Prävention – Rezept für Gesundheit

Vorbeugen ist besser als heilen: «Preventive Healthcare» oder auch Präventionsmedizin erkennt Risikofaktoren und fördert eine gesunde Lebensweise. Welche Massnahmen sind im Alltag sinnvoll?

Text: Katharina Rilling; Foto: Sanitas

Wir werden immer älter und benötigen immer mehr medizinische Leistungen. Gleichzeitig nehmen Volkskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes zu. Das treibt die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe – müsste es in vielen Fällen aber gar nicht. Denn neben erblich bedingten Faktoren sind vor allem wir selbst für einen Grossteil der Leiden verantwortlich: durch unsere Lebensweise.

Hier setzt die Präventionsmedizin an, bei der es darum geht, Risikofaktoren jedes Einzelnen zu analysieren und ein gesundes Verhalten zu fördern. Ganz nach dem Motto: Vorbeugen ist die beste Medizin.

Welche Präventionsmassnahmen gibt es?

In der Präventionsmedizin wird in der Regel je nach Zeitpunkt der Massnahmen in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden. 

Die Primärprävention richtet sich an jeden gesunden Menschen, bevor Krankheit oder Leiden eingesetzt haben: Hier geht es darum, die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu verhindern oder hinauszuzögern. Ziel ist es, bis ins hohe Alter möglichst fit zu bleiben und sich eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Ernährung und Bewegung sind dabei die wichtigsten Säulen. Aber auch die empfohlenen Impfungen gehören in diese Kategorie.

Dank der Sekundärprävention sollen Krankheiten früh erkannt oder verhindert werden, bevor ein Leiden schlimmer oder gar chronisch wird. Screening-Programme wie die Mammografie zur Diagnose von Brustkrebs sind beispielsweise Teil der Sekundärprävention. 

Die Tertiärprävention soll schon erkrankten Patienten helfen, Komplikationen, Verschlimmerungen oder Folgeerkrankungen zu vermeiden. Beispiele sind die Überwachung des Blutzuckerspiegels von Diabetespatienten oder die Rehabilitation nach einer Verletzung, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Für den Alltag: Tipps zur Prävention von Krankheiten

Gesundheitschecks und Screenings wahrnehmen

Wer seine Verfassung und seine persönlichen Risikofaktoren kennt, kann sein Leben entsprechend anpassen. Welche Check-ups für wen Sinn machen, ist jedoch individuell unterschiedlich. Wichtige Faktoren sind etwa das Alter, die Lebensgewohnheiten wie häufiger Stress, Rauchen oder mangelnde Bewegung, psychische Erkrankungen, Übergewicht und genetische Prädisposition. Besprechen Sie das Thema Check-ups und Screenings mit Ihrem Hausarzt und lassen Sie sich beraten.

Auf Ernährung und Gewicht achten

Eine ausgewogene Ernährung trägt dazu bei, gesund zu bleiben – und zwar in jedem Alter. Wichtig dabei ist, dass der Bedarf an Nährstoffen gedeckt und auf eine bedarfsgerechte Energiezufuhr geachtet wird. Wer sein Gewicht regelmässig kontrolliert, kann es besser halten und starkes Über- oder Untergewicht vermeiden. Auch eine fundierte Ernährungsberatung kann dabei helfen. Sinnvoll sind Routinen wie ausgewogene und regelmässige Hauptmahlzeiten sowie Zwischenmahlzeiten.

Und nicht vergessen: Auch ausreichend (ungesüsste) Flüssigkeit zu trinken, ist für die Gesundheit wichtig. Empfohlen werden rund 1,5 bis 2,5 Liter am Tag, je nach Körpergewicht (Faustregel: 30 Milliliter pro Kilo Körpergewicht am Tag), Hitze und körperlicher Belastung.Sinn macht es übrigens, zum Beispiel bei Müdigkeit und Unwohlsein die Blutwerte untersuchen zu lassen. So ist etwa Eisenmangel bei Frauen ein Thema, und im Winter fehlt es nicht selten an Vitamin D.

Sich jeden Tag bewegen

Neben einer ausgewogenen Ernährung ist körperliche Aktivität einer der Schlüsselfaktoren für die Reduktion vieler Gesundheitsrisiken. Bewegung baut Stress ab, lindert Angstsymptome und sorgt für besseren Schlaf. Gleichzeitig hilft Sport dabei, Muskeln aufzubauen, das Herz-Kreislauf-System zu trainieren und den Blutdruck zu senken. 

Vom Kleinkindalter an sollte Bewegung täglich auf dem Programm stehen – für Kinder geht das ganz einfach auf dem Spielplatz. Bewegungsprogramme für Senior:innen tragen nachgewiesenermassen dazu bei, das Sturzrisiko zu verringern. Wer körperlich fit ist, baut im Fall einer Krankheit zudem weniger schnell ab. Bewegung fördert auch die Durchblutung des Gehirns und regt es an, neue Zellen und Vernetzungen zu bilden. Das hilft im Alter etwa gegen Demenzerkrankungen.

Denksport: den Kopf fit halten

Wer sich gesund ernährt, körperlich und geistig aktiv bleibt und Beziehungen zu anderen Menschen pflegt, hält sein Gehirn gesund. Studien zeigen: Ein gesundes Gehirn ist gut gerüstet gegen den Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter – und gegen Demenzerkrankungen. Es bildet Reserven und kann Schädigungen und Abbauprozessen besser entgegenwirken, schreibt die Schweizerische Alzheimervereinigung.

Bei geistig aktiven Menschen zeigen sich Abbauprozesse also weniger stark oder erst später. Konkrete Tipps, um geistig fit zu bleiben? Lesen Sie täglich die Zeitung, Zeitschriften oder Bücher. Spielen Sie schwierige Spiele, wie etwa Schach. Musizieren und tanzen Sie. Lernen Sie regelmässig Neues, beispielsweise eine Sprache, ein Instrument oder kochen.

Stress reduzieren

Stress macht den Körper kurzfristig leistungsstärker. Auf Dauer und ohne Regeneration schädigt er aber den Organismus und begünstigt eine Reihe ernsthafter Erkrankungen. Gestresste Menschen greifen zudem öfter zu Suchtmitteln wie Alkohol oder Zigaretten und sind anfälliger für Infekte.

Stress abzubauen, fällt vielen schwer. Dabei gehört der bewusste Umgang mit Stress dazu und sollte im Alltag nicht vergessen werden. Wichtig ist, sich regelmässig folgende Fragen zu stellen: Wie geht es mir gerade? Welches sind die grössten Belastungsquellen? Ist es notwendig, diese sofort zu eliminieren? Wie schaffe ich es, dauerhaft Stress zu reduzieren? Eine erste Hilfe können Atemübungen oder Angebote aus dem Bereich Yoga und Meditation sein. Wer dauerhaft unter Stress steht und sogar erste körperliche Symptome zeigt, sollte sich von seiner Ärztin oder seinem Arzt beraten lassen.

Impfungen nicht versäumen

Kontrollieren Sie die Grundimpfungen nach Schweizerischem Impfplan und ergänzen oder frischen Sie falls nötig auf. Gegen Gürtelrose sollte man sich ab 65 bis 79 Jahren impfen lassen. Grippe- und Pneumokokken-Impfung machen für Personen ab 65 Jahren oder schon früher bei Risikopatienten Sinn. Wichtig: Lassen Sie sich beim Hausarzt beraten, um keine Impfungen oder neuen Empfehlungen zu versäumen.

Die Rauchentwöhnung angehen

Rauchen schädigt die Gesundheit massiv, weil es die Durchblutung der Organe verschlechtert und das Krebsrisiko fördert. Wer es alleine nicht schafft, sollte zur Entwöhnung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Viele Gründe, Tipps und Angebote für die Entwöhnung finden Sie unter stopsmoking.ch oder lungenliga.ch

Schwangerschaftsvorsorge

Auch sie gehört in den Bereich der Präventionsmedizin. Schwangere sollten sämtliche Vorsorgeuntersuchungen nach Plan wahrnehmen, um Komplikationen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen. Auch wenn alles auf den ersten Blick in Ordnung zu sein scheint.

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