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Datengesellschaft und Solidarität?

Veranstaltungen

Am 5. Digital Festival bot Sanitas als Contributing Partner zwei Workshops zum Thema «Digitales Leben, Gesundheit und Solidarität». Die Teilnehmenden diskutierten dabei den Einfluss der Digitalisierung auf die gesellschaftliche Solidarität in den Bereichen Gesundheit und Lebensvermessung.

Die Stiftung Sanitas Krankenversicherung gestaltete 2020 das Digital Festival mit. Im Rahmen des Lab-Workshops «Digitales Leben, Gesundheit und Solidarität» gaben Zukunftsforscher Stefan Pabst (Think Tank W.I.R.E) und Meinungsforscher Michael Hermann (Sotomo) Inputs zu Gesellschaft und Digitalisierung und forderten die Besucher mit Denkfragen heraus. Der digital affine Teilnehmerkreis diskutierte sehr engagiert und kritisch über Chancen und Stolpersteine in den Bereichen Gesundheit und Lebensvermessung.

 

Solidarität und Digitalisierung

Stefan Pabst legte mit einem Einführungsreferat den Boden für die Diskussion. Seine Definition für Solidarität lautete: «Solidarität beschreibt das Einstehen einer Gruppe für Einzelpersonen, denen untragbare Ereignisse widerfahren.» Er nahm dabei auch Bezug zur COVID-19-Pandemie und deren Contact Tracing mittels App. Pabst führte aus, inwiefern die Digitalisierung neue Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Solidarität schafft und gleichzeitig Gesundheit zu einem wichtigeren Aspekt individueller und kollektiver Entscheidungen wird. Zum neuen Rahmen zählte er vier Bereiche: die Selbstvermessung des Menschen mit Apps und Wearables, die gesellschaftliche Vernetzung von Einzelpersonen zu Clustern, das Entstehen von Filterblasen sowie den Einsatz von Robotik mit möglichen Folgen auf die Empathiefähigkeit der Menschen und die Voraussagemöglichkeit – gerade auch in der Gesundheit dank Predictive Analytics.

 

«In der Diskussion wurde mir klar, dass Freiwilligkeit für die Menschen bei der Nutzung von Tools zur Selbstvermessung entscheidend ist. Ist sie gegeben, wächst die Bereitschaft, digitale Anwendungen zur Förderung der Gesundheit zu nutzen.»

Stefan Pabst, W.I.R.E.

 

Gesundheitsdaten: messen, aber ungern teilen

Michael Hermann, Sotomo, stellte als zweiten Input die wichtigsten Resultate der Bevölkerungsbefragung «Monitor Datengesellschaft und Solidarität» 2020 vor. Er hielt fest, dass die Antworten vom Erhebungszeitpunkt Januar 2020 – vor der Corona-Pandemie – heute wohl zugespitzter ausfallen würden durch den notfallbedingten Digitalisierungsschub. Hermann legte den DIFE-Teilnehmenden dar, dass die Umfragereihe über aktuell drei Jahre klare Tendenzen aufzeigt: Die Menschen tracken ihr Leben immer mehr, obwohl grundlegende Vorbehalte bezüglich Datenteilen und negativer Auswirkungen auf die Solidarität bestehen. Die neue, digitale Normalität hat in der Gesellschaft Einzug gehalten und könnte die Bewertung von solidarischem Grundverständnis längerfristig verändern. Ein Beispiel dafür sei, dass sich heute eine Mehrheit für verhaltensabhängige Krankenversicherungsprämien ausspricht, während dies vor zwei Jahren noch nicht der Fall war. Die Haltung ist allerdings auch etwas widersprüchlich: Während man Boni für positives Verhalten erwartet, besteht eine gewisse Grundskepis, Gesundheitsdaten zu teilen.

Und was bedeutet Solidarität im Kontext der Lebensvermessung? Einige Antworten und noch mehr Fragen warfen die Gruppendiskussionen auf.

 

Digitalisierung und Solidarität: Komplexe Zusammenhänge

In den Workshops diskutierten die Digital Festival-Besucher unter anderem, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen, damit Anwendungen für digitales Gesundheitsmonitoring (z. B. des Blutdrucks oder Zuckerspiegels) dem Einzelnen dienen, aber auch die (Solidar-)Gemeinschaft profitiert. Dabei wurde deutlich, dass die verschiedenen Aspekte wie Usability, individueller Nutzen, regulatorischer Rahmen, Datenschutz und Nutzen für die Gemeinschaft derart miteinander verknüpft und mit Abhängigkeiten behaftet sind, dass es die Thematik sehr komplex macht. In der Diskussion traten die typischen Spannungsfelder für Solidarität in der Lifelogging-Welt zutage: mehr Transparenz versus mehr Eigenverantwortung, mehr Information versus mehr Überforderung, mehr Gemeinschaft versus mehr Fragmentierung und mehr individualisierte Empfehlungen versus mehr Normierung.

 


«Solidarität im Kontext der Lebensvermessung entsteht, wenn die Allgemeinheit davon profitiert – so die erstaunlich einfache Antwort unserer Gruppendiskussion. Nicht nur Selbstoptimierung, sondern auch der Beitrag zur besseren Gesundheitsversorgung könnte ein Ziel und Anreiz für Lebensvermessung sein.»

Michael Hermann, Sotomo


Die Diskussionen bekräftigten, dass die Digitalisierung ein Schlaglicht darauf wirft, wie wichtig solidarisches Verhalten für ein funktionierendes Gemeinwesen ist. «Der heutige Fokus auf den individuellen Nutzen digitaler Tools im Gesundheitskontext muss um gesamtgesellschaftliche Chancen und Herausforderungen ergänzt werden – dafür stehen alle in der Pflicht: Individuen, Unternehmen, Politik und die Wissenschaft», so das Fazit von Stefan Pabst.

Mehr zur Fachtagung Digital Festival erfahren Sie hier.

Am Digitaltag 2019 vom 3. September diskutierte Sanitas diese Fragestellung mit den Besucherinnen und Besuchern im Hauptbahnhof Zürich.

Mit digitalen Tools sind Verhalten und Gesundheitszustand des Einzelnen differenzierter messbar und so auch besser mit anderen vergleichbar.

Für den Nutzer eines digitalen Gesundheitsangebots eröffnen sich damit neue Chancen, die Gesundheit präventiv zu fördern oder eine Erkrankung im Alltag leichter zu überwachen.

Was bedeutet die erhöhte Vergleichbarkeit von Daten jedoch für die Solidarität im Gesundheitswesen?

Auf Basis von Hintergrundinformationen aus Videos konnte man abstimmen, ob man seine Daten für die Forschung oder ein Gesundheitsangebot teilen würde und wie man zu Prämienrabatten bei gesunder Lebensführung steht.

Wie gut heute personalisierte Gesundheitsempfehlungen funktionieren, demonstrierten wir mit unseren digitalen Coaches am Stand.  

 

Kurzvideos zu Fragestellungen zum Thema aus Sicht von Experten und Laien:

Prof. Dr. med. Felix Gutzwiller, Präventivmediziner und Stiftungsratspräsident Sanitas

Bianca Singenberger, Digitale Marktentwicklung Sanitas

Dr. sc. nat. Michael Herrmann, Geschäftsführer Forschungsstelle sotomo

In der modernen Datengesellschaft ist man, was man klickt. Doch was erwartet man von einer Datengesellschaft, in der immer mehr gemessen und verglichen wird? Sorgt man sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Solidarität? Überlegungen dazu finden Sie in unseren Videostatements.