Krallen schneiden beim Hund – so geht's

Ein unachtsamer Moment, eine unerwartete Bewegung – und der Schnitt geht zu tief. Krallenschneiden gehört zur Hundepflege dazu – mit diesen Tipps klappt’s ohne Verletzungen.

Text: Katharina Rilling

Bilder: iStock

6 Min

21.07.2026

Ob beim Spaziergang auf Asphalt oder beim Toben im Hinterhof: Oft nutzen sich Hundekrallen im Alltag ganz von selbst ab. Doch nicht in jedem Fall genügt das.

Vor allem bei wenig Bewegung auf hartem Untergrund – etwa im Alter oder bei überwiegend weichem Terrain – können die Krallen zu lang werden und gesundheitliche Probleme verursachen. Umso wichtiger sind die richtige Pflege und das Wissen, wann und wie gekürzt werden sollte.

«Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Daumenkrallen», erklärt Tierärztin Sonja Hermann. «Da sie beim Gehen keinen Bodenkontakt haben, nutzen sie sich kaum ab und sollten regelmässig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, um ein Einwachsen zu vermeiden.»

Einige Rassen entwickeln an den Hinterbeinen besonders häufig zusätzliche Afterkrallen, die ebenfalls keinen Kontakt zum Boden haben. «Auch sie können einwachsen oder hängen bleiben – und so Verletzungen verursachen», sagt die Expertin.

«Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Daumenkrallen.»

Sonja Hermann, Tierärztin

Was passiert, wenn man Hunden die Krallen nicht schneidet?

Wenn die Krallen zu lang werden, kann das also einerseits dazu führen, dass die Krallen einwachsen, an Gegenständen hängenbleiben und das zu schmerzhaften Verletzungen an den Pfoten führt.  «Zudem können zu lange Krallen Fehlbelastungen der Pfoten verursachen, die Arthrose begünstigen», so Hermann.

Wie erkenne ich, ob die Krallen meines Hundes zu lang sind?

Wer sich nicht sicher ist, ob sein Vierbeiner eine Pediküre braucht, kann den einfachen «Parkett-Test» machen: Klicken die Krallen beim Laufen auf dem Boden, ist das ein Hinweis darauf, dass sie zu lang sind.

Auch das Gangbild gibt Aufschluss: Setzt der Hund die Pfoten vorsichtig auf oder läuft ungewohnt steif, kann dies ebenfalls darauf hindeuten. Mitunter spreizen sich die Zehen stärker, weil die Krallen den Boden berühren.

Anleitung: Wie schneide ich die Krallen beim Hund richtig?

Wer zu lange Krallen feststellt, sollte behutsam vorgehen. Entscheidend sind eine ruhige Umgebung, ein möglichst entspannter Hund und kleine, kontrollierte Schnitte.

  • Das passende Werkzeug

    Für das Kürzen der Krallen empfiehlt sich eine spezielle Krallenschere oder Krallenzange für Hunde. Diese ist stabiler als herkömmliche Scheren und verhindert ein Splittern der Kralle. Bei ängstlichen und zappeligen Hunden kann ein Krallenschleifer eine schonende Alternative sein.

    Für Anfänger oder bei kleinen Hunden eignen sich auch Krallenknipser. Scharfe Kanten lassen sich anschliessend mit einer Krallenfeile glätten. Wichtig ist, ausschliesslich scharfes und gut gepflegtes Werkzeug zu verwenden.

  • So gehen Sie beim Krallenkürzen vor

    • Hund vorbereiten/beruhigen: Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung und nehmen Sie sich Zeit. Streicheln Sie Ihren Hund und gewöhnen Sie ihn langsam daran, dass Sie seine Pfoten berühren. Viele Hunde entspannen sich, wenn sie zuvor einen Spaziergang hatten.
    • Position und Grifftechnik: Halten Sie die Pfote des Hundes ruhig, aber ohne Druck auszuüben. Am besten sitzen Sie neben oder leicht hinter dem Hund, sodass er sich sicher fühlt. Spreizen Sie die Zehen vorsichtig, damit Sie die Kralle gut sehen.
    • Helle vs. dunkle Krallen: Bei hellen Krallen ist das durchblutete Gewebe meist gut sichtbar und sollte keinesfalls verletzt werden. Bei dunklen Krallen ist dies deutlich schwieriger zu erkennen. Hier empfiehlt es sich, die Kralle schrittweise in sehr kleinen Abschnitten zu kürzen. Ein Blick auf die Schnittfläche kann helfen: Wird sie in der Mitte heller oder zeigt einen kleinen dunklen Punkt, sollte nicht weiter geschnitten werden. Auch ein Krallenschleifer kann in solchen Fällen Sicherheit geben.
    • Der Schnitt: Im Zweifel lieber mehrere kleine Schnitte machen, als einmal zu viel abzuschneiden. «Der richtige Winkel ist ebenfalls wichtig. Die Schnittfläche sollte leicht nach oben, also Richtung Ballen, zeigen», so die Tierärztin.
    • Krallenpflege nach dem Schneiden: Kontrollieren Sie die Krallen nach dem Kürzen und glätten Sie scharfe Kanten gegebenenfalls mit einer Feile oder einem Krallenschleifer.
    • Belohnung: Loben Sie Ihren Hund nach dem Schneiden und geben Sie ihm eine kleine Belohnung. So verbindet er die Krallenpflege mit etwas Positivem und macht beim nächsten Mal noch besser mit.
  • Hilfe, es blutet! Was muss ich tun?

    Trotz aller Vorsicht kann es beim Krallenschneiden zu einer Blutung kommen. In den allermeisten Fällen ist das jedoch gut in den Griff zu bekommen. «Die Blutung kann man mit sanftem Druck auf die Krallenspitze, etwa mit einem sauberen Wattepad, meist in wenigen Minuten stoppen», erklärt Tierärztin Sonja Hermann.

Spezialfälle der Krallenpflege

Einige Besonderheiten in der Krallenpflege erfordern allerdings besondere Aufmerksamkeit.

  • Wolfskralle beim Hund schneiden

    Hunde haben verschiedene Krallen. Die Daumenkralle an der Vorderpfote ist bei jedem Hund vorhanden und mit unserem Daumen vergleichbar. Die Afterkralle sitzt an der Hinterpfote und kommt nicht bei jedem Hund vor. Bei einigen Hunderassen tritt sie gehäuft auf und besitzt meist keine knöcherne Verbindung zur Pfote oder zum Bein.

    Der Begriff Wolfskralle wird sowohl für die Daumen- als auch für die Afterkralle verwendet und ist deshalb ungenau. Fest steht jedoch, dass sich diese Kralle meist nicht auf natürliche Weise abnutzt und deshalb schneller einwachsen kann.

    Kontrollieren Sie Daumen- und Afterkralle deshalb regelmässig und kürzen Sie sie vorsichtig.

  • Welpenkrallen schneiden

    Bei Welpen sind die Krallen meist noch weich und wachsen schnell. Gewöhnen Sie Ihren Kleinen früh spielerisch an die Pfotenpflege.

    Kürzen Sie die Krallen nur minimal und mit ruhiger Hand, damit der Welpe positive Erfahrungen mit der Pflege macht. Lob und kleine Belohnungen helfen dabei. 

Krallen schneiden beim Tierarzt

Wenn Krallen eingewachsen oder abgebrochen sind, ist ein Tierarztbesuch ratsam, weil dann unter Umständen weitere Behandlungen nötig sind. Auch wenn man sich unsicher fühlt, etwa bei dunklen Krallen, kann ein Tierarztbesuch sinnvoll sein.

«Man kann sich das Krallenschneiden beim Tierarzt auch einmal zeigen lassen», so Tierärztin Sonja Hermann. Fühle man sich sicher, könne man die Krallen dann auch gut selbst schneiden.

Was kostet das und was bezahlt die Tierversicherung?

Das Krallenschneiden beim Tierarzt kostet zwischen 15 und 25 Fr. Die gute Nachricht: Die Sanitas Tierversicherung übernimmt in der Versicherungsstufe Premium bis zu 100 Fr. pro Jahr für Prävention. Dazu gehört auch das Krallenschneiden.

Fazit: Regelmässige Kontrolle schützt vor Schmerzen

Gesunde Pfoten sind für Hunde entscheidend, um sich schmerzfrei bewegen zu können. Während sich die Krallen bei vielen Hunden durch Bewegung auf hartem Untergrund von selbst abnutzen, benötigen andere regelmässige Pflege.

Wer die Pfoten seines Hundes ab und an kontrolliert und zu lange Krallen rechtzeitig kürzt, kann Schmerzen, Fehlbelastungen, Verletzungen und Folgeerkrankungen vorbeugen.

Mit etwas Übung lässt sich das Krallenschneiden zum Glück gut selbst durchführen – und im Zweifel hilft der Tierarzt weiter. 

Über die Expertin

Dr. med. vet. Sonja Hermann ist Tierärztin und arbeitet seit Februar 2026 bei Sanitas in der Funktion als Spezialistin Leistungen Veterinärmedizin. Dort ist sie zuständig für die Abwicklung und Prüfung komplexer Leistungsfälle, die Koordination und Kommunikation mit externen Fachpartnern wie Tierarztpraxen und für die Qualitätssicherung und das Wissensmanagement innerhalb der Sanitas Tierversicherung.