Dossier: Kinderwunsch

Schwanger werden: den Eisprung berechnen

Es schliesst schnell: das Zeitfenster, während dem eine Frau fruchtbar ist. Gerade mal sechs Tage dauert es. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wahrscheinlichkeit nicht an allen Tagen gleich gross ist, dass es mit dem Schwangerwerden klappt. Kennen Sie Ihre Zykluslänge und wissen Sie, wann der genaue Zeitpunkt Ihres nächsten Eisprungs ist?

Würde man auf Schwangerschaften wetten, stünden die Gewinnchancen schlecht - auch wenn die Spermien im Körper der Frau zwei bis fünf Tage überleben können . Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Eizelle befruchtet wird, liegt pro Zyklus je nach Studie zwischen 20 und 30 Prozent – und das sogar nur an drei von sechs fruchtbaren Tagen im Monat: Nämlich die drei Tage, die am nächsten beim Eisprung liegen. Vier Tage vorher stehen die Chancen auf eine Schwangerschaft bei noch 10 bis 12 Prozent. Fünf und sechs Tage vor dem Eisprung sind es 0 bis 5 Prozent.

Es bleibt die alles entscheidende Frage: Wann ist der genaue Zeitpunkt meines Eisprungs? Wer sich mit dem Thema Kinderwunsch befasst und versucht die fruchtbaren Tagen zu berechnen, weiss: Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Essenziell ist, den eigenen Zyklus genau zu beobachten – über mehrere Monate hinweg.

Die Krux mit Fruchtbarkeits-Apps: Wann beginnt die Ovulation tatsächlich?

Die Knaus-Ogino-Methode – auch bekannt als Kalendermethode – gibt es bereits seit den 1930er-Jahren. Dabei dient ein über zwölf Monate hinweg geführtes Protokoll über die eigene Zykluslänge als Eisprungrechner. Frauen, die genau protokollieren, können berechnen, wann sie fruchtbar sind. An diese scheinbar einfache Methode, um den Eisprung und die fruchtbaren Tage zu berechnen, knüpfen heutige Fruchtbarkeits-Apps an.

Das Problem: Sie gehen von einer durchschnittlichen Zyklusdauer aus, bei der der Eisprung 14 Tage nach der letzten Periode und 14 Tage vor der nächsten Menstruation auftritt. Aber bei 70 Prozent der Frauen entspricht die Zykluslänge nicht der Theorie - sie haben entweder einen längeren oder einen kürzeren Zyklus (Quelle: Ava). Da nur drei bis maximal sechs Tage für eine Befruchtung Erfolg versprechend sind, ist es verheerend, sich auch nur um zwei Tage zu verrechnen. Kommt hinzu, dass verschiedene Faktoren die Zykluslänge beeinflussen können – beispielsweise Stress oder sogar die Zeitverschiebung in den Ferien.

Fruchtbare Tage anhand Hormonen und Basaltemperatur berechnen

Die Entwicklung der Hormone zu beobachten, ist eine weitere Möglichkeit, den Zeitpunkt des Eisprungs und somit die fruchtbaren Tage zu berechnen. So steigt fünf Tage vor der Ovulation das Östrogen an. Man bestimmt es entweder durch Beobachten des Zervixschleims – je näher am Eisprung, desto dehnbarer, transparenter und dünnflüssiger ist das Scheidensekret – oder mittels eines handelsüblichen Ovulationstests. Diese Tests funktionieren ähnlich wie Schwangerschaftstests, indem man einen Teststreifen entweder direkt in den Urinstrahl hält oder in einen Becher mit Urin. Nebst dem Östrogen bestimmen diese Tests das luteinisierende Hormon (LH). Dessen Konzentration erhöht sich rund 24 Stunden vor dem Eisprung.

Der Nachteil von Ovulationstests: Ist der Hormonspiegel nicht hoch genug, zeigen sie den Anstieg zu spät oder gar nicht an. Ausserdem kann der häufige Toilettengang mit Teststreifen mühsam sein. Zu guter Letzt bleibt das Hormon Progesteron, das nach dem Eisprung ansteigt. Eine erhöhte Körpertemperatur weist auf diesen Vorgang hin. Sobald man aber den Temperaturanstieg misst, ist der Eisprung vorbei.

Apropos Messen der Basaltemperatur: Auch das ist eine Methode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um etwa 0,5 Grad an. Beobachtet man über einen längeren Zeitraum seine Basaltemperatur (symptothermale Methode), kann man den Zeitpunkt der Ovulation sowie die fruchtbaren Tage bestimmen. Zumindest theoretisch. Denn diese Methode ist eher ungenau und schnell fehleranfällig.

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