Dossier: Sexualität

HPV-Infektion bleibt häufig unentdeckt

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den am häufigsten sexuell übertragenen Infektionen und sind der grösste Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs. Der Gebrauch von Kondomen sowie eine Impfung gegen die gefährlichsten HP-Viren können allerdings guten Schutz bieten.

Text: Nicole Krättli; Foto: iStock

Hinter dem umständlichen Namen Humanes Papillomvirus (HPV) verbergen sich eine ganze Reihe verschiedener Virentypen, die in den meisten Fällen während des Geschlechtsverkehrs übertragen werden. Tatsächlich erkranken Schätzungen zufolge 70 bis 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen und Männer im Laufe ihres Lebens irgendwann an HPV.

Zwei Drittel der Infektionen verlaufen allerdings asymptomatisch – die Betroffenen spüren also nichts von der Infektion. Bestimmte HP-Viren wie die Typen 6 und 11 verursachen hingegen sichtbare oder versteckte Genitalwarzen bei Mann und Frau. Andere HP-Viren wie die Typen 16 und 18 können sich wiederum monate- oder sogar jahrelang in infizierten Zellen halten. Bleibt die Infektion mit einem Hochrisikotyp des Virus unbemerkt, kann sich eine Krebsvorstufe und schliesslich Krebs entwickeln.

Gebärmutterhalskrebs kann jede Frau treffen

In den letzten Jahren wurden in der Schweiz jährlich rund 250 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs und etwa 5000 Krebsvorstufen diagnostiziert. Gebärmutterhalskrebs ist in der Schweiz bei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren die fünfthäufigste Krebsart, wie das Bundesamt für Gesundheit schreibt. 

Grundsätzlich kann Gebärmutterhalskrebs jede Frau treffen. Der wichtigste Faktor ist allerdings eine Infektion mit einer Hochrisikovariante von HPV. Doch auch Rauchen, Geschlechtsverkehr in sehr jungem Alter und mit häufig wechselnden Sexualpartnern, zusätzliche Infektionen der Geschlechtsorgane durch sexuell übertragbare Krankheitserreger sowie chronische Störungen der Immunabwehr können das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, weiter erhöhen.

Da besonders sexuell aktive Frauen mit häufig wechselnden Partnern gefährdet sind, lässt sich eine gewisse Häufung der Erkrankung bei den 20- bis 30-Jährigen und wiederum bei den 50-Jährigen feststellen.

«Nutzen einer HPV-Impfung überwiegt»

Der konsequente Gebrauch von Kondomen kann das Risiko, sich mit HPV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren, massgeblich senken. Zudem können sich junge Frauen zwischen 11 und 26 Jahren gegen die gefährlichsten HP-Viren impfen lassen. «Im Idealfall erfolgt die Impfung bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten», erklärt Matti S. Kuronen, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Hirslanden-Klinik in Aarau. 

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfiehlt die HPV-Impfung als Basisimpfung für alle Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren. Im Alter von 15 bis 19 Jahren sollte dann eine zweite Impfung erfolgen. Für junge Frauen von 20 bis 26 Jahren sowie für Jungen und Männer im Alter von 11 bis 26 Jahren empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit die HPV-Impfung als ergänzende Impfung. Der Impfschutz hält für mindestens zehn Jahre. 

Eines der Hauptargumente gegen eine Impfung, die Kuronen gerechtfertigt findet, ist jenes, dass die Impfung eben nur vor einem Teil der Viren schützt. Folglich erhält man durch die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz. «Dennoch überwiegt aus meiner Sicht der Nutzen, der aus einer systematischen Impfung junger Mädchen hervorgeht», erklärt der Experte.  Selbst bei Frauen, die sich bereits einmal mit dem HP-Virus infiziert hätten, lohne sich eine entsprechende Impfung, da das Immunsystem so geschärft werde. 

«Gebärmutterhalskrebs kann durch eine einfache Vorsorgeuntersuchung effektiv verhindert werden.»
Matti S. Kuronen, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Krebsabstrich kann Leben retten

Nicht nur empfehlenswert, sondern absolut essenziell, ist hingegen der Krebsabstrich. Keine andere Krebserkrankung kann durch diese einfache Vorsorgeuntersuchung so effektiv verhindert werden wie der Gebärmutterhalskrebs. Seit das zytologische Screening in den 1960er-Jahren eingeführt wurde, konnte die Anzahl neu auftretender Erkrankungen in der Schweiz massiv reduziert werden und ist heute auf einem der tiefsten Niveaus weltweit, so Kuronen weiter. Gemeinsam mit dem Krebsabstrich kann je nach Situation auch gleich ein HPV-Screening gemacht werden, um so allfällig vorhandene Viren zu bestimmen.

Bei einem Krebsabstrich handelt es sich um eine simple Untersuchungsmethode, bei welcher der Arzt oberflächliche Zellen vom Gebärmutterhals und vom äusseren Bereich des Muttermunds mithilfe eines Stäbchens abstreicht. Anhand dieser Zellen lässt sich feststellen, ob es zu einer Veränderung gekommen ist. Sollte der Abstrich tatsächlich auffällig sein, empfehlen sich Halbjahreskontrollen, um die Entwicklung im Auge zu behalten.

Eine Kolposkopie, sprich eine Scheidenspiegelung, lässt eine noch genauere Diagnose zu. «Stellt man nach zwei bis drei Krebsabstrichen eine Dynamik fest, ist unter Umständen eine Konisation empfehlenswert», weiss Kuronen. Bei diesem Eingriff wird ein kleines Stück vom Gebärmutterhals entfernt, wodurch auffälliges Gewebe nicht nur diagnostiziert, sondern gleichzeitig auch therapiert werden kann.

Dieser Eingriff kann das Risiko auf eine spätere Frühgeburt minimal erhöhen. Deshalb sei es wichtig, zu prüfen, ob die spezifische Diagnose einen solchen Eingriff rechtfertigt oder man besser auf eine Spontanheilung hofft, so der Facharzt.

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