Dossier: Stress und Entspannung

«Leisure Sickness»: Deshalb werden Sie in den Ferien krank

Endlich Ferien! Die Zeit weg vom Arbeitsplatz soll der Entspannung dienen. Doch kaum im Urlaub angekommen, brummt einem der Kopf, kratzt der Hals und trieft die Nase. Wir erklären, was es mit dem «Leisure Sickness»-Syndrom auf sich hat.

Text: Isabelle Fretz; Foto: iStock

Es ist wie verhext: Kaum ist man in den Ferien angekommen, quittiert das Immunsystem seinen Dienst. Erschöpfung, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Husten und Schnupfen verderben die Freizeit, die eigentlich für spannende Aktivitäten oder Erholung gedacht gewesen wäre. Expert:innen nennen dies das «Leisure Sickness»-Syndrom oder auch die Freizeitkrankheit. Gründe, warum man ausgerechnet im wohlverdienten Urlaub krank wird, und Tipps, was Sie dagegen tun können.

Zu viel Stress am Arbeitsplatz

Wer im Job ständig unter Strom steht, schüttet grosse Mengen des Stresshormons Noradrenalin aus. Der Effekt: Der Körper läuft auf Hochtouren und befindet sich permanent im «Kampf oder Flucht»-Modus. Das ist kurzfristig von Vorteil, denn die Stresshormone können Krankheiten unterdrücken, da sie beispielsweise entzündungshemmend wirken.

Fällt der tägliche Druck am Wochenende oder in den Ferien dann ab, sinkt auch das Stresshormonlevel und der Hormonhaushalt gerät durcheinander. Auch das Immunsystem macht Pause und man wird anfälliger für Krankheiten. Wer jetzt denkt, nur Führungskräfte wären von «Leisure Sickness» betroffen, der täuscht sich. Eine Studie des klinischen Psychologen Ad Vingerhoets aus dem Jahr 2002 hat ergeben, dass vor allem «Perfektionisten mit hoher Arbeitsbelastung, starkem Engagement und einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl für ihre Arbeit zur Risikogruppe gehören».

«Leisure Sickness» vorbeugen – so funktioniert's

Priorisieren Sie Ihre wichtigsten Aufgaben und erledigen Sie diese als Erstes. Tasks ohne hohe Priorität oder wichtige Deadlines können Sie auf den nächsten Tag schieben. Und ganz wichtig: Machen Sie Pausen. Gönnen Sie sich beispielsweise eine Tasse Kaffee, nehmen Sie sich Zeit für einen kurzen Spaziergang durchs Büro oder machen Sie Schreibtisch-Yoga. Studien zeigen: Personen, die während der Arbeitszeit regelmässig kurz entspannen, fühlen sich weniger gestresst und arbeiten motivierter. 

Sport tut unserem Immunsystem und unserer Psyche gut. Besonders geeignet, um das Immunsystem zu stärken, ist Ausdauersport an der frischen Luft, zum Beispiel Radfahren, Joggen, Wandern oder Langlauf. Der Körper schüttet während des Trainings Serotonin und Dopamin aus – das sorgt wiederum dafür, dass Sie sich wacher fühlen und besser gelaunt sind. Hepa.ch, ein von den Bundesämtern für Sport und für Gesundheit sowie von der Beratungsstelle für Unfallverhütung und der Gesundheitsförderung Schweiz gegründetes Netzwerk, empfiehlt Erwachsenen mindestens 2.5 Stunden Bewegung pro Woche. Dazu zählen sowohl Alltagsaktivitäten als auch Sport von mittlerer Intensität. 

Schlaf ist wichtig, um unsere Batterien aufzuladen und unser Gehirn auszumisten. Guter Schlaf kann aber noch mehr: «Er ist essenziell für unsere psychische Gesundheit», so Christoph Nissen, Psychiater und Schlafforscher. Oder anders gesagt: Wer unter einer Schlafstörung leidet, läuft Gefahr, an einer Angststörung, Depression oder Sucht zu erkranken. Zudem beeinträchtigt schlechter Schlaf das Gedächtnis.

Bringen Sie mit einer ausgewogenen Ernährung die Abwehrkräfte Ihres Körpers auf Trab. Unser Tipp: Setzen Sie Nahrungsmittel mit Vitamin C auf Ihren Speiseplan. Das Vitamin, das vor allem in Zitrusfrüchten, Kohl und Peperoni enthalten ist, wirkt entzündungshemmend und hat antioxidative Eigenschaften. Auch Ingwer und Knoblauch unterstützen das Immunsystem und haben eine entzündungshemmende Wirkung.