge kann kein Windhund werden.

Was macht das mit uns, wenn wir unsere Teller dauernd so kritisch beäugen?

Es macht manche Menschen verbissen. Man sollte sich daher fragen: Wo quäle ich mich unnötig und wo bringt es mir für die Gesundheit tatsächlich etwas? Es braucht eine gewisse Entspanntheit. Das ist eine Bedingung für Genuss: Man kann ein Salatblatt nicht einfach so geniessen! Es braucht schon ein bisschen Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft sowie ein gutes Olivenöl!

«Es braucht eine gewisse Entspanntheit. Das ist eine Bedingung für Genuss.»

Herr Huppenbauer, sind Sie ein Genussmensch?

Nur teilweise. Dafür ist mein Leben viel zu sehr durch die Arbeit geprägt und diszi-pliniert. Ich achte auf mein Gewicht. Aber Genuss ist ein enorm wichtiger Teil meines Lebens. Ich koche und esse gerne. Zudem mag ich liebend gerne lateinamerikanische und Standardtänze.

Was ist unser grösster Fehler im Umgang mit Genuss?

Der Fehler Nummer eins: Genuss mit teurem Luxus gleichzusetzen. Für mich etwa ist der grösste und zugleich einfachste Genuss ein Teller Spaghetti mit einer selbstgekochten leckeren Tomatensauce und einem Glas guten Weines. Wer immer nur teures Essen will, ist oft mehr mit dem Status als mit dem Essen beschäftigt. Fehler Nummer zwei sind Hektik und Gier. In diese Kategorie gehört auch das Handy.

Wie das?

Handys gehören auf keinen Tisch, an dem gegessen wird! Das Handy ist ein Genusskiller. Schon nur wenn es daliegt lenkt es uns von Genuss und Gemeinschaft ab. Wir sind dann nicht mehr präsent. Eine Unsitte ist meines Erachtens auch, ständig Fotos vom Essen zu machen, um diese auf den sozialen Medien zu posten. Das stiehlt uns genussvolle Momente! Mache ich ein Foto von meinem Teller, beobachte ich mit den Augen durch den Bildschirm des Handys. So distanziere ich mich vom genussvollen Riechen und Schmecken. Ich bin in Gedanken bei den nicht anwesenden Andern, denen ich zeigen will, dass ich geniesse. Es passiert in dem Moment aber genau das Gegenteil: Ich entferne mich vom Genuss.

Herr Huppenbauer, Sie sind von Haus aus Philosoph. Was sagt Ihre Zunft eigentlich zum Genuss?

Nur ganz wenige Philosophen haben sich mit Genuss beschäftigt. Und wenn, dann haben sie wie Platon dazu geraten, Genüssen nur sehr diszipliniert zu frönen. Auch die christliche Tradition ist größtenteils von Askese geprägt. Ein Asket lebt und trainiert auf ein übergeordnetes Ziel hin, sei es das ewige Leben, einen Marathon oder dafür, mit einer Diät von 100 Kilogramm auf 80 herunter zu kommen. Ein Asket kann nicht geniessen. Denn er interessiert sich nicht für den Moment, sondern für sein Ziel. Eine Ausnahme unter den antiken Denkern war Epikur, der rund 300 Jahre vor Christi Geburt eine Philosophie des sinnlichen Genusses entwickelt hat. Aber auch für ihn gehörte das Masshalten dazu. Nach dem Motto: Richtige Genüsse sind solche, die man nicht bereut.

«Ein Asket kann nicht geniessen. Denn er interessiert sich nicht für den Moment, sondern für sein Ziel.»

Sind Rausch und Ekstase nicht mit Genuss verwandt?

Nein. Zum Genuss gehört nämlich immer ein Tick Selbstbeherrschung und Kontrolle. Man gibt sich hin, aber man gibt sich nicht ganz auf. Ganz abgesehen davon ist ein über die Stränge schlagen hierzulande gar nicht positiv besetzt. Und die Politik bemüht sich, negative Folgen von Rausch und Ekstase, von Überschwang und Verrücktheit einzudämmen. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa die Fasnacht. Aber ansonsten sind Rausch und Ekstase bei uns verpönt. Denn sie stören unser gut funktionierendes und effizientes Zusammenleben. Andere Kulturen sehen das teilweise anders.

Manchem werden Sinnenfreuden erst dann zum Genuss, wenns verboten ist.

Das mag für junge Menschen in einer bestimmten Lebensphase stimmen. Aber wenn wir gewisse Grenzen überschreiten, und uns zum Beispiel beim Drogenkonsum in Gefahr bringen, ist das nicht nur reizvoll prickelnd und abenteuerlich, sondern da läuft eben – berechtigterweise - auch die Angst mit. Das ist doch kein Genuss!

Letzte Frage: Wenn Genuss zu einem guten Leben gehört, was gehört sonst noch dazu?

Drei Dinge: Erstens brauchen wir soziale Beziehungen, das Zusammensein mit Freunden und dass wir etwas unternehmen mit dem Partner oder der Partnerin, mit Kindern, Enkeln, Arbeitskollegen und so weiter. Zweitens gehört zu einem guten Leben, dass wir Aktivitäten pflegen, die für sich wertvoll sind. Zum Beispiel tanzen, kochen, essen, diskutieren, gärtnern, Musik machen, einer sinnvollen Arbeit nachgehen. Viele Menschen erfahren auch besonders dann Sinn, wenn sie etwas mit den Händen machen. Als Drittes brauchen wir die Möglichkeit, über unser Leben selbst zu bestimmen. Ein gutes Leben ist eines, das wir nach eigenen Vorstellungen führen, in einer Gemeinschaft, in der wir – auch politisch – zumindest ein Stück weit mitbestimmen können.

Markus Huppenbauer, 61, ist Philosoph und Ethiker. Er leitet das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik der Universität Zürich. Ihn interessiert unter anderem, wie wir Entscheidungen fällen und was eine ethische Lebensführung beinhaltet. Er lebt mit seiner Frau in Baden.