Erektionsstörungen: Ursachen & was Sie selbst tun können
Wenn die Erektion ausbleibt, beginnt oft das Grübeln: Ist es der Stress, das Alter oder eine Krankheit? Erektionsstörungen sind häufig und meist gut behandelbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn die Probleme mindestens sechs Monate anhalten.
- Häufig stecken Durchblutungsstörungen oder andere körperliche Ursachen dahinter.
- Je nach Ursache helfen Medikamente, Psychotherapie oder weitere Verfahren.
Definition: Ab wann ist es eine Erektionsstörung?
Von einer erektilen Dysfunktion (ED) sprechen Fachleute erst dann, wenn ein Mann trotz sexueller Erregung über mindestens sechs Monate wiederholt keine ausreichende Erektion erreicht oder aufrechterhalten kann.
Als Richtwert gilt: Mindestens zwei von drei geplanten Sexualkontakten kommen deshalb nicht zustande.
Eine erektile Dysfunktion ist nicht dasselbe wie fehlende Lust oder eine Ejakulationsstörung. Der Begriff Impotenz wiederum ist weiter gefasst und kann je nach Definition auch Zeugungsunfähigkeit beinhalten.
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Wie viele Männer sind davon betroffen?
Wie häufig Erektionsstörungen vorkommen, hängt stark davon ab, wen man fragt und wie man misst. Eine Übersichtsarbeit von Forschenden des King’s College London zeigt, dass in internationalen Studien Werte zwischen 3 und 76,5 Prozent vorkommen. Die grosse Spannweite erklären die Forschenden mit unterschiedlichen Altersgruppen, Definitionen und Untersuchungsmethoden.
Auch in der Schweiz gehen die Schätzungen auseinander: Laut dem Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) ist fast jeder zweite Mann zwischen 40 und 70 Jahren betroffen. Das Inselspital Bern geht bei 60-Jährigen von 25 bis 50 Prozent und bei 70-Jährigen von 50 bis 70 Prozent aus. Bei den 20- bis 40-Jährigen sind gemäss Angaben des Kantonsspital Aarau 2 bis 10 Prozent betroffen; einzelne Studien kommen auf bis zu 26 Prozent.
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Ab welchem Alter treten Erektionsprobleme auf?
Erektionsprobleme können in jedem Alter auftreten. Das Risiko steigt zwar mit den Jahren, sie sind aber keine unvermeidliche Alterserscheinung.
Bei jüngeren Männern spielen häufiger Stress, Leistungsdruck oder psychische Belastungen eine Rolle. Im höheren Alter stecken öfter Veränderungen an Gefässen, Nerven und Hormonen dahinter.
Ursachen: Was sind Auslöser von Erektionsstörungen?
Damit eine Erektion entsteht, müssen Blutgefässe, Nerven, Hormone und Psyche zusammenspielen. Ist einer dieser Abläufe gestört, kann der Penis trotz Erregung nicht ausreichend steif werden. Häufig wirken mehrere Ursachen zusammen.
In den meisten Fällen liegen körperliche Auslöser zugrunde. «Anders als oft vorschnell diagnostiziert, haben Erektionsprobleme sehr selten eine rein psychische Ursache», erklärt Prof. Dr. med. Nicolas Diehm vom Zentrum für Erektionsstörungen in Aarau.
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Alter
Mit zunehmendem Alter werden Gefässverengungen sowie Veränderungen an Nerven und Hormonen häufiger. Das kann die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
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Krankheiten
Durchblutungsstörungen gehören zu den häufigsten körperlichen Ursachen. Arteriosklerose, Diabetes und Bluthochdruck können die Gefässe schädigen. Dadurch gelangt nicht genügend Blut in die Schwellkörper und der Penis bleibt weich.
Bei einer venösen Durchblutungsstörung sieht es anders aus. «Es gelangt zwar genügend Blut in den Penis, die Venen können dieses aber nicht halten und es fliesst zu schnell wieder ab», erklärt Prof. Dr. med. Nicolas Diehm.
Auch Nervenerkrankungen, Nervenschäden, ein Testosteronmangel, bestimmte Medikamente oder Operationen wie eine radikale Prostataentfernung können Erektionsprobleme verursachen. Zudem kann eine erektile Dysfunktion auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hinweisen und sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden.
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Psyche
Vor allem bei jüngeren Männern können Stress, Leistungsdruck, Versagensangst, Depressionen oder partnerschaftliche Konflikte die Erektion beeinträchtigen. Psychische Faktoren können die Beschwerden auslösen oder zusätzlich verstärken.
Das Inselspital Bern führt Erektionsstörungen bei etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen auf psychologische Ursachen zurück. Da körperliche und psychische Faktoren häufig zusammenspielen, sollten bei der Abklärung beide Seiten berücksichtigt werden.
Auch die Behandlung psychischer Erkrankungen kann die Sexualität beeinflussen. Bestimmte Antidepressiva können das sexuelle Interesse vermindern oder Erektionsprobleme begünstigen.
Selbsttest: Wie zuverlässig ist die Erektion?
Der International Index of Erectile Function (IIEF-5) erfasst anhand von fünf Fragen, wie zuverlässig eine Erektion entsteht und erhalten bleibt. Beziehen Sie Ihre Antworten auf die vergangenen vier Wochen.
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Wie zuversichtlich sind Sie, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten?
- Nicht zuversichtlich
- Wenig zuversichtlich
- Mässig zuversichtlich
- Ziemlich zuversichtlich
- Sehr zuversichtlich
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Wie oft war Ihre Erektion bei sexueller Stimulation hart genug für eine Penetration?
- Fast nie oder nie
- Selten
- Manchmal
- Meistens
- Fast immer oder immer
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Wie oft konnten Sie Ihre Erektion nach dem Eindringen aufrechterhalten?
- Fast nie oder nie
- Selten
- Manchmal
- Meistens
- Fast immer oder immer
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Wie oft konnten Sie die Erektion bis zum Ende des Geschlechtsverkehrs aufrechterhalten?
- Äusserst selten
- Selten
- Manchmal
- Meistens
- Fast immer oder immer
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Wie häufig war der Geschlechtsverkehr für Sie befriedigend?
- Fast nie oder nie
- Selten
- Manchmal
- Meistens
- Fast immer oder immer
Die Antworten werden nach einem standardisierten Punktesystem ausgewertet und bieten eine Orientierung. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass eine erektile Dysfunktion vorliegt. Es kann jedoch ein Anlass sein, die Beschwerden medizinisch abklären zu lassen.
Behandlung: Welche medizinischen Ansätze gibt es?
Welche Therapie infrage kommt, hängt von der Ursache und den individuellen Bedürfnissen ab. Je nach Befund können Veränderungen des Lebensstils, Medikamente, eine Psychotherapie, mechanische Hilfsmittel oder operative Eingriffe helfen.
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Medikamente
PDE-5-Hemmer sind meist die erste medikamentöse Behandlung. Sie verbessern die Durchblutung des Penis und erleichtern dadurch eine Erektion.
Die sexuelle Lust steigern sie nicht, und auch die Ursache beheben sie nicht. Wegen möglicher Neben- und Wechselwirkungen sind sie rezeptpflichtig.
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Psychotherapie
Sind Stress, Depressionen, Ängste oder zwischenmenschliche Konflikte an den Beschwerden beteiligt, kann eine Psychotherapie oder Sexualtherapie sinnvoll sein. Besonders bei jüngeren Männern spielen Stress und Leistungsdruck häufiger eine Rolle.
Psychische und körperliche Faktoren können auch gemeinsam auftreten. Deshalb sollte vor Beginn der Therapie abgeklärt werden, welche Ursachen der Erektionsstörung zugrunde liegen.
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Therapien und Eingriffe
Reichen Tabletten nicht aus, kommt die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie, kurz SKAT, infrage. Dabei wird ein gefässerweiternder Wirkstoff in den Penis gespritzt. Nach entsprechender Instruktion kann der Betroffene die Injektion selbst durchführen.
Bei der MUSE-Therapie wird ein wirkstoffhaltiges Zäpfchen in die Harnröhre eingeführt und kann dann eine Erektion auslösen. Eine weitere Möglichkeit ist die Vakuumpumpe: Sie erzeugt Unterdruck, sodass Blut in den Penis strömt. Ein Ring an der Peniswurzel verhindert, dass es sofort wieder abfliesst.
«Als nächste Behandlungsoption kann es helfen, die Venen mit einem Gewebekleber zu verschliessen», erklärt Prof. Dr. med. Nicolas Diehm. Sind Arterien verengt und helfen Medikamente nicht ausreichend, können ein Ballon oder ein Stent die Gefässe wieder öffnen.
Bleiben medikamentöse und mechanische Verfahren erfolglos, kann eine Schwellkörperprothese eingesetzt werden. Ein Pumpsystem füllt das Implantat bei Bedarf mit Flüssigkeit.
Vorsicht vor Substanzen aus dem Internet
Wer Potenzmittel ohne Rezept bei dubiosen Online-Anbietern bestellt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Die Produkte können falsche Dosierungen, andere als die angegebenen Wirkstoffe oder nicht deklarierte Zusätze enthalten.
Swissmedic untersuchte vor einigen Jahren rund 100 vom Zoll beschlagnahmte Erektionsförderer. Damals enthielten rund drei Viertel den falschen Wirkstoff oder waren zu hoch beziehungsweise zu tief dosiert.
Die deutsche Verbraucherzentrale warnt zudem vor angeblich «natürlichen» Potenzmitteln aus dem Internet. Sie können synthetische oder illegale Substanzen enthalten. Werden verschreibungspflichtige Wirkstoffe ohne Rezept angeboten, sollte man auf den Kauf verzichten.
Sicherer ist es deshalb, sich ärztlich oder in einer Apotheke beraten zu lassen. Online sollten Medikamente nur bei seriösen und behördlich zugelassenen Versandapotheken bestellt werden.
Wie unterstützt mich die Krankenkasse?
Welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, hängt von der gewählten Behandlung ab. Medikamente werden von der Grundversicherung bezahlt, wenn sie ärztlich verordnet sind, auf der Spezialitätenliste stehen und gemäss den vorgesehenen Bedingungen eingesetzt werden.
Nicht alle Mittel gegen Erektionsstörungen erfüllen diese Voraussetzungen. Unter Umständen kann die Zusatzversicherung einen Teil der Kosten übernehmen.
Im Falle psychischer Belastung kann auch eine Psychotherapie vergütet werden. Die Grundversicherung übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 30 ärztlich verordnete Sitzungen. Für weitere Behandlungen braucht es eine Kostengutsprache.
Viele Betroffene zögern aus Scham, eine Praxis aufzusuchen. Eine telefonische oder digitale Erstberatung kann helfen, die Hemmschwelle zu senken und zu klären, welche Fachperson und welche Behandlung sinnvoll sind.
Was kann ich selbst tun, bevor ich zur Fachperson gehe?
Wer nur gelegentlich Erektionsprobleme hat, kann zunächst einige Gewohnheiten verändern. Treten die Beschwerden wiederholt auf oder halten sie an, sollten mögliche körperliche Ursachen medizinisch abgeklärt werden.
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Beckenboden trainieren
Bei einer Erektion strömt Blut in die Schwellkörper. Eine kräftige Beckenbodenmuskulatur hilft, die Gefässe abzuschnüren und das Blut im Penis zu halten. So kann sie dazu beitragen, dass die Erektion stabil bleibt. Gezieltes Training kann Erektionsprobleme lindern.
Dabei geht es nicht nur ums Anspannen: Entscheidend ist das Wechselspiel zwischen Aktivieren und bewusstem Entspannen der Muskulatur.
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Gesund leben
Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und übermässiger Alkoholkonsum können die Blutgefässe schädigen und Erektionsprobleme begünstigen. Auch Bluthochdruck und Diabetes erhöhen das Risiko.
Regelmässige Bewegung, Gewichtsreduktion und ein Rauchstopp können daher die Erektionsfähigkeit verbessern. Auch ein zurückhaltender Umgang mit Alkohol ist sinnvoll.
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Stress reduzieren
Vor allem bei jüngeren Männern können Stress und Leistungsdruck Erektionsprobleme auslösen oder verstärken. Entspannung kann dabei helfen, körperlich und gedanklich zur Ruhe zu kommen.
Mögliche Methoden sind progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Imagination. Sie lassen sich regelmässig oder bei akuter Anspannung einsetzen.
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Helfen Hausmittel?
Einige natürliche Mittel können die Erektionsfähigkeit unterstützen. Für Ginseng deuten Studien auf einen möglichen Nutzen hin, auch wenn die Datenlage bislang nicht für eine allgemeine Empfehlung ausreicht.
Wichtig bleibt: Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken.
Was kann ich als Partner:in tun?
Erektionsprobleme lösen oft auch beim Gegenüber Unsicherheit aus. Manche fragen sich, ob sie nicht mehr attraktiv sind oder etwas falsch gemacht haben. Wichtig ist: Eine Erektionsstörung ist keine Schuldfrage.
Sprechen Sie das Thema in einem ruhigen Moment an. Offenheit kann Druck nehmen. Verständnis hilft meist mehr als Mitleid oder gut gemeinte Beschwichtigungen. Auch Gefühle, Bedürfnisse und andere Formen sexueller Nähe dürfen dabei Raum bekommen.
Bieten Sie Unterstützung an, etwa bei der Suche nach einer Fachperson oder indem Sie Ihren Partner zu einem Termin begleiten. Denn Nähe, Intimität und eine gute Beziehung hängen nicht allein von einer Erektion ab.
Was stimmt? Erektionsmythen im Check
Rund um Erektionsprobleme kursieren viele Halbwahrheiten. Gerade weil kaum offen darüber gesprochen wird, halten sich falsche Vorstellungen hartnäckig. Zeit für einen Faktencheck.
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Mythos 1: Erektionsstörungen sind eine ganz normale Alterserscheinung
Das stimmt so nicht. Zwar steigt das Risiko mit zunehmendem Alter, doch eine erektile Dysfunktion ist keine unvermeidliche Alterserscheinung. Sie kann auch jüngere Männer betreffen und bleibt im höheren Alter häufig behandelbar.
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Mythos 2: Keine Erektion, keine Erregung – und umgekehrt
Falsch. Sexuelle Erregung und Erektion sind nicht dasselbe. Ein Mann kann Lust empfinden, obwohl der Penis nicht oder nicht ausreichend steif wird. Umgekehrt bedeutet eine Erektion nicht automatisch, dass sexuelle Lust vorhanden ist.
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Mythos 3: Ohne Erektion kein Orgasmus
Auch das stimmt nicht. Ein Orgasmus kann auch ohne vollständig steifen Penis möglich sein. Eine Erektionsstörung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Orgasmus ausgeschlossen ist.
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Mythos 4: Radfahren macht impotent
Die gute Nachricht: Neuere Studien finden keinen Zusammenhang zwischen Radfahren, erektiler Dysfunktion und Unfruchtbarkeit – auch nicht bei langen Fahrten. Wird der Penis dabei taub, kann ein besser passender Sattel helfen.
Fazit
Erektionsstörungen sind in den meisten Fällen gut behandelbar und kein persönliches Versagen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von körperlichen Erkrankungen über psychische Belastungen bis hin zu Lebensstilfaktoren.
Wichtig ist, die Ursache abzuklären, offen über das Thema zu sprechen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Veränderungen im Alltag, medizinische Therapien und ein unterstützendes Umfeld können die Lebensqualität deutlich verbessern.