Dossier: Schwangerschaft

Familienzimmer: Gemeinsam durch die ersten Tage

Die meisten Väter sind heute bei der Geburt ihrer Kinder dabei. Viele von ihnen wollen auch die ersten Tage mit dem Baby nicht missen. Familienzimmer sollen dieses Bedürfnis stillen.

Interview: Helwi Braunmiller; Fotos: Marco Rosasco

Mariel Meyer, 27, hat sich sehr auf die Geburt ihres Sohnes Jonas Emilio vor neun Monaten gefreut. Doch dann kam es wie so oft: Die Geburt in der Zürcher Hirslanden Klinik ging nicht voran, ein Notkaiserschnitt war die Folge. Als Mariel und ihr 31-jähriger Mann Jonas erfuhren, dass sie danach eine Woche im Krankenhaus bleiben müsse, entschieden sie spontan: Diese Zeit wollten sie gemeinsam in einem Familienzimmer verbringen. Sie hatten Glück und bezogen kurz darauf ihr Familiendomizil für sieben Tage.

Mariel, die Geburt deines Sohnes liegt ja bereits neun Monate zurück. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Eindruck, als ihr das Familienzimmer bezogen habt?

Es war alles da, was wir brauchten – zwei Spitalbetten, ein Babybett, ein Wickeltisch und sogar ein kleiner Essplatz, eine Sitznische, ein eigenes Bad ... Vor allem aber hat man das Zimmer für sich allein und wir hatten dazu einen grossartigen Blick auf den Zürichsee.  

Mein Mann hat anfangs alles gemacht, ich habe einfach nur gestillt.

War es wichtig für dich, so frisch nach der Geburt deinen Mann rund um die Uhr bei dir zu haben?

Jonas Emilio ist unser erstes Kind – von daher war sowieso alles neu für uns. Zu zweit ist es einfacher. Darüber hinaus hatte ich wegen des Kaiserschnitts Probleme beim Aufstehen und war erst in den letzten zwei Tagen im Spital wieder mobiler. Das heisst: Mein Mann hat alles gemacht, ich habe einfach nur gestillt. Ich konnte anfangs nicht aufstehen, wenn mein Sohn geschrien hat, deshalb war ich froh, dass er immer in der Nähe war und ich nicht klingeln und warten musste.

Den Service haben wir schon sehr genossen: Die Zeitung am Morgen, Frühstück, Mittag- und Abendessen wurden aufs Zimmer gebracht. Gerade beim ersten Kind ist so mehr Ruhe da. Für mich war das wichtig. Ich hatte etwas Mühe mit dem Stillen. Das heisst, die Stillberaterin war häufig bei uns. Es war schon sehr viel entspannter, dabei unter sich bleiben zu können.  

Viele Frauen empfinden es dennoch als angenehm, mit einer anderen frischgebackenen Mutter im Bett nebenan direkt Erfahrungen austauschen zu können.

Ich war ziemlich vom Babyblues geplagt, weil ich mich schwertat, den Kaiserschnitt zu verarbeiten. Ich glaube, mich hätte es in der Situation nach dem Notkaiserschnitt eher zusätzlich deprimiert, wenn mir meine Bettnachbarin von ihrer komplikationslosen Entbindung erzählt hätte.

Solltet ihr nochmals Eltern werden, würdet ihr wieder ein Familienzimmer beziehen? Immerhin bedeutet das ja, dass unter Umständen beide kostbaren Schlaf verlieren.

Man kann das Kind in der Nacht auch abgeben, wenn beide Schlaf brauchen. Aber für mich hängt das von der Geburt ab. Für Paare mit einer reibungslosen Entbindung muss es wahrscheinlich nicht unbedingt sein. Sie sind meist nach drei Nächten sowieso schon wieder zu Hause. Ich habe aber durchaus Paare im Spitalflur getroffen, die sich das trotzdem gegönnt haben, denn natürlich gibt es den Service nicht umsonst. Wir haben unseren Eigenanteil finanziell wie eine Woche Ferien eingerechnet. Und praktisch war es das ja auch: erste Ferien zu dritt.