Schwanger werden: Tipps & wichtige Fakten zum Kinderwunsch

Das fruchtbare Zeitfenster der Frau ist kurz – umso wichtiger ist es, den eigenen Zyklus zu kennen. Doch auch Alter, Lebensstil und Gesundheit beeinflussen die Fruchtbarkeit.

Text: Katharina Rilling

Bilder: Unsplash

8 Min

27.07.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die fruchtbaren Tage liegen kurz vor und am Eisprung; Zykluskenntnis erhöht die Chancen.
  • Alter, Gewicht, Ernährung und Lebensstil beeinflussen die Fruchtbarkeit stark.
  • Ärztliche Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch ab 6–12 Monaten wird empfohlen.

Würde man auf Schwangerschaften wetten, stünden die Gewinnchancen schlecht. Je nach Studie liegt die statistische Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei gesunden, jungen Paaren pro Zyklus zwischen 20 und 30 Prozent.

Wie werde ich schwanger?

  • Zyklus beobachten: Wer den eigenen Zyklus kennt, kann die fruchtbaren Tage besser vorhersagen. Konkret: Zyklustagebuch führen oder eine Zyklus-App nutzen. Auch den Zervixschleim zu beobachten und morgens die Basaltemperatur zu messen, kann sinnvoll sein.
  • Ernährung & Nährstoffe: Mit einer ausgewogenen Ernährung und den richtigen Nährstoffen lässt sich der Körper optimal auf eine Schwangerschaft vorbereiten. Besonders wichtig ist Folsäure – auch schon vor der Empfängnis.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil schafft gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. Regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Nikotin und ein massvoller Alkoholkonsum können die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen.
  • Gesundes Gewicht: Sowohl Unter- als auch Übergewicht können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Ein gesundes Körpergewicht verbessert bei Frauen und Männern die Voraussetzungen dafür, dass das Babyglück in Erfüllung geht. 
  • Geduld haben: Ein unerfüllter Kinderwunsch kann emotional belastend sein. Sich selbst bewusst Zeit zu geben und frühzeitig eine Untersuchung zu vereinbaren, kann helfen, emotionalen Druck zu reduzieren.

Zyklus: Wann sind die fruchtbarsten Tage?

Bei einem regelmässigen 28-Tage-Zyklus findet der Eisprung meist um den 14. Zyklustag statt – gerechnet ab dem ersten Tag der Menstruation. Da die Zykluslänge von Frau zu Frau unterschiedlich ist, kann sich auch der Zeitpunkt des Eisprungs verschieben.

Die grössten Chancen auf eine Schwangerschaft bestehen in den ein bis zwei Tagen vor dem Eisprung sowie am Tag des Eisprungs. Spermien können im Körper der Frau bis zu fünf Tage überleben, die Eizelle ist nach dem Eisprung hingegen nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig.

Wie kann ich den Eisprung berechnen?

Verschiedene Methoden können die fruchtbaren Tage eingrenzen. Jedoch ist keine davon hundertprozentig zuverlässig. Wichtig: Wer zuverlässigere Hinweise möchte, kombiniert am besten mehrere Methoden miteinander.  

  • Zykluskalender und Apps

    Die klassische Knaus-Ogino-Methode, auch Kalendermethode genannt, gibt es seit den 1930er-Jahren. Wer den ersten Tag der Menstruation und die Zykluslänge über mehrere Monate dokumentiert, kann den Zeitpunkt des Eisprungs grob berechnen. 

    Bei regelmässigen Zyklen findet er meist etwa 12 bis 14 Tage vor der nächsten Menstruation statt – nicht zwingend am 14. Zyklustag. Nach diesem Prinzip funktionieren auch viele Zyklus-Apps und Eisprungrechner.

    Allerdings liefern sie nur Richtwerte. Sie setzen voraus, dass der Eisprung von Zyklus zu Zyklus zum gleichen Zeitpunkt stattfindet. Tatsächlich kann er sich jedoch verschieben, etwa durch Stress, Krankheiten, Fernreisen oder hormonelle Veränderungen. 

    Besonders bei unregelmässigen Zyklen, nach dem Absetzen der Pille, bei einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) oder in den Wechseljahren sind die Berechnungen ungenau.

  • Zervixschleim beobachten

    Kurz vor dem Eisprung verändert sich der Zervixschleim: Er wird klar, dünnflüssig und spinnbar, ähnlich wie rohes Eiweiss. Dieses Sekret erleichtert den Spermien den Weg zur Eizelle und zeigt an, dass die fruchtbare Phase begonnen hat.

  • Ovulationstests

    Eine weitere Möglichkeit sind Ovulationstests aus der Apotheke oder Drogerie. Sie funktionieren ähnlich wie Schwangerschaftstests und messen den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) im Urin.

    Ein positives Ergebnis weist darauf hin, dass der Eisprung voraussichtlich innerhalb der nächsten 24 bis 36 Stunden stattfindet.

  • Basaltemperatur messen

    Auch die Basaltemperatur kann Hinweise geben. Nach dem Eisprung steigt sie durch das Hormon Progesteron um etwa 0,2 bis 0,5 Grad Celsius an. Achtung: Die Basaltemperatur steigt erst nach dem Eisprung an. Sie hilft aber, den Zyklus über mehrere Monate besser kennenzulernen.

    Am besten misst man seine Temperatur über mehrere Monate jeden Morgen vor dem Aufstehen. Achtung: Faktoren wie Schlafmangel, Alkohol oder eine Erkältung können die Werte beeinflussen.

«Ab 35 kann es länger dauern, bis eine Schwangerschaft eintritt.»

Ruth Stiller, Klinikdirektorin der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie

Schwanger werden ab 35: Wie stehen die Chancen?

Frauen, die ihr erstes Kind ab dem 35. Lebensjahr bekommen, gelten medizinisch als späte Erstgebärende. Ein verhältnismässig später Kinderwunsch ist in der Schweiz aber längst keine Ausnahme mehr. Frauen sind bei der Geburt ihres ersten Kindes hierzulande im Durchschnitt 31,3 Jahre alt.

«Im Alter ab 35 kann es länger dauern, bis eine Schwangerschaft eintritt, und auch das Risiko einer Fehlgeburt steigt», erklärt die Klinikdirektorin weiter. «Das liegt daran, dass die Eizellen altern, die seit der Geburt schon im Körper angelegt sind. Die Reifeteilung funktioniert dann oft nicht mehr so gut, so tritt etwa eine Trisomie 21 bei Föten von älteren schwangeren Frauen häufiger auf.»

Dennoch macht die Ärztin Mut: «Viele Frauen werden auch nach dem 35. Lebensjahr auf natürlichem Weg schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt. Es braucht vielleicht einfach ein wenig mehr Geduld.»

Gesunde Ernährung und wichtige Nährstoffe

«Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten, zum Beispiel aus Fisch, hält den Körper gesund und unterstützt somit auch die Fruchtbarkeit», sagt Stiller. «Schlecht sind hingegen Fast Food und stark verarbeitete Lebensmittel.»

Bereits vor einer Schwangerschaft empfiehlt die Ärztin zudem, täglich 400 Mikrogramm Folsäure am Tag einzunehmen. Auch Jod, Eisen, Vitamin D und B sowie Omega-3-Fettsäuren sollten im Blick behalten werden. 

Gesunder Lebensstil erhöht die Chancen

«Regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf und möglichst wenig Stress fördern das allgemeine Wohlbefinden und können sich positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken», so Stiller. Wichtig sei das Mass: «Moderater Sport wirkt unterstützend. Dreimal pro Woche eine halbe Stunde sind optimal. Leistungssport hingegen kann den Zyklus der Frau ungünstig beeinflussen.»

Auf Rauchen sollte unbedingt verzichtet und Alkohol nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Die Ärztin weiss: «Nikotin senkt die Fruchtbarkeit. Dies betrifft Spermien wie Eizellen. Einige Studien zeigen sogar, dass Eizellen durch das Rauchen zerstört werden.»

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«Sowohl Unter- als auch Übergewicht bei Mann und Frau können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.»

Ruth Stiller, Klinikdirektorin Klinik für Reproduktions-Endokrinologie

Gewicht normalisieren

«Was vielen nicht bewusst ist: Sowohl Unter- als auch Übergewicht bei Mann und Frau können den Hormonhaushalt stören und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen», meint die Expertin. «Es ist ratsam, sein Gewicht frühzeitig zu normalisieren, da dies ja immer ein längerer Prozess ist.»

Spermienqualität: Fruchtbarkeit ist kein reines Frauenthema

«Der Kinderwunsch betrifft beide Partner. Zwar können Männer grundsätzlich länger Kinder zeugen, doch auch bei ihnen nimmt die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter ab», so die Klinikdirektorin. 

Insbesondere ab etwa 40 Jahren und dann weiter ab 60 Jahren verschlechtert sich die Spermienqualität und -beweglichkeit. Zudem deuten Studien darauf hin, so Stiller, dass mit steigendem Alter des Vaters das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen zunehmen könnte. 

Deshalb gilt auch für werdende Väter: Wer einen Kinderwunsch hat, sollte ihn möglichst nicht unnötig lange aufschieben, gesund leben, mit dem Rauchen aufhören und ein Normalgewicht anstreben.

Wie lange dauert es durchschnittlich, schwanger zu werden?

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann emotional sehr belastend sein. Sich selbst bewusst Zeit und Auszeiten zu geben und frühzeitig eine Untersuchung zu vereinbaren, kann helfen, Stress und emotionalen Druck zu reduzieren. 

Gut zu wissen: Auch bei gesunden Paaren tritt eine Schwangerschaft oft nicht sofort ein. Bei regelmässigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden aber rund 80 Prozent der Paare innerhalb eines Jahres schwanger.

Ab wann sollte man ärztliche Hilfe aufsuchen?

«Bei Frauen unter 35 Jahren empfehlen wir eine ärztliche Abklärung, wenn trotz regelmässigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr nach zwölf bis 24 Monaten keine Schwangerschaft eingetreten ist», so Stiller. 

Ab 35 Jahren etwa sollte bereits nach sechs Monaten ärztlicher Rat eingeholt werden, da die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt. «Ich empfehle grundsätzlich, sich lieber früher als später untersuchen zu lassen. Das allein nimmt oft schon viel Druck raus.»

Vor allem für Frauen ab 40 Jahren sowie bei bekannten Zyklusstörungen, Endometriose, Hormonstörungen oder einer eingeschränkten Spermienqualität des Partners ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll – unabhängig davon, wie lange der Kinderwunsch bereits besteht.

Wie unterstützt uns die Krankenkasse?

Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, übernimmt die Grundversicherung unter bestimmten Voraussetzungen medizinische Abklärungen, Hormonbehandlungen und bis zu drei intrauterine Inseminationen (IUI). Für weitergehende Behandlungen bieten Zusatzversicherungen zusätzliche finanzielle Sicherheit.

Ein Beispiel: Die Grundversicherung bezahlt maximal 3 Versuche bei der künstlichen Befruchtung. Die Zusatzversicherung Kinderwunsch von Sanitas übernimmt Kosten für weitere zwei Zyklen.

Wichtig ist, frühzeitig vorzusorgen: Die Zusatzversicherung Kinderwunsch kann nur bis Ende des Kalenderjahres abgeschlossen werden, in dem die Frau 35 Jahre alt wird. 

Warum werde ich nicht schwanger, obwohl ich gesund bin?

Nicht immer lässt sich ein unerfüllter Kinderwunsch medizinisch erklären. «Bei rund zehn Prozent der Paare spricht man von einer unerklärten Sterilität: Obwohl die Untersuchungen bei beiden Partnern unauffällig sind, tritt trotz regelmässigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft ein», so Ruth Stiller. 

Die Vorgehensweise wird dann individuell besprochen. Entscheidend sind unter anderem das Alter der Frau, ihre Hormonwerte und die Eizellreserve. Es kann bei guten Werten sinnvoll sein, dem Kinderwunsch noch einige Monate Zeit zu geben, bevor man durch eine Behandlung aktiv unterstützt. 

Fazit

Schwanger zu werden, ist keine Frage des perfekten Timings allein. Daneben spielen Alter, Gesundheit, Gewicht und Lebensstil eine Rolle. Wer den eigenen Zyklus kennt, auf einen gesunden Lebensstil achtet und Geduld mitbringt, schafft gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. 

Und selbst wenn der Weg zum Wunschkind etwas länger dauert, gilt: Die meisten Paare mit Kinderwunsch werden früher oder später Eltern – manchmal mit viel Geduld, manchmal mit medizinischer Unterstützung.

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