ADHS bei Kindern & Erwachsenen: Symptome & Tipps

Egal in welchem Alter – mit dem richtigen Wissen können Sie ADHS bei sich und anderen erkennen und lernen, mit der Neurodivergenz umzugehen.

Text: Laurina Waltersperger

Bilder: Sanitas

12 Min

11.05.2026

Das Wichtigste auf einen Blick

  • ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlich betrifft.
  • Symptome und Ausprägungen variieren je nach Alter und Geschlecht, werden bei Frauen und Mädchen oft übersehen und gehen häufig mit weiteren psychischen und körperlichen Erkrankungen einher.
  • ADHS hat neben den Belastungen auch Stärken wie Kreativität, Flexibilität, hohe Energie und Hyperfokus, die in Therapie bewusst gefördert und genutzt werden sollen.
  • Ursachen liegen in einem Zusammenspiel von genetischen, neurobiologischen (v. a. Dopamin-Regulation) und umweltbedingten Faktoren.
  • Die Behandlung ist multimodal (Medikamente, Psychotherapie, Elterntrainings, Coaching, Achtsamkeit, Anpassung von Lebensstil und Schulbedingungen) und kann Betroffenen helfen, ihr Potenzial im Alltag besser zu nutzen.

Was ist ADHS?

Bei ADHS handelt es sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene betrifft und sich entlang von Aufmerksamkeitsproblemen, Impulsivität und Hyperaktivität zeigt. Dabei steht die Abkürzung ADHS für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung.

ADHS-Symptome bei Kindern und Erwachsenen

Die häufigsten Symptome von ADHS lassen sich in drei Kernbereiche unterteilen:

  • Unaufmerksamkeit: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, vergessen Dinge häufig, sind leicht abzulenken und haben Probleme mit der Organisation von Aufgaben.
  • Impulsivität: Betroffene handeln oft unüberlegt, unterbrechen andere, sie haben Schwierigkeiten, zu warten, und müssen in emotionalen Situationen oft schnell reagieren. 
  • Hyperaktivität: Viele Menschen mit ADHS haben einen übermässig hohen Bewegungsdrang, kennen innere Unruhe oder sind ständig am Zappeln. Letzteres äussert sich bei Erwachsenen oft als Getriebenheit.

Die Symptome variieren je nach Alter und Geschlecht und treten meist in mehreren Lebensbereichen auf.

  • Kinder & Jugendliche

    Die häufigsten Symptome von ADHS bei Kindern und Jugendlichen umfassen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese treten typischerweise vor dem 12. Lebensjahr auf und zeigen sich in Schule, Familie oder im Umgang mit Freunden.

    Symptome

    • Konzentrationsschwierigkeiten, schnell abgelenkt durch Geräusche oder Gedanken
    • Häufiges Vergessen von Dingen, Unordnung sowie Probleme bei der Organisation und Fertigstellung von Aufgaben
    • Gerade im Schulalltag von Lehrpersonen oft als «verträumt» wahrgenommen
    • Probleme beim Stillsitzen, gerade im Unterricht
    • Innere Unruhe
    • Unüberlegtes Handeln und risikoreiches Verhalten
    • Unterbrechen anderer, wenn diese sprechen
    • Antworten in den Raum rufen, ohne aufgefordert zu werden
    • Geringe Frusttoleranz mit Wutausbrüchen, leichter Reizbarkeit oder aggressivem Verhalten
    • Häufige emotionale Ausbrüche

    Symptome bei Mädchen

    Dass sich ADHS bei Jungen und Mädchen oft unterschiedlich äussert, wurde lange nicht genügend beachtet. Viele Mädchen wurden deshalb nicht richtig diagnostiziert.

    «Verträumtheit und Abwesenheit sowie emotionale Instabilität sind typische Merkmale bei Mädchen – viel mehr als Hyperaktivität», sagt Stephan Kupferschmid. Er ist leitender Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Privatklinik Meiringen.

    Symptome in der Pubertät

    Zudem verändern sich die Symptome bei Jugendlichen nach dem 12. Lebensjahr oft im Vergleich zum Kindesalter. Die Hyperaktivität nimmt ab, während Unaufmerksamkeit und Impulsivität bestehen bleiben oder sich anders zeigen:

    • Unaufmerksamkeit: Neben den Schwierigkeiten bei Organisation und Konzentration sowie der Vergesslichkeit kommt die Prokrastination dazu – also das ewige Aufschieben von Aufgaben.
    • Innere Unruhe: Die nach aussen sichtbare Hyperaktivität nimmt ab, stattdessen erleben betroffene Teenager vermehrt innere Unruhe, Getriebenheit, aber auch Antriebslosigkeit oder eine «Null-Bock-Einstellung».
    • Impulsivität: Das Risikoverhalten nimmt zu, das gilt auch für Stimmungsschwankungen, emotionale Dysregulation und Konflikte mit Autoritätspersonen oder Gleichaltrigen.

    Diese Merkmale verstärken sich durch den Pubertätsstress und treten in der Schule sowie in sozialen Beziehungen auf.

  • Frauen

    Auch im Erwachsenenalter unterscheiden sich die Symptome für ADHS häufig zwischen Männern und Frauen. «Bei erwachsenen Frauen zeigt sich ADHS oft unauffälliger als bei Männern, mit stärkerem Fokus auf innere Unruhe und emotionale Symptome anstatt äusserer Hyperaktivität», sagt Kupferschmid.

    Symptome

    • Starke Konzentrationsschwächen
    • Vergesslichkeit (z. B. verlegte Schlüssel, verpasste Termine)
    • Tagträumerei
    • Organisationsschwächen
    • Schwierigkeiten, Aufgaben zu Ende zu bringen
    • Stimmungsschwankungen
    • Hohe Reizbarkeit
    • Intensives Gefühlserleben 
    • Niedriges Selbstwertgefühl
    • Hypersensibilität gegenüber Kritik und Überforderung
    • Gedankliches Chaos, Gedankenkarussell
    • Reizüberflutung (z. B. durch Geräusche oder Licht)
    • Prokrastination 
    • Chronische Erschöpfung trotz innerer Getriebenheit

    Diese Symptome werden oft durch hormonelle Schwankungen (z. B. im Zyklus) verstärkt und bleiben bei Frauen häufiger unerkannt als bei Männern.

  • Männer

    Bei erwachsenen Männern äussert sich ADHS oft stärker durch äussere Symptome wie Hyperaktivität und Impulsivität im Vergleich zu Frauen.

    Symptome

    • Konzentrationsprobleme
    • Organisationsschwächen
    • Flüchtigkeitsfehler bei der Arbeit
    • Vergesslichkeit
    • Schwierigkeiten, Aufgaben zu Ende zu bringen
    • Innere Unruhe, Getriebenheit, Zappeln
    • Schwierigkeiten, stillzusitzen, und starker Rededrang
    • Unüberlegte Entscheidungen (z. B. spontane Käufe, riskantes Fahren)
    • Wutausbrüche
    • Unterbrechen anderer
    • Geringe Frustrationstoleranz 
    • Konflikte in Beziehungen oder Job

    Männer kompensieren oft durch Sport, zeigen aber ein höheres Risiko für Stress, Angst oder Depressionen als Frauen.

Häufige Begleiterscheinungen von ADHS

Die häufigsten Begleiterscheinungen (Komorbiditäten) von ADHS treten bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen auf «und beeinflussen den Alltag stark», sagt Stephan Kupferschmid. «Für eine ganzheitliche Behandlung ist es wichtig, die Begleiterscheinungen frühzeitig zu erkennen.»

  • Bei Kindern und Jugendlichen

    • Lernstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie
    • Verhaltensstörungen, Tics und oppositionelles Verhalten
    • Schlafstörungen sowie hohe Unfallrate durch Impulsivität
  • Bei Erwachsenen

    • Depressionen
    • Angststörungen
    • Bindungsstörungen
    • Suchterkrankungen
    • Essstörungen
    • Übergewicht
    • Körperliche Beschwerden wie Asthma, Migräne oder Restless-Legs-Syndrom

«Es kommt nicht selten vor, dass erst die Begleiterscheinungen wie etwa ein Burn-out, eine Angststörung oder eine Depression diagnostiziert werden – ohne dass die Fachperson dabei an Neurodivergenz, also ADHS, denkt», sagt Kupferschmid. 

ADHS Vorteile: das Positive schätzen lernen

ADHS wird zurecht oft mit Herausforderungen assoziiert – doch die neurodivergente Störung bringt auch zahlreiche Vorteile mit sich. In der Therapie gehe es wesentlich darum, diese Vorteile kennenzulernen, sagt Experte Kupferschmid.

«Wir setzen in der Therapie auf die Ressourcenaktivierung – das heisst, wir identifizieren die Stärken der betroffenen Person und schauen gemeinsam, wie sie diese nutzen kann.»

  • Kreativität und Denken

    Menschen mit ADHS denken oft nicht linear, sondern divergent. Damit sind ihre Gedanken vernetzter – das heisst, sie erzeugen mehr Assoziationen zu einem Begriff oder Thema. Zudem gehen sie Dinge anders an und haben oft einen grösseren Einfallsreichtum. So lösen sie Probleme innovativ und originell. 

  • Energie und Dynamik

    Menschen mit ADHS wirken oft sehr energiegeladen, weil ihr Gehirn aufgrund der Regulationsschwierigkeiten bei den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin unterstimuliert ist und daher ständig nach Stimulation sucht. Das führt zur Hyperaktivität, aber auch zu Hyperfokus-Phasen, Spontanität, Leidenschaft und Antrieb im Beruf, Sport oder der Kreativarbeit.

  • Flexibilität

    Wer ADHS hat, denkt divergenter und ist sich meistens auch Chaos im Kopf gewöhnt. Das hilft, besser mit Veränderungen klarzukommen.

ADHS: Ganz normal, aber anders

Musiker, Beatboxer und ADHS-Coach Miguel Camero spricht mit Frank Baumann über seine Diagnose und den Umgang mit Verhaltensschwierigkeiten. Dämonen, Aggressionen, Unruhe, Depressionen – wo liegt die Grenze zwischen ADHS und auffälligem Verhalten? Was lernt man als Betroffener im Gespräch mit anderen «ADHSlern» über sich selbst? Was sind Vor- und Nachteile von Ritalin? Und sollten Eltern von betroffenen Kindern strenger sein?

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Wie entsteht ADHS?

ADHS entsteht durch das Zusammenspiel genetischer, neurobiologischer und umweltbedingter Faktoren. 

  • Dopaminmangel

    Zum einen beeinflussen verschiedene Gene die Regulation der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Erbliche Gendefekte können diesen Mechanismus besonders im Gehirn stören.

    Das Ungleichgewicht des Botenstoffs Dopamin führt zu einem Dopaminmangel in verschiedenen Bereichen des Gehirns. Fehlt es im präfrontalen Kortex an Dopamin, stört das die Arbeit der dort ansässigen Nervenzellen, die für Planung, Impulskontrolle und Konzentration zuständig sind.

    Der Dopaminmangel macht sich auch in der Amygdala bemerkbar – dem Zentrum unserer Emotionen. Es kommt zu emotionalen Überreaktionen, Wut oder Frust. Und auch dem Belohnungszentrum im Gehirn fehlt es an Dopamin. Das reduziert die Motivation für langweilige Aufgaben und erhöht den Drang nach mehr Stimulation. 

  • Epigenetik

    Hinzu kommen Umwelteinflüsse vor und nach der Geburt – dazu zählen vor allem Rauchen, Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft sowie Geburstkompliaktionen.

    Auch frühkindliche Traumata (z.B. Missbrauch, Vernachlässigung, emotionale Instabilität) erhöhen das Risiko für ADHS signifikant. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich frühkindliche Traumata negativ auf die Reifung der Hirnstrukturen auswirken, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind.

    Wie die Wissenschaft vermutet, gibt es weitere Ursachen für die Entstehung von ADHS, die bisher noch unbekannt sind. Dabei steht das Zusammenspiel zwischen biologischen Grundlagen und der Lebenswelt eines Menschen im Zentrum der Forschung.

    «Wir sehen in verschiedenen Feldern der Wissenschaft, wie Umwelteinflüsse Gene an- oder ausschalten können und wie sich dies auf die Entstehung von Störungen im Körper auswirken kann. Diesen Zusammenhang müssen wir auch bei der Entstehung von ADHS genauer untersuchen», sagt Kupferschmid.

«Menschen mit einer neurodivergenten Störung haben individuelle Stärken.»

Stephan Kupferschmid, Chefarzt

Wie wird ADHS in der Schweiz diagnostiziert?

In der Schweiz erfolgt die ADHS-Diagnose standardisiert nach bestimmten Kriterien und umfasst mehrere Schritte, um Symptome seit der Kindheit, Beeinträchtigungen und Differenzialdiagnosen abzuklären.

  • Anamnese und Interview: ausführliches Gespräch zur Symptomatik, zur Kindheit, zu Lebensbereichen (Arbeit, Beziehungen) und zum Ausschluss körperlicher Ursachen (z. B. Hör-/Sehtests).
  • Fragebögen und Tests: standardisierte Skalen (z. B. für Aufmerksamkeit, Impulsivität), neuropsychologische Tests zur Konzentration/Impulskontrolle und oft Einbeziehung von Angehörigen.
  • Rückmeldung: abschliessende Besprechung der Diagnose und des Behandlungsplans.

«Für uns als Fachpersonen ist es wichtig, dass wir uns ein stimmiges Gesamtbild verschaffen können», sagt Kinder- und Jugendpsychiater Kupferschmid. Deswegen gehöre es ebenfalls dazu, neben der betroffenen Person immer auch die Eltern und die Lehrpersonen zu befragen (bei Kindern und Jugendlichen) sowie die Partnerin oder den Partner (bei Erwachsenen).

Die Diagnose stellen in der Regel Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Psycholog:innen mit Weiterbildung in Neuropsychologie, qualifizierte Hausärzt:innen oder Neuropädiater:innen.

Lange Wartezeiten: Was tun?

«Die Wartezeiten können mittlerweile bis zu einem Jahr dauern», sagt Kupferschmid. In der Pandemie sei die Nachfrage stark gestiegen – und seither halte sich diese auf hohem Niveau.

Er empfiehlt, diese Wartezeiten zu nutzen, um mehr über ADHS zu lernen und sich mit Selbsthilfegruppen in Verbindung zu setzen. Der Experte hofft, dass hier künftig Apps oder andere internetbasierte Anwendungen helfen können.

Behandlungsmöglichkeiten von ADHS

Bei ADHS setzen Fachpersonen auf eine multimodale Therapie: «Wir kombinieren verschiedene Ansätze je nach Alter, Symptomen und Lebenssituation», sagt Kupferschmid.

  • Medikamente: Stimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin, Concerta) oder Amphetamine (Elvanse) verbessern die Botenstoffbalance im Gehirn und lindern Kernsymptome.
  • Psychotherapie: Die kognitive Verhaltenstherapie kommt bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz. Sie trainiert Zeitmanagement, Organisationsfähigkeiten und Impulskontrolle, hilft, negative Denkmuster zu durchbrechen und Emotionen besser regulieren zu können.
  • Elterntrainings: Hier lernen Eltern, wie sie im Alltag besser mit ihrem Kind umgehen können, um es bestmöglich zu unterstützen.

Therapie vs. Medikamente

ADHS-Medikamente werden meist dann eingesetzt, wenn die Symptome den Alltag deutlich beeinträchtigen und andere Massnahmen allein nicht ausreichen. «Besonders sinnvoll sind sie bei starkem Leidensdruck, bei Problemen in Schule, Beruf, Familie oder Freizeit sowie bei dem Vorhandensein von zusätzlichen Begleiterscheinungen», sagt Kupferschmid.

Kostenübernahme: Was zahlt die Krankenkasse?

Die obligatorische Grundversicherung (OKP) übernimmt Kosten für ADHS-Behandlungen unter bestimmten Voraussetzungen.

  • Diagnostik und Abklärung: Neuropsychologische Tests und psychiatrische Abklärungen werden übernommen, wenn eine ärztliche Verordnung vorhanden ist.
  • Medikamente: Die Kosten werden bei Kindern ab 6 Jahren übernommen, sofern eine Diagnose durch Psychiater:in oder Pädiater:in besteht. Bei Erwachsenen werden die Kosten im Rahmen einer multimodalen Therapie übernommen – sofern sie ebenfalls eine Diagnose vorweisen, die belegt, dass die Symptome seit Kindesalter bestehen.
  • Therapie: Die Kosten für Psychotherapie und Verhaltenstherapie bezahlen die Kassen, wenn sie von zugelassenen Therapeut:innen durchgeführt wird. Stationäre Therapien oder Reha-Behandlungen können bei medizinischer Notwendigkeit übernommen werden. Hier lohnt es sich, dies vorher bei der Krankenversicherung abzuklären.

Leben mit ADHS: Weitere Unterstützungsmöglichkeiten

Neben der Kerntherapie helfen Betroffenen zahlreiche Massnahmen, ihren Alltag einfacher und strukturierter zu gestalten.

  • Coachings

    Unterstützen Betroffene vor allem beim Zeitmanagement und der Organisation im Alltag. Die Betroffenen lernen:

    • Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
    • Prioritäten setzen
    • Ablenkungsmuster erkennen 
    • Blockaden der Prokrastination überwinden
  • Achtsamkeitsbasierte Ansätze

    Achtsamkeitsmethoden helfen Betroffenen, ihre Emotionen besser zu regulieren und sich einfacher zu entspannen. 

    «Hierzu dienen insbesondere körperaktivierende Methoden wie zum Beispiel Yoga», sagt Experte Kupferschmid.

    Auch Atemübungen und progressive Muskelentspannung sind Ansätze, die Regulation und Ruhe fördern.

  • Lebensstil anpassen

    Eine ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf und Bewegung können die Symptome bei ADHS mildern, indem sie den Botenstoff Dopamin im Körper – besonders im Gehirn – auf natürliche Weise regulieren.

    • Omega-3-reiche Ernährung: Unterstützt die Hirnfunktionen und reduziert die ADHS-typische Impulsivität. 
    • Zucker und Koffein reduzieren: Verhindert starke Schwankungen des Dopaminlevels.
    • Schlaf: Halten Sie feste Schlafenszeiten ein und verzichten Sie mindestens eine Stunde vor der Bettruhe auf Handy, TV und Co.
    • Bewegung: Körperliche Aktivität sorgt für eine höhere Dopaminausschüttung und reduziert Stresshormone. 
  • Nachteilsausgleich in der Schule

    Bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS sorgt der Nachteilsausgleich an Schulen dafür, dass sie faire Lernbedingungen erhalten.

    Typischerweise erhalten Schüler:innen mit ADHS zum Beispiel mehr Zeit für Prüfungen, sie können an einem ruhigen Platz ausserhalb der Grossraumklasse arbeiten, erhalten Hilfsmittel wie Schreib- oder Lesehilfen oder ein Diktiergerät, dürfen am Computer schreiben, anstatt von Hand, oder können gewisse Prüfungen mündlich anstatt schriftlich ablegen.

ADHS bei Kindern: Tipps für Eltern

«Für Eltern sind Wissen über ADHS sowie gezielte Massnahmen im Alltag entscheidend im Umgang mit ihrem Kind», sagt Experte Kupferschmid.

  • Aktiv mit Lehrpersonen zusammenarbeiten

    Wenn Eltern die Lehrpersonen ihres Kindes aktiv einbeziehen, entsteht eine kooperative Erziehungspartnerschaft, die das Kind optimal fördert.

    So lernt es Verhaltensregeln in der Schule und zu Hause, die ihm Konsistenz und Verantwortung lehren und ihm aufzeigen, dass es mit seinen täglichen Herausforderungen nicht allein ist. 

  • Erfahrungen in Selbsthilfegruppen teilen

    In Selbsthilfegruppen lernen Eltern, welche Erziehungsfragen entscheidend sind und wie sie am besten mit der Schule zusammenarbeiten.

    Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern schafft zudem eine emotionale Entlastung – da sie sehen, dass sie mit den Problemstellungen nicht allein sind. 

    Weitere Infos gibt es bei der ADHS-Organisation elpos Schweiz sowie beim Verein ADHS/ADS Schweiz.

  • In Elterntrainings zu Expert:innen werden

    Hier handelt es sich um strukturierte Gruppenkurse für Eltern von Kindern mit ADHS, die praktische Erziehungsstrategien und Wissen über die Störung vermitteln.

    Eltern lernen im Detail die ADHS-Ursachen, Symptome und Auswirkungen auf Kind und Familie kennen. Sie erfahren, wie sie richtig mit ihrem Kind kommunizieren, wie sie besser mit Wutausbrüchen umgehen, richtig Grenzen setzen und konsequent sind.  

  • Klare Regeln und Routinen

    Legen Sie wenige, einfache Familienregeln fest und erarbeiten Sie diese gemeinsam – und setzen Sie diese konsequent um, mit Belohnungen anstatt Strafen.

    Führen Sie feste Tagesabläufe ein (z. B. visuelle Pläne mit Bildern), um Orientierung zu geben.

  • Bewegung und Entspannung

    Fördern Sie täglich viel Bewegung durch Sport und Spiel. Unternehmen Sie Outdoor-Aktivitäten wie Velofahren, Spazieren, Ballspiel oder Trampolin.

    Mannschaftssport hilft den Kindern, Regeln und Teamfähigkeit zu lernen. Einzelsportarten wie Judo oder Turnen unterstützen die Regulation und Toleranz, wenn Frustration aufkommt.

    Achten Sie darauf, dass Ihr Kind zur Ruhe kommt. Hier helfen feste Ruhezeiten, Massagen, Kinder-Yoga, Entspannungsmusik oder  sensorische Beruhigung wie Malen oder Kneten. 

  • Positive Interaktion

    Loben Sie gezielt kleine Erfolge und Stärken, damit Ihr Kind mehr Selbstvertrauen aufbauen kann. Vermeiden Sie ständige Ermahnungen.

    Achten Sie auf frühzeitige Überforderungssignale, damit Sie handeln können, bevor es zum Knall kommt (z. B. frühzeitig eine Pause einlegen).

Fazit: ADHS als Chance

ADHS ist trotz Herausforderungen für die Betroffenen auch eine Chance: «Menschen mit einer neurodivergenten Störung haben individuelle Stärken, die sie bewusst nutzen können», sagt Kupferschmid. 

Wer auf diese Ressourcen wie Kreativität, unkonventionelle Problemlösungen, Spontanität und schnelle Anpassungsfähigkeit fokussiert, der kann sie positiv in seinem Alltag nutzen. Viele Unternehmen schätzen diese Eigenschaften heute als Ressource.

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