Toxische Freundschaften erkennen & Gesundheit schützen

Nicht jede Freundschaft tut gut. Toxische Beziehungen belasten die psychische sowie die körperliche Gesundheit. Woran Sie Warnsignale erkennen und wie Sie Grenzen setzen.

Text: Miriam Suter & Anne-Sophie Keller

Bilder: Sanitas

5 Min

10.08.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine toxische Freundschaft kostet mehr Energie, als sie gibt. Dauerhafter Stress kann sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirken.
  • Warnsignale sind unter anderem ständige Kritik, Manipulation oder ein schlechtes Gefühl nach gemeinsamen Treffen.
  • Klare Grenzen zu setzen oder die Freundschaft zu beenden, können helfen, das eigene Wohlbefinden zu schützen.

Was ist eine toxische Freundschaft?

Freundschaften gelten für die meisten Menschen als Ort zum Auftanken. Was aber, wenn man nach dem Telefonat mit einer Freundin regelmässig einfach nur erschöpft oder deprimiert ist? Eine toxische Freundschaft schadet auf Dauer dem eigenen Wohlbefinden. Statt Unterstützung, Vertrauen und Freude stehen Stress, Unsicherheit oder emotionale Belastung im Vordergrund.

Wie gehe ich mit toxischen Freundschaften um?

«Krisen sind menschlich und normal – sogar in den besten Freundschaften. Die Frage ist aber, wie man damit umgeht», so Freundschaftsforscher Wolfgang Krüger.

Krüger rät bei Spannungen zur offenen Kommunikation: «Sagen Sie zum Beispiel Ihren Freunden, dass Sie die gemeinsame Zeit geniessen, aber die regelmässigen Verspätungen als stressig empfinden!» Für eine gesunde Streitkultur sei es wichtig, auch das Positive in der Freundschaft zu erwähnen

Hat der letzte Streit die Freundschaft so stark durchgeschüttelt, dass sie nachhaltige Schäden davonträgt, könnte es an der Zeit sein, die Beziehung zu überdenken. Spätestens dann, wenn Sie die Person nicht mehr zum Geburtstag einladen oder das Telefon nicht abnehmen möchten, wenn sie anruft.

Schwierige Phasen gebe es in jeder Freundschaft, meint Krüger. Aber: «Wenn es Ihnen nach dem Gespräch mit einer Person schlechter geht als vorher, hat die Freundschaft keine Zukunft mehr.»

Auch wenn Freundinnen und Freunde uns konstant nur kritisieren oder ausnutzen, sollten wir die Freundschaft überdenken und gegebenenfalls beenden.

8 Warnsignale: Woran erkenne ich eine toxische Freundschaft?

Nicht jeder Streit macht eine Freundschaft toxisch. Häufen sich jedoch diese Anzeichen, lohnt sich ein genauer Blick:

  • Sie fühlen sich nach Treffen erschöpft statt gestärkt.
  • Ihre Grenzen werden regelmässig überschritten.
  • Kritik kommt häufig, Wertschätzung selten.
  • Die Freundschaft ist von Kontrolle oder Manipulation geprägt.
  • Es herrscht konstant Konkurrenz oder Neid.
  • Probleme drehen sich hauptsächlich um die andere Person.
  • Schuldgefühle werden gezielt ausgelöst.
  • Sie trauen sich nicht mehr, offen Ihre Meinung zu sagen.

Warum sind toxische Beziehungen schlecht für die Gesundheit?

Freundschaften fördern Gesundheit und Lebensqualität. Belastende Beziehungen können dagegen Stress auslösen, den Schlaf beeinträchtigen und das Risiko für psychische Beschwerden erhöhen. Wie wichtig gesunde soziale Kontakte sind, zeigt auch der Präventionsradar der Sanitas Stiftung.

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Anleitung: Wie gehe ich mit toxischen Menschen um?

Nicht jede schwierige Freundschaft muss sofort enden. Diese Schritte können helfen:

  1. Nehmen Sie Ihre Gefühle ernst.
  2. Sprechen Sie Probleme offen an.
  3. Setzen Sie klare Grenzen.
  4. Reduzieren Sie den Kontakt.
  5. Holen Sie sich Unterstützung im Umfeld.

Wann sollte ich eine Freundschaft beenden?

Führt die Freundschaft trotz Gesprächen dauerhaft zu Stress oder belastet sie Ihre Gesundheit, kann ein Schlussstrich sinnvoll sein. Auch gemeinsame Erinnerungen oder eine lange Geschichte – etwa seit dem Kindergarten – verpflichten nicht dazu, eine schädliche Beziehung aufrechtzuerhalten.

Einerseits gibt es die Möglichkeit eines «stillen Endes», so Krüger. Hier meldet man sich einfach immer weniger bei der Person, bis der Kontakt verkümmert – «wie eine Pflanze, die man einfach nicht mehr giesst». Das ist aber nicht unbedingt die respektvollste Lösung und eignet sich selbstverständlich nicht für jede Art von Freundschaft.

Die zweite Möglichkeit: Man konfrontiert die Freundin oder den Freund und erklärt, weshalb man die Freundschaft nicht mehr weiterführen mag. «Das kann entweder im persönlichen Gespräch oder schriftlich geschehen», erklärt Krüger.

Wichtig ist, dass man konkret kommuniziert, aus welchen Gründen man die Freundschaft beenden möchte – nicht nur aus Respekt vor dem Gegenüber, denn es geht hier auch ums eigene Seelenheil. 

Mit einer Freundin oder einem Freund Schluss zu machen, kann schmerzhaft sein, vielleicht wird dabei auch das Ego angekratzt. Krüger empfiehlt darum, sich unbedingt ehrlich zu fragen, wie sehr man selbst noch an der Freundschaft hängt: «Oft merkt man ja bereits vorher, dass etwas nicht mehr wirklich stimmt.» 

Holen Sie sich Hilfe

«Sein Selbstbewusstsein zu stärken, ist der beste Schutz vor toxischen Beziehungen», sagt Krüger. Er rät, sich mindestens einmal pro Woche zu sagen, was man an sich mag und worauf man stolz ist.

Allenfalls helfen auch Meditation, Therapie oder Tagebuchschreiben. Oder aber die Arbeit mit dem inneren Kind – das Erkennen antrainierter Vorstellungen oder negativer Glaubenssätze beispielsweise.

Manchmal fällt eine Entscheidung schwer. Gespräche mit Beratungsstellen wie 143.ch können helfen, die Situation einzuordnen. Auch eine Psychotherapie kann hilfreich sein, um toxische Verhaltensmuster zu erkennen – bei anderen oder bei sich selbst – und diese zu durchbrechen.

Je nach Zusatzversicherung beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten für psychologische Unterstützung.

Heilung nach einer toxischen Freundschaft

Das Ende einer Freundschaft kann traurig sein – selbst wenn es die richtige Entscheidung war. «Geben Sie sich Zeit, pflegen Sie unterstützende Beziehungen und richten Sie den Blick auf Menschen, die Ihnen guttun.» 

Häufig fällt der endgültige Entschluss erst, wenn eine persönliche Grenze überschritten wurde – etwa durch einen Vertrauensbruch oder weil die andere Person in einer schwierigen Situation nicht da war. «Solche Verletzungen lassen sich oft kaum wieder gutmachen», so Krüger. 

Wer eine toxische Freundschaft beendet, leidet oft ähnlich wie nach einer normalen Trennung und verarbeitet diese auch ähnlich: Zweifel gehören häufig dazu und auch die gemeinsame Zeit wird oft vermisst. «Deshalb muss die Entscheidung innerlich immer wieder bestätigt werden.»

Fazit: Soziale Kontakte sind wichtig – aber die richtigen

Freundschaften gehören zu einem gesunden Leben. Entscheidend ist jedoch ihre Qualität: Beziehungen, die Sicherheit, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung bieten, stärken langfristig die psychische und körperliche Gesundheit. Toxische Freundschaften bewirken das Gegenteil.

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