Studie zu Stress bei Schweizerinnen und Schweizern

Stress ist Alltag in der Schweiz: Laut Sanitas Health Forecast 2025 leiden vor allem Frauen und jüngere Menschen unter Schlafproblemen, Reizbarkeit und Erschöpfung.

Text: Philippe Knupp

5 Min

23.02.2026

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Jede vierte Person fühlt sich in der Schweiz gestresst.

  • Ein Drittel nutzt Zeitmanagement und Priorisierung, um Belastungen zu reduzieren.

  • Jüngere Personen und Frauen fühlen sich besonders häufig gestresst.

  • Häufig genannte Symptome sind Schlafprobleme, Reizbarkeit und Erschöpfung.

  • 32 % geben an, heute mehr Stress zu haben als vor fünf Jahren.

 

Jede vierte Person in der Schweiz fühlt sich gestresst

Insgesamt präsentiert sich Stress als weit verbreitete gesundheitliche Herausforderung in der Schweiz.

  • Jede vierte Person (25 %) fühlt sich häufig oder sehr häufig gestresst.
  • Frauen und jüngere Altersgruppen sind überdurchschnittlich betroffen sind.
  • Personen mit Kindern sind weniger gestresst als Kinderlose. 

40 % der unter 30-Jährigen erleben häufig Stress, während sich ältere Generationen aufgrund ihrer Lebenserfahrung weniger häufig gestresst fühlen; auch Personen mit Kindern berichten seltener von Stress (34 %) als Kinderlose (22 %). Besonders in der italienischsprachigen Schweiz ist das Stressniveau erhöht (38 % vs. 23 % in der Deutschschweiz).

Grafik zu Stresshäufigkeit: Frauen 29 %, Männer 22 %; 18–29 Jahre 40 %, 60–79 Jahre 6 %; Personen ohne Kinder 31 %, mit Kindern 19 % fühlen sich gestresst.

Jeder Dritte empfindet heute mehr Stress als früher

32 % der Befragten empfinden heute mehr Stress als vor fünf Jahren, insbesondere Personen unter 45 Jahren (57 % der 18- bis 29-Jährigen) – das sind in beiden Fällen mehr als jene, die behaupten, im Vergleich zu früher weniger häufig Stress zu empfinden.

Negative Gedanken und Selbstzweifel belasten die Schweiz am meisten

Gefragt nach den wichtigsten Stressauslösern – den sogenannten Stressoren – zeigt sich ein klares Bild: An vorderster Stelle stehen psychologische Faktoren. Negative Gedanken, Selbstzweifel oder Existenzängste bilden für ein Viertel der Befragten (25 %) die grösste Belastung, wobei dieses Phänomen besonders die jüngere Generation betrifft. Dicht darauf folgen arbeitsbezogene Stressoren:

  • Überlastung und Zeitdruck am Arbeitsplatz fordern jeden Fünften (20 %) heraus.

  • Dabei gibt es regionale Unterschiede: Wirtschaftliche Sorgen wiegen im Tessin und in der Westschweiz deutlich schwerer als in der Deutschschweiz.

Blickt man auf konkrete Alltagsthemen, kristallisieren sich drei Haupttreiber heraus, die rund 30 % der Menschen beschäftigen: die stetig steigenden Gesundheits- und Konsumkosten, Konflikte in der Partnerschaft sowie die zunehmende digitale Überlastung.

Überraschende Unterschiede zwischen den Generationen

Interessante Kontraste ergeben sich beim Blick auf gesellschaftliche Krisen. Entgegen der häufigen Annahme stresst die Klimakrise die ältere Generation stärker als die jüngere: Während 32 % der 60- bis 74-Jährigen hier eine hohe Belastung spüren, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen 28 %. Auch geopolitische Spannungen hinterlassen Spuren: Kriegskonflikte lösen mit 43 % besonders bei den älteren Generationen tiefe Sorgen aus.

Stress belastet Körper und Psyche – Schlaf am stärksten betroffen

Rund die Hälfte der Befragten (45 %) spürt deutliche körperliche Folgen von Stress. Betroffen sind vor allem Frauen (50 %) und jüngere Menschen. Besonders häufig leiden emotional belastete Personen (50 %) und jene, die sich dem Stress ausgeliefert fühlen (62 %).

Am stärksten wirkt sich Stress auf den Schlaf aus: 62 % schlafen schlechter. Weitere Beschwerden sind Muskelverspannungen (40 %), Kopf­schmerzen (40 %), veränderter Appetit (38 %) und Magen-Darm-Probleme (37 %). Besonders Frauen und 30- bis 59-Jährige sind davon betroffen.

Auch psychisch hat Stress Folgen: 57 % fühlen sich gereizt, 40 % emotional erschöpft und 39 % haben Konzentrationsprobleme. Bei 29 % nehmen zudem Ängste und Sorgen zu.

Grafik: Stress hinterlässt gesundheitliche Spuren – 62 % Schlafstörungen, 40 % Muskelverspannungen, 40 % Kopfschmerzen/Migräne, 38 % veränderter Appetit.

Nur 41 % handeln sofort: Selbstdruck und Gewohnheit bremsen Stressbewältigung

41 % der Befragten kümmern sich sofort um Stressbewältigung, während 46 % erst reagieren, wenn Stress die Gesundheit oder das Wohlbefinden beeinträchtigt. Besonders jüngere und mittlere Altersgruppen neigen zu späteren Reaktionen. 13 % ergreifen keine Massnahmen gegen Stress.

Hinderungsgründe:

  • Selbst auferlegter Druck: 46 %
  • Stress wird zur Gewohnheit: 22 %
  • Gesundheitliche Warnsignale werden ignoriert: 20 %

Jüngere Befragte nennen diese Gründe deutlich häufiger als ältere.

Grafik: Viele handeln erst, wenn der Körper Alarm schlägt – 46 % handeln erst bei Beeinträchtigung von Gesundheit oder Wohlbefinden, 41 % reagieren sofort und kümmern sich aktiv um Stressbewältigung, 13 % unternehmen in der Regel nichts gegen Stress.

Was tun Schweizerinnen und Schweizer gegen Stress?

Die wichtigsten präventiven Strategien, damit Stress gar nicht erst auftritt, sind ausreichend Schlaf (69 %), regelmässige Bewegung (52 %) und das Setzen von Grenzen (51 %) – oder mit anderen Worten: auch mal Nein sagen können. Problemlöser setzen stärker auf Zeitmanagement und realistische Zielsetzung, während emotionale Stressbewältigungstypen mehr Wert auf Achtsamkeit und Entspannungstechniken legen.

Schweizer handeln unter Stress lösungsorientiert

Schweizerinnen und Schweizer gehen Stress bevorzugt rational an. Ein Drittel (33 %) setzt auf problemlösungsorientierte Ansätze wie Zeitmanagement oder Priorisierung, um Stress zu minimieren. 30 Prozent versuchen, stressige Situationen aktiv zu vermeiden – insbesondere ältere Personen ab 60 Jahren. Nur 12 Prozent der Befragten fühlen sich dem Stress ausgeliefert und wähnen sich noch auf der Suche nach für sie geeigneten Massnahmen zur Stressbewältigung. Besonders Jüngere unter 30 Jahren (19 %) tun sich schwer, wirksame Strategien zu finden.

Methodik

Die Ergebnisse basieren auf einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Befragung von rund 2’500 Personen zwischen 18 und 74 Jahren in der Deutschschweiz, Romandie und italienischsprachigen Schweiz. Die Studie wurde im Auftrag von Sanitas von intervista AG Ende 2024 in zwei Erhebungswellen durchgeführt.

Informationen zum Autor

Philipp Knupp ist im Redaktionsteam des Sanitas Health Forecast für die jährliche Studie zur Gesundheit der Zukunft verantwortlich.

Podcast Empfehlungen

Abonnieren Sie den Podcast auf Ihrer Lieblingsplattform: 
Spotify | Apple Podcasts | YouTube