PMS: Alles rund um das prämenstruelle Syndrom
Viele Frauen kennen die Beschwerden: Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe. Doch was steckt hinter PMS und was hilft wirklich?
Das Wichtigste in Kürze
- PMS ist eine Krankheit mit körperlichen und psychischen Symptomen, die vor der Menstruation auftreten und danach abklingen. Betroffene werden oft nicht ernst genommen.
- Ursache sind hormonelle Schwankungen, die Gehirnbotenstoffe beeinflussen; Stress, Schlafmangel und die falsche Ernährung verstärken PMS. PMDS ist die schwere Form mit starken psychischen Symptomen.
- Die Behandlung umfasst Zyklusbeobachtung, Ernährung, Bewegung, Entspannung sowie Hormone oder Medikamente.
Definition: Was ist PMS?
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) umfasst verschiedene körperliche, psychische und emotionale Beschwerden, die nach dem Eisprung auftreten. Typisch ist, dass die Symptome kurz vor der Menstruation am stärksten sind und danach wieder abklingen.
PMS ist eine Krankheit
«PMS ist eine Krankheit, die auch als solche eingestuft werden muss», stellt Prof. Dr. med. Alexandra Kohl Schwartz klar. Sie ist Leiterin der Abteilung für Reproduktionsmedizin in der Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals.
Wie bei vielen Frauenkrankheiten herrscht auch bei PMS ein Tabu: Immer wieder werden Betroffene belächelt und nicht ernst genommen, wenn sie über ihre Zeit vor der Menstruation reden. «Das kann zu grosser Verunsicherung führen, gerade bei jüngeren Patientinnen. Sie trauen sich oft nicht, Hilfe zu holen, und leiden stumm vor sich hin.»
Strassenumfrage: Was ist PMS?
Ursache: Warum hat man PMS?
Warum PMS auftritt, konnte bisher nicht vollständig geklärt werden. Es wird aber vermutet, dass die Schwankungen der Geschlechtshormone über den Zyklus hinweg Einfluss auf wichtige Botenstoffe im Gehirn haben. Einige Frauen reagieren empfindlich auf diese Schwankungen.
Bekannt ist, dass Stress sowie Schlaf- und Bewegungsmangel das prämenstruelle Syndrom begünstigen können. Aber auch eine stark zuckerhaltige Ernährung mit viel Alkohol- und Koffeingenuss steht in Verdacht, PMS zu verstärken. Genauso wie der Mangel an Magnesium, Kalzium oder Vitamin D.
PMDS: Die schwere Form von PMS
PMS ist bei manchen Frauen so stark ausgeprägt, dass sie depressionsähnliche Zustände erleiden. «In solchen Fällen spricht man von einer prämenstruellen dysphorischen Störung, kurz PMDS», sagt Kohl Schwartz. «Von dieser schweren Form von PMS sind etwa drei bis acht Prozent aller Frauen betroffen.»
| PMS | PMDS |
|---|---|
| Leichte bis mittlere Beschwerden | Schwere psychische Belastung |
| Alltag meist bewältigbar | Alltag oft stark eingeschränkt |
| Stimmungsschwankungen möglich | Ausgeprägte Depression, Reizbarkeit (mit Aggression) oder Angst |
| Behandlung individuell | Oft zusätzliche psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlung |
«Solange ein Zyklus stattfindet, kann es auch PMS-Symptome geben.»
Die Woche vor der Periode: Wann beginnt PMS?
PMS tritt mehrheitlich in der Lutealphase auf. Das ist die Zeit zwischen Eisprung und Menstruation. Viele Frauen bemerken die ersten Symptome etwa fünf bis zehn Tage vor der Periode. Mit Beginn der Blutung bessern sich die Beschwerden meist rasch.
Betroffen sind Frauen aller Altersstufen, jede menstruierende Person kann darunter leiden, erklärt die Fachärztin. «Solange ein Zyklus stattfindet, kann es auch PMS-Symptome geben.» Bei Frauen, die auf die Wechseljahre zugehen, können sich die Beschwerden sogar verschlimmern.
Was sind die häufigsten PMS-Symptome?
Zum prämenstruellen Syndrom sind über 150 mögliche Einzelsymptome beschrieben. Welche Beschwerden auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.
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Körperliche Symptome
- Brustspannen
- Bauchschmerzen oder Krämpfe
- Blähungen
- Wassereinlagerungen
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Rückenschmerzen
- Müdigkeit
- Heisshunger
- Schlafstörungen
- Hautunreinheiten
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Psychische und emotionale Symptome
- Reizbarkeit
- Stimmungsschwankungen
- Traurigkeit
- Ängstlichkeit
- Innere Unruhe
- Konzentrationsprobleme
- Antriebslosigkeit
- Erhöhte Sensibilität
- Wutgefühle
- Rückzugsbedürfnis
Habe ich PMS oder bin ich schwanger?
Frühe Schwangerschaftsanzeichen und PMS können ähnlich sein. Etwa Müdigkeit, Brustspannen oder Stimmungsschwankungen können in beiden Fällen vorkommen. Bleibt die Periode aus oder halten die Beschwerden länger an, kann ein Schwangerschaftstest Klarheit schaffen.
«Oft starten wir die Behandlung mit hochdosiertem Magnesium, Kalzium, Vitamin D und aktiviertem Vitamin B6.»
Behandlung: Was hilft wirklich gegen PMS?
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Zyklus kennenlernen
Ein Zyklustagebuch oder eine App helfen dabei, den Zyklus zu tracken und Muster zu erkennen. Wer Symptome und Zyklusphasen dokumentiert, kann Auslöser besser einschätzen und sich gezielt auf beschwerdeintensive Tage vorbereiten.
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Ernährung & Nährstoffe
Eine ausgewogene Ernährung mit kalzium- und magnesiumreichen Lebensmitteln kann die Symptome mildern. Salz fördert Wassereinlagerungen im Körper – daher sollte man auf stark gewürzte Gerichte lieber verzichten. Und dann gilt: In den Tagen vor den Tagen besser Alkohol, Koffein, Nikotin und Zucker minimieren.
Auch Ernährungszusätze können helfen: «Oft starten wir die Behandlung mit hochdosiertem Magnesium, Kalzium, Vitamin D und aktiviertem Vitamin B6», sagt Dr. med. Alexandra Kohl Schwartz. «Das erzielt bei vielen Betroffenen bereits gute Effekte und lindert die Symptome.»
Gegen starke Wassereinlagerungen helfen harntreibende Mittel – allerdings sollten diese vorsichtig dosiert werden. Ist der Wasserverlust zu gross, begünstigt das Kreislaufbeschwerden wie Kopfschmerzen. Prinzipiell gilt: Nahrungszusatzstoffe immer mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, da sie überdosiert eher schädlich sind.
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Hausmittel
Pflanzliche Präparate können Beschwerden lindern, ihre Wirkung ist jedoch individuell unterschiedlich. Einige Frauen berichten von guten Erfahrungen mit Johanniskraut, Mönchspfeffer oder Frauenmantel. Vor allem Mönchspfeffer wirkt besonders ausgleichend auf die Hormonschwankungen.
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Bewegung
Sanfter Sport und wohldosierte Bewegung können PMS lindern, weil dabei Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden. Wer sich überwinden kann, profitiert also von den Stimmungsaufhellern.
Vor allem Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen zeigen eine positive Wirkung, weil sie die Durchblutung anregen und so Krämpfe in der Gebärmutter und Schmerzen im Rücken oder Unterbauch lindern können.
Dank Sport wird eingelagertes Wasser zudem schneller wieder ausgeschwemmt.
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Entspannung & Schlaf
Auch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training sowie ausgedehnte Massagen können helfen.
Alles in allem «ist es wichtig, dass sich die Frauen nicht zu viel vornehmen oder das Gefühl haben, sie seien allein dafür verantwortlich, dass das prämenstruelle Syndrom verschwindet», erklärt Alexandra Kohl Schwartz.
«Denn eine noch längere To-do-Liste führt zu zusätzlichem Stress und ist somit kontraproduktiv.» Bewusst einen Gang herunterschalten und viel schlafen, lautet die Devise.
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Hormone
Bei stärkeren Beschwerden können hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille infrage kommen. Ob auch eine Hormonspirale geeignet ist, sollte individuell mit der Gynäkologin besprochen werden.
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Medikamente
Gegen Schmerzen im Kopf, Unterleib oder Rücken helfen kurzfristig Schmerzmittel. Hier wird Ibuprofen statt des blutverdünnenden Aspirins empfohlen. Bei schweren Verläufen kommen teilweise weitere Medikamente zum Einsatz. Die Behandlung sollte jedoch immer ärztlich begleitet werden.
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Antidepressiva und Therapie
Wer stark unter psychischen Beschwerden leidet, kann dank einer Therapie einen besseren Umgang mit negativen Gedanken und Ängsten finden.
Da die Ursache aber biologisch ist, wird oft auch eine medikamentöse Behandlung nötig. Frauen mit schwereren Symptomen wie Depression können wochenweise eingenommene Antidepressiva helfen.
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Darüber sprechen
Miteinander reden und die schwierigen Tage sichtbar im Kalender markieren: Manchmal kann das schon viel bewirken. Wenn das Umfeld weiss, was mit den Betroffenen los ist, entspannt dies die Situation für alle.
«Am hilfreichsten ist es, Verständnis zu zeigen und sich in Geduld zu üben, Arbeiten abzunehmen und für das körperliche Wohlergehen zu sorgen.»
Diagnose: So bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor
- Zyklusprotokoll führen: Dokumentieren Sie täglich Ihre Beschwerden und bewerten Sie deren Intensität auf einer Skala von 0 (keine Beschwerden) bis 3 (starke Beeinträchtigung im Alltag). Dafür können Sie praktische Zyklus-Apps verwenden oder Vorlagen zum Ausdrucken nutzen.
- Symptome detailliert notieren: Beschreiben Sie genau, welche Beschwerden auftreten. Häufige körperliche Anzeichen bei PMS sind etwa ein aufgeblähter Bauch, Brustspannen, Kopfschmerzen oder Wassereinlagerungen. Psychische Symptome können Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen oder Konzentrationsschwierigkeiten sein.
- Einflussfaktoren festhalten: Notieren Sie, welche Massnahmen Ihre Beschwerden verbessern (z. B. Bewegung an der frischen Luft, Magnesiumpräparate) und welche Faktoren sie verschlimmern (z. B. Stress, Alkoholkonsum).
- Medizinische Vorgeschichte zusammenstellen: Erfassen Sie wichtige Informationen wie familiäre Vorerkrankungen, aktuelle und frühere Medikamenteneinnahmen, insbesondere hormonelle Verhütungsmittel, sowie den Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Symptome.
- Weitere hilfreiche Hinweise: Bringen Sie zum Termin eine Liste mit Fragen mit, die Sie stellen möchten. Notieren Sie auch, wie stark die Beschwerden Ihren Alltag beeinträchtigen und ob Sie bereits Therapieversuche unternommen haben. Falls vorhanden, können Sie auch Tagebucheinträge oder App-Auswertungen mitbringen, um der Ärztin oder dem Arzt einen umfassenden Überblick zu geben.
Was kann ich tun, wenn mein:e Gynäkolog:in mich nicht ernst nimmt?
«Viele Beschwerden werden als normal angesehen – Frauen seien halt reizbar vor der Menstruation», erzählt Kohl Schwartz. Dann wird oft die Pille verschrieben, statt genauer hinzuschauen.
Darum lohnt sich ein Zyklustagebuch. Beschreiben Sie Ihre Beschwerden möglichst konkret und bringen Sie Ihre Aufzeichnungen mit zum Arzttermin. Und wenn auch das nichts nützt? «Holen Sie, wenn nötig, eine zweite medizinische Meinung ein», empfiehlt die Fachärztin.
Wie unterstützt mich die Krankenkasse?
Die Grundversicherung übernimmt einen Teil der Kosten für medizinisch notwendige Leistungen – zum Beispiel Abklärungen bei Beschwerden, bestimmte Medikamente, gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen oder Psychotherapie, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Zusatzversicherungen kommen dort zum Einsatz, wo die Grundversicherung nicht oder nur begrenzt zahlt. Je nach Versicherung können das zum Beispiel zusätzliche komplementärmedizinische Behandlungen, weitergehende gynäkologische Untersuchungen oder zusätzliche psychotherapeutische Angebote sein.
Unsicher, was Ihre Versicherung übernimmt? Mit dem Deckungs-Check im Sanitas Portal sehen Sie in wenigen Sekunden, welche Leistungen über Ihre Grundversicherung und welche über Ihre Zusatzversicherung gedeckt sind.
Fazit
PMS ist weitverbreitet und kann die Lebensqualität erheblich beeinflussen. Die gute Nachricht: Wer die eigenen Symptome kennt und gezielt behandelt, kann Beschwerden oft deutlich reduzieren. Bei starken oder belastenden Symptomen lohnt sich eine medizinische Abklärung.