Welche Fette sind gesund?
Fett galt lange als Dickmacher. Zu Unrecht. Heute zeigt die Forschung: Der Körper braucht Fett. Doch welche sind überhaupt gesund?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fett liefert Energie, stellt essenzielle Fettsäuren bereit und ermöglicht die Aufnahme der Vitamine A, D, E und K.
- Ungesättigte Fettsäuren können den Cholesterinspiegel verbessern, während gesättigte Fettsäuren und Transfette das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
- Pflanzliche Fette schneiden in Studien besser ab und sind mit einem geringeren Risiko für Herzkrankheiten verbunden.
- Empfohlen wird, etwa 20 bis 35 Prozent der Energie aus Fett zu beziehen, wobei der Grossteil aus ungesättigten Fettsäuren stammen sollte.
- Für das Gewicht und die Gesundheit ist nicht allein der Fettanteil ausschlaggebend, sondern das Ernährungsmuster sowie der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel.
Warum ist Fett gesund?
Fett hatte lange Zeit ein schlechtes Image. Es galt als Hauptursache für Übergewicht und Herzkrankheiten. Heute zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Der Körper benötigt Fett unbedingt.
Fett gehört neben Kohlenhydraten und Eiweissen zu den lebenswichtigen Nährstoffen. Es liefert nicht nur viel Energie, sondern auch essenzielle Fettsäuren, die der Körper teilweise nicht selbst herstellen kann und daher mit der Nahrung aufnehmen muss.
Ferner ermöglicht Fett die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Ohne Fett bleiben diese wichtigen Nährstoffe für den Organismus unzugänglich.
Welche Fette sind gesund, welche ungesund?
Fett ist nicht gleich Fett. Entscheidend ist die Art der Fettsäuren. Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erklärt, unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Wirkung. Einige Fettsäuren unterstützen Herz und Stoffwechsel, andere sollten nur sparsam konsumiert werden.
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Einfach ungesättigte Fettsäuren
Einfach ungesättigte Fettsäuren gelten als besonders positiv für die Gesundheit. Gemäss dem BLV helfen sie dabei, den Cholesterinspiegel zu senken, wenn sie gesättigte Fette ersetzen. Daher werden sie mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. In der täglichen Ernährung sollten sie den Hauptteil der Fette ausmachen.
Lebensmittel mit einfach ungesättigter Fettsäure:
- Rapsöl
- Olivenöl
- Nüsse und Samen
- Avocado
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Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essenziell, das heisst: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen und ist auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Sie kommen vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln sowie in fettreichen Fischen vor.
Im Körper übernehmen sie zentrale Funktionen: Sie sind Bestandteil von Zellmembranen und dienen als Ausgangsstoff für sogenannte Gewebshormone. Diese Hormone regulieren unter anderem Entzündungsprozesse, Blutgerinnung und Gefässweite, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen beschreibt.
Entscheidend ist dabei das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Körper: Während Omega-6-Fettsäuren eher entzündungsfördernd wirken, zeigen Omega-3-Fettsäuren tendenziell entzündungshemmende Effekte. Da sie im Stoffwechsel miteinander konkurrieren, kann ein Übergewicht an Omega-6 die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren beeinträchtigen.
Lebensmittel mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren:
- Fettreicher Fisch (etwa Lachs, Forelle)
- Rapsöl
- Leinsamen
- Baumnüsse
- Sonnenblumen- oder Maiskeimöl
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Gesättigte Fette
Gesättigte Fettsäuren kann der Körper selbst herstellen, sodass eine Aufnahme über die Nahrung nicht zwingend erforderlich ist. Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) kommen sie vor allem in tierischen Produkten sowie in Kokos- und Palmfett vor.
Für eine ausgewogene Ernährung empfiehlt das BLV, den Anteil gesättigter Fettsäuren zu begrenzen und stattdessen vermehrt ungesättigte Fettsäuren aufzunehmen. Denn ein hoher Konsum ungesättigter Fettsäuren wird oft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem erhöhten Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht.
Lebensmittel mit gesättigten Fetten:
- Butter, Rahm, Käse
- Fleisch und Wurstwaren
- Kokosfett und Palmöl
- Gebäck und Fertigprodukte
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Transfette
Transfette entstehen vor allem, wenn pflanzliche Öle industriell gehärtet oder beim Kochen mehrfach und stark erhitzt werden. Laut der Schweizerischen Herzstiftung sind Transfette besonders schädlich für die Herzgesundheit.
Daher sollten Transfette möglichst gemieden werden, beispielsweise indem stark verarbeitete Lebensmittel nur selten auf dem Speiseplan stehen.
Lebensmittel mit Transfetten:
- Chips und Fast Food
- Fertiggerichte wie Pizza
- Guetzli und Blätterteig
- Produkte mit «teilweise gehärteten Fetten»
Lebensmittelliste: gesunde Fette
Gesunde Fette sind vor allem in Lebensmitteln enthalten, die einen hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweisen. Dazu gehören insbesondere pflanzliche Öle, Nüsse, Samen und fettreiche Fischsorten. Diese enthalten Fettsäuren, die der Körper für wichtige Funktionen benötigt.
Das deutsche Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt ausserdem, flüssige Fette zu verwenden. Der Grund liegt darin, dass flüssige Fette meist mehr ungesättigte Fettsäuren enthalten, während feste Fette häufiger einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen.
Lebensmittel mit gesunden Fetten:
- Pflanzliche Öle (z. B. Olivenöl, Rapsöl)
- Mandeln und Haselnüsse
- Samen (z. B. Sonnenblumenkerne)
- Fettreicher Fisch (z. B. Lachs, Hering, Makrele)
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Regionaler Superfood: Gesunde Fette aus der Schweiz?
Superfoods wie Avocado oder Chiasamen werden häufig als besonders gesund angesehen. Regionale Lebensmittel liefern jedoch ebenfalls wertvolle Fettsäuren. Nüsse, Samen und pflanzliche Öle aus heimischer Produktion enthalten viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter auch Omega-3-Fettsäuren.
Beispiele für regionale Fettquellen:
- Baumnüsse (reich an ungesättigten Fettsäuren)
- Leinsamen (hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren)
- Rapsöl (günstiges Fettsäuremuster mit Omega-3-Anteil)
Wer auf regional produzierte Lebensmittel setzt, kann zudem Transportwege verkürzen und somit ökologische Aspekte berücksichtigen.
Was ist besser, tierisches oder pflanzliches Fett?
Fette stammen entweder aus tierischen oder pflanzlichen Lebensmitteln. Tierische Fette stecken vor allem in Fleisch, Milchprodukten, Eiern und Butter. Pflanzliche Fette finden sich in Nüssen, Samen, Kernen und pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Olivenöl.
Doch diese Einteilung allein sagt noch wenig darüber aus, wie gesund ein Fett ist. Entscheidend ist, welche Fettsäuren enthalten sind.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schreibt: «Gesättigte Fettsäuren können im Körper selbst gebildet werden. Eine Aufnahme über die Nahrung wäre daher nicht notwendig.»
Diese gesättigten Fettsäuren kommen vor allem in tierischen Produkten sowie in Kokos- und Palmfett vor. Sie sollten gemäss dem BLV höchstens 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen.
Gleichzeitig zeigt eine nationale Ernährungserhebung, dass viele Erwachsene in der Schweiz zu viele tierische Fette konsumieren und damit auch zu viele gesättigte Fettsäuren aufnehmen.
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Pflanzliche Fette schneiden oft besser ab
Viele pflanzliche Fette enthalten einen höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die als vorteilhaft für Herz und Stoffwechsel gelten. Eine Langzeitstudie mit über 400’000 Teilnehmenden zeigt:
- Ein höherer Konsum pflanzlicher Fette ist mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen vorzeitigen Tod verbunden.
- Ein hoher Konsum tierischer Fette ist dagegen mit einem erhöhten Risiko assoziiert.
Forschende der US-amerikanischen Loma Linda University kommen in ihrer Übersichtsarbeit zu einem ähnlichen Ergebnis: Pflanzenbasierte Ernährungsweisen sind mit besseren Werten wichtiger Herz-Kreislauf-Risikofaktoren verbunden.
Mögliche Gründe: der geringere Gehalt an gesättigten Fettsäuren sowie der höhere Anteil an Nüssen, Samen, Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten.
Gemäss einer nationalen Ernährungserhebung konsumiert die Schweizer Bevölkerung insgesamt zu viele tierische Fette und zu wenig pflanzliche Fettquellen wie hochwertige Öle, Nüsse und Samen. Parallel dazu sind Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten weit verbreitet.
Genau hier setzt die Schweizer Ernährungsstrategie 2025–2032 an. Sie verfolgt unter anderem das Ziel, den Konsum pflanzlicher Lebensmittel zu erhöhen und die Qualität der aufgenommenen Fette insgesamt zu verbessern.
Wie viel Fett pro Tag ist gesund?
Die WHO empfiehlt, dass Erwachsene höchstens 30 Prozent der täglichen Energiezufuhr durch Fett decken. Dabei sollte der Grossteil aus ungesättigten Fettsäuren bestehen. Gesättigte Fettsäuren sollten weniger als 10 Prozent ausmachen, Transfette möglichst unter 1 Prozent.
Die Schweizer Empfehlungen sind etwas weiter gefasst: Laut dem BLV sollte Fett zwischen 20 und 35 Prozent der täglichen Energiezufuhr liefern, maximal 40 Prozent. Bei einem durchschnittlichen Energiebedarf von 2000 kcal entspricht dies etwa 45 bis 80 Gramm Fett pro Tag.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern insbesondere die Zusammensetzung:
- Gesättigte Fettsäuren sollten gemäss BLV unter 10 Prozent bleiben.
- Einfach ungesättigte Fettsäuren sollten den grössten Anteil der aufgenommenen Fettsäuren ausmachen.
- Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (wie Omega-3 und Omega-6) sind essenziell und müssen über die Nahrung aufgenommen werden.
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Welche Folgen hat zu viel ungesundes Fett?
Ein langfristiger übermässiger Verzehr gesättigter Fettsäuren oder Transfette kann sich unter anderem negativ auf die Blutfettwerte auswirken.
Die Schweizerische Herzstiftung bezeichnet erhöhte Blutfettwerte – insbesondere einen hohen Cholesterinspiegel – als wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sie die Entstehung von Arteriosklerose fördern.
Dabei kann sich Cholesterin in den Gefässwänden ablagern, die Arterien verengen sich, und im schlimmsten Fall kann es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.
Cholesterin erfüllt im Körper zwar wichtige Funktionen, etwa den Aufbau von Zellwänden oder die Hormonproduktion. Entscheidend ist jedoch, wie es im Blut transportiert wird:
- LDL-Cholesterin gilt als «schlecht», weil es Cholesterin im Blut transportiert und Ablagerungen in Gefässen begünstigen kann.
- HDL-Cholesterin wirkt eher schützend, indem es überschüssiges Cholesterin zur Leber zurückführt.
- Triglyzeride können im Überschuss problematisch sein und stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Erhöhte Blutfettwerte bleiben oft lange unbemerkt. Umso wichtiger ist die Prävention. Ernährung, Bewegung, Körpergewicht und Rauchverhalten spielen eine zentrale Rolle dabei, das Risiko zu senken.
Häufige Fragen zu Fetten und gesunder Ernährung
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Brauche ich gesunde Fette, um abzunehmen?
Ja, ungesättigte Fettsäuren können beim Abnehmen helfen. Eine Studie der Charité und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung zeigt, dass eine Ernährung mit einem höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Proteinen und Ballaststoffen vor allem das viszerale Fett im Bauchraum senken kann.
Dieses innere Bauchfett gilt als besonders gesundheitsschädlich. Entscheidend ist daher, gezielt gesunde Fette, beispielsweise aus pflanzlichen Ölen, Nüssen oder fettreichem Fisch, in eine insgesamt ausgewogene Ernährung einzubauen.
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Wie viel Fett pro Tag zum Abnehmen?
Es gibt keine feste Fettmenge, die automatisch zu Gewichtsverlust führt. Entscheidend ist die gesamte Energiebilanz, also das Verhältnis zwischen aufgenommenen und verbrauchten Kalorien.
Als Orientierung empfiehlt das BLV einen Anteil von 20 bis 35 Prozent der täglichen Energiezufuhr aus Fett, maximal 40 Prozent.
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Welches Öl zum Anbraten?
Die Wahl des Öls hängt von der Temperatur beim Erhitzen ab.
Für hohe Temperaturen wie Braten oder Backen sind vor allem raffinierte Öle geeignet. Dazu zählen:
- raffiniertes Rapsöl
- raffiniertes Sonnenblumenöl
- spezielle Bratöle
Für kalte Speisen oder zum Verfeinern eignen sich kaltgepresste Öle besonders:
- natives Olivenöl
- Leinöl
- Nuss- oder Kürbiskernöl
Wichtig: Wird ein Öl zu stark erhitzt und beginnt zu rauchen, entstehen gesundheitsschädliche Stoffe. Dann sollte es nicht mehr verwendet werden.
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Ist Butter oder Margarine gesünder?
Margarine besteht meist aus pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Sonnenblumenöl. Dadurch enthält sie einen höheren Anteil ungesättigter Fettsäuren, die sich positiv auf Herz und Kreislauf auswirken können. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher, bevorzugt pflanzliche Fette zu verwenden.
Butter enthält überwiegend gesättigte Fettsäuren. Lange Zeit wurde sie kritisch betrachtet, da sie den Cholesterinspiegel erhöhen kann. Dabei wirken nicht alle gesättigten Fettsäuren im Körper gleich ungünstig. In moderaten Mengen kann Butter daher dennoch einen Platz in einer ausgewogenen Ernährung einnehmen.
Eine mögliche Alternative sind Mischstreichfette (etwa Butter mit Rapsöl). Sie verbinden den Geschmack von Butter mit einem günstigeren Fettsäuremuster.
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Fette oder Kohlenhydrate?
Weder Fett noch Kohlenhydrate sind per se gut oder schlecht. Entscheidend sind Menge, Qualität und Verarbeitung der Lebensmittel.
Eine gross angelegte Kohortenstudie aus 18 Ländern zeigt, dass eine Ernährung mit sehr hohem Kohlenhydratanteil mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden war. Eine höhere Fettzufuhr hingegen stand nicht mit einer höheren Sterblichkeit in Zusammenhang, sondern wurde in der Studie sogar mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit assoziiert.
Neuere Forschung richtet den Fokus zusätzlich auf den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln. Eine 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigte, dass Teilnehmende mit einer minimal verarbeiteten Ernährung mehr Gewicht verloren als solche mit stark verarbeiteten Ernährungsweisen, obwohl beide Ernährungsformen sich an allgemeinen Ernährungsempfehlungen orientierten.
Wichtiger als die einfache Gegenüberstellung von Fett und Kohlenhydraten ist deshalb, aus welchen Lebensmitteln diese Nährstoffe stammen. Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und hochwertige Öle schneiden insgesamt günstiger ab als Weissmehlprodukte, Süssigkeiten oder stark verarbeitete Snacks.