Sind Generika genauso gut wie das Original?
Original oder Generikum – für viele wirkt die Wahl wie eine Frage der Qualität. Dabei enthalten Generika denselben Wirkstoff, sind geprüft und meist deutlich günstiger.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Generikum muss die gleichen Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit erfüllen wie das Original.
- Generika sind meist günstiger, weil sie die chemische oder biologische Bauweise eines bereits bekannten Wirkstoffs nachahmen.
- Bei der Wahl zwischen Original oder Generikum ist entscheidend, dass das Präparat optimal auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist. Dazu ist oft auch die Zusammensetzung der Hilfsstoffe wichtig.
Was sind Generika?
Generika sind Medikamente, die nach dem Vorbild eines bereits bekannten Arzneimittels hergestellt werden. Sie enthalten denselben Wirkstoff in derselben Dosierung wie das ursprüngliche Präparat und wirken im Körper grundsätzlich gleich.
«Ein Generikum muss die gleichen Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit erfüllen wie das Original», sagt Jérôme Bonzon. Der Leitende Oberarzt ist stellvertretender Direktor der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsspital Zürich.
Was ist der Unterschied zwischen Generika und Original?
Originalmedikamente sind die Arzneimittel, die zuerst mit einem neuen Wirkstoff auf den Markt kommen. Das Herstellerunternehmen hat den Wirkstoff entwickelt, in klinischen Studien getestet und die Zulassung bei den Behörden eingeholt.
Das Medikament ist ab dem Tag der Patentanmeldung üblicherweise 20 Jahre geschützt. Dieser Patentschutz soll dazu dienen, die Kosten für Entwicklung wieder einzuspielen – und exklusiv Gewinn mit der Arznei erzielen zu können. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 des Beratungsunternehmens Deloitte betragen die Kosten bis zur Markteinführung durchschnittlich 2,23 Milliarden Dollar pro Medikament.
Läuft dieser Schutz ab, dürfen andere Hersteller Medikamente mit demselben Wirkstoff anbieten. Diese Nachfolgepräparate heissen Generika.
Die Generika können anders aussehen als das Originalpräparat. Auch Name, Farbe, Form, Verpackung und bestimmte Hilfsstoffe für die Formulierung – etwa Füll- oder Farbstoffe – können sich unterscheiden. Der medizinisch wirksame Bestandteil bleibt jedoch derselbe.
«Für Menschen mit Allergien oder Unverträglichkeiten ist ein Blick auf die Hilfsstoffe wichtig», sagt Bonzon. Ein Beispiel ist das häufig eingesetzte Schmerzmittel Ibuprofen: Die Tabletten des Originalpräparats enthalten Laktose, während die Tabletten von verschiedenen Generikaherstellern mit demselben Wirkstoff laktosefrei sind.
Ein weiteres Beispiel ist das Antibiotikum Metronidazol, das gegen Infektionen mit bestimmten Bakterien im Bauch- und Beckenbereich eingesetzt wird. Das Originalpräparat enthält Gluten, das Generikum ist glutenfrei.
Doch: «Nicht immer muss das Originalpräparat potenziell allergene Stoffe enthalten und das Generikum nicht, es kann auch umgekehrt sein oder auch unter den unterschiedlichen Generika für einen gleichen Wirkstoff variieren», sagt Bonzon.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wirkstoff: Generikum und Original enthalten denselben medizinischen Wirkstoff.
- Wirkung: Ein Generikum muss vergleichbar wirken und wird vor der Zulassung geprüft.
- Preis: Generika sind oft günstiger, weil der Wirkstoff nicht neu entwickelt werden musste.
- Aussehen und Hilfsstoffe: Farbe, Form, Name, Verpackung oder einzelne Zusatzstoffe können unterschiedlich sein.
Wirken Generika genau gleich wie Originalmedikamente?
Für die Zulassung muss ein Generikum seine Bioäquivalenz nachweisen. Das heisst, der Wirkstoff muss nach der Einnahme in vergleichbarer Menge und Geschwindigkeit ins Blut gelangen wie beim Original.
Bei besonders empfindlichen Wirkstoffen gelten strengere Richtlinien. Hier handelt es sich um Substanzen, bei denen schon kleine Unterschiede der Wirkstoffmenge im Blut dazu führen können, dass ein Medikament zu wenig wirkt oder stärkere Nebenwirkungen verursacht.
Zu solchen Arzneien gehören etwa Immunsuppressiva nach einer Organtransplantation, gewisse Blutverdünner oder Präparate zur Behandlung von Schilddrüsenunterfunktion oder Epilepsie.
Warum sind Generika günstiger als das Original?
Generika sind meist günstiger, weil sie die chemische oder biologische Bauweise eines bereits bekannten Wirkstoffs nachahmen. Das Originalmedikament wurde zuerst entwickelt. Dafür waren lange Forschung, umfangreiche Studien und eine aufwendige Markteinführung nötig.
«Diese Kosten fallen beim Generikum nicht an, da für deren Zulassung im Rahmen von klinischen Studien lediglich der Nachweis der Bioäquivalenz erforderlich ist», sagt Bonzon. Der Grund dafür: Die Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs selbst wurden bereits im Rahmen der Entwicklung und Zulassung des Originalpräparats belegt.
Was bezahlt die Krankenkasse?
Die Grundversicherung übernimmt Generika grundsätzlich, wenn sie auf der Spezialitätenliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) stehen. Dort sind die erstatteten Arzneimittel und deren Höchstpreise aufgeführt.
Zuerst bezahlen Versicherte ihre gewählte Franchise selbst. Danach übernimmt die Krankenkasse in der Regel 90 Prozent der Kosten. Die versicherte Person trägt weiterhin einen Selbstbehalt von 10 Prozent, bis 700 Franken pro Jahr.
Seit 2024 beträgt der Selbstbehalt jedoch bei einigen vergleichsweise teuren Arzneimitteln 40 Prozent. Das betrifft vor allem teure Originalpräparate; darunter fallen chemisch hergestellte Arzneien sowie Biologika (biologische Antikörperpräparate). In einzelnen Fällen sind auch wenige teure Generika betroffen.
Diese Änderung soll einen Anreiz schaffen, dass Patient:innen und Ärzt:innen die gleichwertige, jedoch günstigere Variante eines Wirkstoffs wählen.
«Das ist grundsätzlich gut – jedoch sind auch ein paar heikle Medikamente vom 40-Prozent-Selbstbehalt betroffen», sagt Pharmakologe Bonzon. So etwa das Immunsuppressivum Tacrolimus, das nach Organtransplantationen eingesetzt wird.
«Aus medizinischer Sicht ist es heikel, dass das Originalpräparat vom erhöhten Selbstbehalt betroffen ist, weil bereits kleine Unterschiede in der Aufnahme des Wirkstoffs dazu führen können, dass der Effekt zu schwach oder die unerwünschten Arzneimittelwirkungen zu stark ausfallen», sagt Bonzon.
Deshalb werden Transplantationspatient:innen sorgfältig auf ein bestimmtes Präparat eingestellt und regelmässig mittels Blutspiegelkontrollen überwacht.
«Ein Wechsel des Präparats aus Kostengründen macht zusätzliche Kontrollen erforderlich. Wenn der Wechsel unbegleitet erfolgt, birgt es zudem ein hohes Risiko der Unter- oder Überdosierungen», sagt Bonzon. Aus medizinischer Sicht stünden daher die Therapiesicherheit und die Stabilität der Einstellung im Vordergrund.
Kann ich ein Generikum bei Ärzt:innen einfordern?
In der Schweiz können Patient:innen beim Arztbesuch den Wunsch nach einem Generikum äussern. Die behandelnde Fachperson prüft dann, ob ein geeignetes Generikum verfügbar und medizinisch passend ist.
Auch in der Apotheke kann man nach einer günstigeren Alternative fragen. Apotheker:innen dürfen ein ärztlich verordnetes Originalpräparat in vielen Fällen durch ein Generikum ersetzen.
Als Ausnahme gelten Fälle, bei denen die Ärzt:in das Originalpräparat oder aber auch ein bestimmtes Generikum aus medizinischen Gründen ausdrücklich verordnet und dies auf dem Rezept vermerkt.
Kurz gesagt: Nach einem Generikum zu fragen, ist sinnvoll – entscheiden sollte man aber zusammen mit einer medizinischen Fachperson.
Was sollte man bei einem Wechsel vom Originalmedikament auf ein Generikum beachten?
Ein Wechsel ist in vielen Fällen problemlos möglich: Generikum und Original enthalten denselben Wirkstoff und dieselbe Dosierung. Trotzdem sollten Sie einen Wechsel bei einer laufenden Behandlung mit der Ärztin oder dem Apotheker besprechen.
Prüfen Sie zudem die Packungsbeilage: Generika können andere Hilfsstoffe enthalten, zum Beispiel Farb- oder Füllstoffe. Das kann bei bekannten Allergien oder Unverträglichkeiten relevant sein.
«Besondere Vorsicht ist bei Medikamenten nötig, bei denen ein gleichmässiger Wirkstoffspiegel besonders wichtig ist – etwa bei bestimmten Mitteln gegen Epilepsie, nach Organtransplantationen, bei Hormonpräparaten oder Psychopharmaka», sagt Bonzon. Hier sollte die Behandlung eng fachlich begleitet sein.
Nach dem Wechsel gilt: Achten Sie auf Wirkung und mögliche neue Beschwerden und teilen Sie Auffälligkeiten zeitnah der Arztpraxis oder Apotheke mit. Stellen Sie zudem nicht mehrere Medikamente gleichzeitig um – sondern eines nach dem anderen.
Warum sind Generika in der Schweiz noch nicht so weit verbreitet?
Generika werden in der Schweiz zwar zunehmend eingesetzt, im internationalen Vergleich kommen sie aber noch weniger häufig zum Einsatz als in vielen anderen Ländern.
Im internationalen Vergleich ist der Generikaanteil in der Schweiz weiterhin niedrig: Gemessen am gesamten Arzneimittelmarkt nach Menge entfielen 2024 in der Schweiz 25 Prozent auf Generika – im OECD-Durchschnitt waren es 56 Prozent. Das hält die OECD in ihrer jüngsten Studie fest.
In Ländern wie Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden machten Generika mehr als 75 Prozent des Arzneimittelvolumens aus.
Ein wesentlicher Grund für die Schweizer Situation sind finanzielle Anreize: Lange übernahm die Grundversicherung auch teurere Originalpräparate weitgehend. Für Patient:innen war der Preisunterschied dadurch oft wenig spürbar. Seit 2024 gilt bei bestimmten deutlich teureren Arzneimitteln nun jedoch ein Selbstbehalt von 40 Prozent. Das soll günstigere Generika fördern.
Die Generikaquote in der Schweiz habe verschiedene Ursachen und lasse sich nicht allein durch das Verschreibungsverhalten erklären, sagt Bonzon. «Entscheidend ist, dass bei der Wahl eines Präparats stets die medizinischen Bedürfnisse der Patient:innen im Vordergrund stehen; dabei aber die Wirtschaftlichkeit ebenfalls angemessen berücksichtigt wird.»
Vor- und Nachteile eines Generikums im Überblick
Generika sind in den meisten Fällen eine wirksame und günstigere Alternative. Bei Unverträglichkeiten oder speziellen Therapien ist eine fachliche Beratung sinnvoll.
Vorteile
- Generika enthalten denselben Wirkstoff wie das Originalmedikament und müssen vergleichbar wirken.
- Sie sind meist günstiger. Das kann Kosten für Versicherte und das Gesundheitssystem senken.
- In der Schweiz werden sie wie Originalpräparate von der Zulassungsstelle Swissmedic geprüft und zugelassen.
Nachteile
- Name, Farbe, Form oder Verpackung können sich unterscheiden. Das kann vor allem bei mehreren Medikamenten zu Verwechslungen führen.
- Bei empfindlichen oder komplexen Behandlungen sollte ein Wechsel mit der behandelnden Ärztin oder einem Apotheker besprochen werden.
Fazit
Generika bieten die gleiche Qualität wie Originalpräparate – oft zu deutlich tieferen Preisen. Ihr Einsatz senkt die Medikamentenkosten der Grundversicherung, bremst damit den Kostendruck im Gesundheitswesen und kann den Anstieg der Krankenkassenprämien dämpfen.
Das schafft finanziellen Spielraum für neue, hochpreisige Therapien etwa gegen Krebs oder seltene Krankheiten, für die noch keine günstigeren Alternativen existieren. Mit den Massnahmen des BAG zur Förderung der Generika und Biosimilars rechnet das Bundesamt künftig mit einem jährlichen Einsparpotenzial von bis zu 250 Millionen Franken.