Dossier: Kinderwunsch

Fruchtbarkeit: Ernährung bei Kinderwunsch

Was essen, was auf der Seite lassen? Bei Kinderwunsch kann die richtige Ernährung einen grossen Einfluss haben, denn einige Nahrungsmittel und Vitamine wirken sich günstig auf die Fruchtbarkeit aus. Andere bereiten den Körper auf die Schwangerschaft vor. Ein Überblick im Ampelsystem.

Text: Sanitas; Foto: Unsplash

Grün

Diese Lebensmittel und Vitamine wirken sich positiv auf die Fruchtbarkeit aus:

Vitamine und Mineralien

Eisen, Kalzium, Vitamin D, Folsäure sowie weitere Vitamine und Mineralstoffe sind zentral für das ungeborene Kind. Damit es von Beginn an gut versorgt ist, können Sie bereits drei Monate vor einer Schwangerschaft Vitamine einnehmen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, um eine Fehldosierung zu vermeiden.

  • Vitamin D: unterstützt den Knochenaufbau und das Immunsystem. Ein Vitamin-D-Mangel kann Infektionen oder gar eine Fehlgeburt zur Folge haben.
  • Kalzium:ist verantwortlich für den Kreislauf sowie das Nerven- und Muskelsystem der Mutter. Ausserdem stärkt Kalzium Knochen und Zähne. Ein Mangel in der Schwangerschaft kann später beim Kind zu Osteoporose führen.
  • Eisen: ist für die Produktion von Hämoglobin verantwortlich. Dieses transportiert Sauerstoff in Organe und Muskeln. Eisenmangel in der Frühschwangerschaft kann zu schweren Komplikationen führen wie einer Frühgeburt oder Anämie (Blutarmut) beim Kind. Ausserdem zeigt die Forschung, dass Frauen mit einem ausreichenden Eisenspeicher eine höhere Fruchtbarkeitsrate aufweisen. Wenn Sie also genug Lebensmittel mit einem hohen Eisengehalt essen, können Sie demnach Ihre Fruchtbarkeit erhöhen.
  • Folsäure: reduziert das Risiko von schweren Geburtsfehlern. Auf eine ausreichende Zufuhr sollten Sie daher zwingend achten.

Wasser und ungesüsster Kräutertee

Achten Sie darauf, genügend Wasser oder ungezuckerten Kräutertee zu trinken. Flüssigkeit ist gut für den Zervixschleim, den Scheidenausfluss, der eine wichtige Rolle bei der Befruchtung einnimmt.

Milchprodukte

Joghurt, Milch, Frischkäse und andere Milchprodukte sind empfehlenswert wegen ihres Kalziumgehalts (siehe oben). Ausserdem konnten Wissenschaftler nachweisen, dass bei Frauen, die einmal täglich ein Vollmilchprodukt konsumierten, der Eisprung weniger häufig ausfiel. Die tägliche Eiweisszufuhr sollte dabei nur zu einem Drittel aus tierischen Eiweissen – Fleisch, Eiern, Milchprodukten – bestehen und zu zwei Dritteln aus pflanzlichen Eiweissen, beispielsweise Hülsenfrüchten.

Nüsse und Samen

Nüsse und Samen sind Lieferanten der hochwertigen Omega-3-Fettsäure, welche die Regulierung der Hormone unterstützen und damit die Fruchtbarkeit fördern.

Fisch

Fetter Fisch wie Lachs ist ebenfalls reich an Omega-3-Fettsäuren und daher sehr empfehlenswert. Auch in rohem Zustand ist er unbedenklich, solange man nicht schwanger ist. Auf Fisch mit hohem Quecksilberanteil sollte vor der Schwangerschaft verzichtet werden (siehe unten).

Beeren

Sie schmecken nicht nur gut, Beeren sind auch reich an Antioxidantien. Diese Substanzen schützen Eizellen vor Schäden. Besonders interessant ist das für Frauen ab Mitte 30, da sich die Eizellen im Alter reduzieren und in der Fertilität nachlassen. Das Essen von Beeren kann also die Fruchtbarkeit steigern.

Gelb

Diese Lebensmittel haben in massvollem Rahmen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit:

Fleisch und eisenhaltige Lebensmittel

Ein ausreichender Eisenspeicher ist eine wichtige Voraussetzung, wenn man schwanger werden möchte (siehe oben). Es ist daher ratsam, zweimal pro Woche Eisenhaltiges zu essen, wie Fleisch oder Schalentiere (Muscheln, Crevetten…). Es sollte aber nicht häufiger sein, denn zu viel tierisches Eiweiss ist ungesund und kann die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Auf den Genuss von rohem oder halbrohem Fleisch sollte in der Schwangerschaft unbedingt verzichtet werden, da hier die Gefahr besteht, sich mit Toxoplasmose zu infizieren.

Kaffee und Schwarztee

Koffein in Massen ist bei Kinderwunsch unbedenklich. Allerdings sollten es nicht mehr als 200 Milligramm pro Tag sein – das entspricht einer Tasse Kaffee. Koffein in höheren Dosen beeinträchtigt die Fruchtbarkeit.

Alkohol

Es besteht kein Grund zur Sorge für Weinliebhaber: Ein gelegentliches Glas Wein ist unschädlich. Übermässiger Alkoholkonsum bei Kinderwunsch kann hingegen zu Unregelmässigkeiten in der Gebärmutterschleimhaut führen oder dazu, dass der Eisprung nicht stattfindet und die Periode ausbleibt. Ausserdem werden der Östrogen- und der Progesteronspiegel beeinträchtigt. Alkohol ist übrigens auch für die Fruchtbarkeit der Männer schädlich.

Einfache Kohlenhydrate wie Weissbrot und Pasta

Ziehen Sie Vollkornprodukte den Weissmehlprodukten vor. Einfache Kohlenhydrate lassen den Insulin- und Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Ein stets zu hoher Insulinspiegel kann den weiblichen Zyklus aus dem Gleichgewicht bringen und eine Befruchtung erschweren.

Rot

Diese Lebens- und Genussmittel sollten Sie bei Kinderwunsch meiden:

Nikotin

Auch wenn es schwierig ist: Frauen, die schwanger werden möchten, sind gut beraten, mit dem Rauchen aufzuhören. Das gilt auch für den Partner. Nikotin hemmt die Bewegungsfähigkeit der Spermien.

Fisch mit hohem Quecksilberanteil

Thunfisch (in Dosen) und Schwertfisch weisen einen sehr hohen Anteil an Quecksilber auf. Da sich das Schwermetall ablagert und schädlich für das ungeborene Kind ist, sollte darauf verzichtet werden.

Schlechte Kohlenhydrate wie Chips und Süssgetränke

Bier, Süssgetränke, Pommes-Chips, Pizza, süsse Backwaren gelten als «leere Kalorien». Denn sie haben viele Kalorien, aber keine Nährstoffe. Solche Lebensmittel sollten mit äusserster Zurückhaltung gegessen werden.

4 Fragen an die Expertin

Frau Pfister-Lüthi, welche Lebensmittel empfehlen Sie Frauen, die ihre Fruchtbarkeit erhöhen und schwanger werden möchten?
Gesund zu essen, muss nicht kompliziert sein. Wer auf Grundempfehlungen achtet, macht vieles richtig. Die Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) bietet sinnvolle Richtlinien*: zuckerfreie Getränke, täglich mehrmals Gemüse und Obst, mindestens einmal pro Tag Vollkornprodukte, täglich Eiweiss liefernde Lebensmittel, sparsamer Umgang mit fettreichen Fertigprodukten, täglicher Konsum von hochwertigen Pflanzenölen. Kombiniert man dazu die notwendigen Zusatzpräparate, ist die Ernährungsbasis für die Schwangerschaft ideal.

Was sind die häufigsten Märchen zum Thema Fruchtbarkeit und Ernährung?
Alleinseligmachende Lebensmittelratschläge können getrost ignoriert werden, denn ein einzelnes Lebensmittel löst keine Unfruchtbarkeitsprobleme aus. So soll beispielsweise Brokkoli den Körper entgiften und für eine Schwangerschaft reinigen. Oder Eier werden empfohlen, weil das einfach logisch sei, um den weiblichen Körper hormonmässig auf Schwangerschaftskurs zu bringen.

Es gibt zahlreiche Zusatzpräparate. Welche empfehlen Sie?
In der Tat ist es oft schwierig, sich im Dschungel der Spezialpräparate zurechtzufinden. Ein Präparat sollte eine Kombination verschiedener Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten, auf jeden Fall das Vitamin Folsäure sowie ungesättigte Fettsäuren wie DHA. Folsäure beugt einem offenen Rücken beim Kind vor, DHA ist eine wichtige Fettsäure für die Hirn- und die Augenentwicklung des Kindes. Wichtig ist, dass die Frau die Folsäure bereits drei bis vier Monate vor Schwangerschaftsbeginn einnimmt. Im Zusammenhang mit verbesserter Fruchtbarkeit wird auf eine ausreichende Zufuhr der Antioxidanzien hingewiesen, beispielsweise Zink. Wer sich abwechslungsreich, mit vielen vollwertigen Lebensmitteln ernährt, konsumiert auf natürliche Weise viele Antioxidanzien, also wertvolle Schutzstoffe.

Was raten Sie Frauen, die präventiv einige Kilos vor der Schwangerschaft abnehmen möchten?
Ist das Körpergewicht viel zu hoch oder auch zu tief, bedeutet das für den Körper Stress und eine veränderte Hormonsituation, welche die Fruchtbarkeit reduzieren kann. Dieser Effekt kann auch durch extreme Crashdiäten und sehr einseitige Essgewohnheiten hervorgerufen werden. Die angelegten Reserven während der Schwangerschaft – eine Gewichtszunahme von 12 bis 15 Kilo – sind ein sinnvolles Energiedepot für die Stillzeit und werden während dieser Monate wieder abgebaut.

* Eine kostenlose Broschüre zum Thema Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit kann auf der Website des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) heruntergeladen werden.

Barbara Pfister Lüthi ist Ernährungsberaterin FH SVDE sowie Stillberaterin IBCLC i.A.. Sie arbeitet in der Frauenklinik des Spitals Region Oberaargau in Langenthal und ist Gründerin von Wickelwerk

wickelwerk.ch

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