Dossier: Sexualität

Guter Sex, aber sicher!

Jeder Mensch steckt sich im Laufe des Lebens durchschnittlich einmal mit einer sexuell übertragbaren Krankheit an. Entsprechend wichtig ist das Wissen darum, wie man Geschlechtskrankheiten vermeiden, Symptome richtig deuten und schnell darauf reagieren kann.

Text: Nicole Krättli; Foto: iStock

Ohne Dings kein Bums: Eine ganze Generation ist mit diesem Kampagnenspruch aus den Neunzigerjahren in die ersten sexuellen Abenteuer gestartet. Die «Stop Aids»-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigte Wirkung. Das Thema HIV war omnipräsent – und ebenso die Angst, sich mit HIV zu infizieren. 

Heute hat HIV seinen Schrecken etwas verloren. Dank des medizinischen Fortschritts ist selbst mit HIV in vielen Fällen ein weitgehend normales Leben möglich. Zum ersten Mal seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre meldete das BAG im Jahr 2020 zudem weniger als 300 Fälle. Zum Vergleich: In den Neunzigerjahren waren es im Durchschnitt 1300 Fälle jährlich.

Trotzdem darf die Gefahr, die von sexuell übertragbaren Krankheiten ausgeht, keinesfalls unterschätzt werden. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO steckt sich jeder Mensch durchschnittlich einmal im Leben mit einer sexuell übertragbaren Krankheit an. Entsprechend wichtig ist es, die verschiedenen Erkrankungen zu kennen, zu wissen, wie sich eine Ansteckung vermeiden lässt und auf welche Symptome man achten sollte. 

HIV

HIV steht ins Deutsche übersetzt für «Menschliches Immunschwäche-Virus» und kann durch Kontakt mit Sperma, Flüssigkeit der Vagina und des Anus, Blut und Muttermilch übertragen werden. Das HI-Virus schädigt oder zerstört bestimmte Zellen der Immunabwehr und macht den Körper dadurch anfällig für Erkrankungen. Unbehandelt kann eine HIV-Infektion zu Aids führen. Weltweit leben mehr als 37 Millionen Menschen, die mit HIV infiziert sind oder bei denen bereits Aids ausgebrochen ist – in der Schweiz sind es rund 16'600.

Um sich vor einer Infektion zu schützen, gilt es, die Safer-Sex-Regeln (siehe Box) zu beachten und auf den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen und Injektionsnadeln zu verzichten. Neuerdings kann man sich auch durch die Einnahme von Medikamenten schützen.

Chlamydien

Chlamydien sind die häufigste in der Schweiz sexuell übertragene Infektion. Sie sind vor allem bei Jugendlichen und jungen Frauen unter 24 Jahren verbreitet und können durch oralen, vaginalen und analen Geschlechtsverkehr übertragen werden. Etwa 70 Prozent der Frauen und rund die Hälfte der Männer haben wenige oder gar keine Beschwerden. Wenn, dann tauchen sie in der Regel zwei bis sechs Wochen nach der Infektion auf, in Form von Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie von Ausfluss aus der Scheide beziehungsweise Harnröhre. Eine Chlamydiose kann mit Antibiotika geheilt werden oder auch spontan ausheilen. Unbehandelt kann sie allerdings bei beiden Geschlechtern zu Unfruchtbarkeit führen. 

Kondome verringern das Risiko, sich mit Chlamydien zu infizieren. Es kann allerdings trotzdem zu einer Ansteckung kommen. Wer wechselnde oder mehrere Sexpartner gleichzeitig hat, sollte sich deshalb ärztlich beraten lassen und überprüfen, ob Tests sinnvoll sind.

Gonorrhoe

Gonorrhoe ist weltweit eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und kann durch oralen, vaginalen und analen Geschlechtsverkehr übertragen werden. Meist treten zwei bis sieben Tage nach einer Ansteckung die ersten Symptome auf. Beim Mann kommt es zunächst zu einer Rötung und einer Schwellung an der Harnröhrenmündung mit Schmerzen beim Urinieren und einem eitrigen Ausfluss. Bei der Frau äussert sie sich ebenfalls durch vermehrten Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlösen. Heilung bringt eine Antibiotikatherapie.

Kondome verringern das Risiko, eine Ansteckung ist aber trotzdem möglich. Wer wechselnde oder mehrere Sexpartner hat, sollte sich deshalb ärztlich beraten lassen.

Syphilis

Syphilis wird durch ein Bakterium durch oralen, vaginalen und analen Geschlechtsverkehr übertragen und kann chronisch verlaufen. Erste Symptome können bis zu drei Monate nach der Ansteckung in Form von roten Flecken, Knoten an der Eintrittspforte des Erregers sowie Lymphknotenschwellungen auftreten. Die Symptome können zwar auch unbehandelt wieder verschwinden, die Krankheit und die Übertragbarkeit bleiben aber bestehen. Syphilis lässt sich – rechtzeitig erkannt – mit Antibiotika behandeln und heilen. 

Kondome verringern das Risiko, schliessen es aber nicht aus. Deshalb ist es wichtig, die Infektion früh zu erkennen und zu behandeln. Wer wechselnde oder mehrere Sexpartner gleichzeitig hat, sollte sich deshalb ärztlich beraten lassen.

Hepatitis

Es gibt unterschiedliche Formen von Hepatitis-Viren. Hepatitis A betrifft aufgrund der Sexualpraktiken vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, und zeigt sich durch akutes Fieber, Unwohlsein, Gelbsucht, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung können bis zu 50 Tage liegen. Hepatitis B wird insbesondere durch Kontakt mit Blut und Genitalsekreten übertragen. Die Symptome können sehr unspezifisch sein und von Appetitlosigkeit über Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Gelenkschmerzen bis hin zu Fieber und Hautausschlag reichen. Hepatitis C wird durch Blut übertragen – allerdings eher selten während des Geschlechtsverkehrs. 

Gegen eine Hepatitis-A- und B-Infektion kann man sich impfen lassen. Um sich vor Hepatitis C zu schützen, sollte man beim Sex darauf achten, dass kein Blut auf Schleimhäute gelangt.