Demenz vorbeugen: Anzeichen & konkrete Tipps

Jede dritte Familie in der Schweiz ist direkt oder indirekt von Demenz betroffen. Heilen lässt sich die Erkrankung nicht, trotzdem ist die Früherkennung wichtig.

Text: Nicole Krättli

Bilder: iStock

10 Min

04.05.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Demenz entwickelt sich oft schleichend und bleibt lange unbemerkt. Erste Veränderungen sind meist unspezifisch. 
  • In der Schweiz sind über 161’000 Menschen von Demenz betroffen, jährlich kommen rund 35’000 neue Fälle hinzu. Tendenz steigend.
  • Nicht jede Vergesslichkeit ist Demenz. Entscheidend ist, ob die Symptome zunehmen und den Alltag beeinträchtigen.
  • Eine Demenz entsteht durch verschiedene Prozesse im Gehirn, zum Beispiel den Abbau von Nervenzellen oder Durchblutungsstörungen. 
  • Ein gesunder Lebensstil kann das Demenzrisiko deutlich senken und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Symptome: Was sind die ersten Anzeichen von Demenz?

Viele Menschen vergessen im Alltag gelegentlich etwas. Einen Namen, einen Termin oder den Schlüssel. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, ob sich diese Veränderungen häufen, den Alltag beeinträchtigen und über längere Zeit bestehen bleiben.

  • Gedächtnisprobleme

    Menschen mit beginnender Demenz haben Schwierigkeiten, sich neue Informationen zu merken. Sie vergessen Termine oder Gespräche und erinnern sich nicht mehr an kürzlich Erlebtes. Im Alltag zeigen sie etwa eine starke Abhängigkeit von Notizen oder externer Hilfe.

  • Schwierigkeiten beim Planen

    Die Konzentration fällt zunehmend schwer, Abläufe lassen sich nicht mehr gut strukturieren. Aufgaben, die früher selbstverständlich waren, benötigen plötzlich deutlich mehr Zeit. Probleme treten beispielsweise beim Kochen nach Rezept oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.

  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten

    Alltägliche Routinen stellen eine Herausforderung dar. Betroffene vergessen Regeln bekannter Spiele oder wissen nicht mehr, wie sie bestimmte Geräte bedienen. Auch einfache Aufgaben im Haushalt oder Beruf gelingen nicht mehr wie gewohnt.

  • Orientierungsprobleme

    Zeitliche und räumliche Orientierung gehen verloren. Betroffene wissen plötzlich nicht mehr, welches Jahr oder welche Jahreszeit gerade ist. Selbst in vertrauter Umgebung können sie sich verirren oder den Heimweg nicht mehr finden.

  • Wahrnehmungsstörungen

    Das Gehirn verarbeitet visuelle Eindrücke verändert. Farben, Kontraste oder räumliche Dimensionen werden schlechter erkannt. Dies kann dazu führen, dass bekannte Gesichter nicht mehr eindeutig zugeordnet werden.

  • Sprachprobleme

    Gespräche zu führen, wird zunehmend schwieriger. Betroffene verlieren den Faden, suchen nach Worten oder verwenden unpassende Begriffe. Oft wiederholen sie sich oder brechen Sätze ab, weil ihnen das passende Wort fehlt.

  • Gegenstände verlegen

    Dinge werden häufig an ungewöhnlichen Orten abgelegt. Betroffene können nicht mehr nachvollziehen, wo sie etwas hingelegt haben, was Situationen schafft, die für das Umfeld schwer erklärbar sind.

  • Eingeschränktes Urteilsvermögen

    Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, verändert sich. Betroffene wählen unpassende Kleidung oder gehen unvorsichtig mit Geld um. Auch Körperpflege oder der Umgang mit alltäglichen Situationen können sich deutlich verändern.

  • Rückzug aus dem sozialen Leben

    Viele verlieren die Motivation für Aktivitäten, die ihnen früher Freude bereitet haben. Sie ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück und wirken passiver. Dahinter steht häufig auch eine Verunsicherung durch die eigenen Veränderungen.

  • Veränderungen der Persönlichkeit

    Stimmung und Verhalten können sich deutlich verändern. Betroffene reagieren gereizt, ängstlich oder misstrauisch, oft ohne erkennbaren Anlass. Auch ausgeprägte Persönlichkeitsveränderungen sind möglich.

Normale Vergesslichkeit oder Demenz?

Gelegentliches Vergessen gehört zum Älterwerden dazu. Der Unterschied liegt im Ausmass und in der Konsequenz: Wer gelegentlich einen Namen vergisst und sich später wieder daran erinnert, zeigt meist normale Altersveränderungen.

Bei Demenz hingegen gehen Informationen dauerhaft verloren und die Schwierigkeiten greifen zunehmend in den Alltag ein: Gespräche werden schwer verständlich, vertraute Orte wirken fremd und einfache Abläufe geraten durcheinander. 

Diese Risikofaktoren begünstigen Alzheimer

Was kann ich vorbeugend gegen Demenz tun?

Auch wenn sich Demenz nicht mit Sicherheit verhindern lässt, kann man das Risiko beeinflussen. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommt in ihrem aktuellen Bericht zu Demenzprävention zum Schluss, dass fast die Hälfte aller Demenzfälle theoretisch vermeidbar oder zumindest verzögerbar wäre, wenn beeinflussbare Risikofaktoren konsequent reduziert würden.

Dr. Michael Röthlisberger, Geschäftsführer der Demenz Forschung Schweiz – Stiftung Synapsis, ordnet ein: «Man kann sich vollständig an die Empfehlungen halten und dennoch eine Demenz entwickeln. Eine Garantie gibt es leider nicht. Mit der richtigen Prävention lässt sich das Risiko aber deutlich reduzieren.»

  • Ernährung

    Was den Gefässen schadet, belastet oft auch das Gehirn. Darum spielt eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle.

  • Bewegung

    Entscheidend ist nicht sportliche Perfektion, sondern regelmässige körperliche Aktivität. Sie gehört gemäss Lancet-Bericht zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren für ein tieferes Demenzrisiko.

  • Gedächtnistraining

    Das Gehirn profitiert von Stimulation. Ob lesen, musizieren, tanzen, eine Sprache lernen oder etwas Neues ausprobieren. Wichtig ist weniger die genaue Methode als die geistige Herausforderung. «Es geht darum, das Hirn zu fördern und es aktiv zu halten», sagt Röthlisberger.

  • Soziale Kontakte

    Auch soziale Aktivität schützt das Gehirn. Der Lancet-Bericht zählt soziale Isolation zu den beeinflussbaren Risikofaktoren. Wer im Austausch mit anderen bleibt, fordert sein Gehirn durch Gespräche, Reaktionen, Erinnern und Orientierung.

  • Hörverlust ernst nehmen

    «Ein oft unterschätzter Risikofaktor für Demenz ist ein geschwächtes Gehör oder Hörverlust», sagt Röthlisberger. Eine mögliche Erklärung: Ist das Gehirn weniger Reizen ausgesetzt, wird es weniger stimuliert.

  • Sehen nicht vernachlässigen

    Neu nennt der Lancet-Bericht auch unbehandelten Sehverlust als Risikofaktor. Wer schlechter sieht, nimmt weniger visuelle Reize auf und zieht sich womöglich eher aus einem sozialen, aktiven Alltag zurück. Prävention heisst deshalb auch, Sehprobleme ernst zu nehmen und behandeln zu lassen.

  • Rauchen und Alkohol

    Nichtrauchen gehört zu den am besten belegten Schutzfaktoren. Auch hoher Alkoholkonsum erhöht das Risiko auf Demenz und sollte möglichst reduziert werden.

  • Blutdruck, Cholesterin und Gewicht im Blick behalten

    Viele Risikofaktoren wirken über die Gefässe. Gemäss Lancet-Bericht zählen dazu insbesondere Bluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Übergewicht und Diabetes. Prävention beginnt daher häufig bei der Kontrolle klassischer Gesundheitswerte.

  • Kopfverletzungen als Risiko

    Ein Schädel-Hirn-Trauma erhöht das Demenzrisiko. Schutzmassnahmen wie ein Velohelm oder passende Schutzausrüstung beim Sport sind deshalb mehr als reine Unfallprävention.

    Das wirksamste Programm ist meist nicht das perfekte, sondern das, das sich dauerhaft in den Alltag integrieren lässt. Experte Röthlisberger erklärt: «Jeder sollte dort ansetzen, wo es ihm auch tatsächlich möglich ist, einen nachhaltigen Effekt zu erzielen.» Wer Rätsel hasst, muss keine Sudoku-Karriere starten. Auch Singen, Tanzen, Wandern oder ein Kochkurs können das Gehirn fordern. 

Ab welchem Alter soll ich mit Demenzprävention starten?

Die kurze Antwort lautet: möglichst früh. Der aktuelle Lancet-Bericht empfiehlt, Risikofaktoren früh zu senken und über das ganze Leben tief zu halten. 

Röthlisberger erklärt, dass die Forschung bisher nicht genau versteht, wann eine Demenz biologisch beginnt. Bei Alzheimer zeigen sich Veränderungen im Körper oft schon viele Jahre, bevor im Alltag erste Symptome auffallen. Umso sinnvoller ist es, präventive Gewohnheiten nicht erst mit 60 zu beginnen.

Gleichzeitig gilt: Es ist nie zu früh, aber auch nie zu spät. Der Lancet-Bericht betont ausdrücklich, dass Risikoreduktion in jeder Lebensphase etwas bringen kann. Röthlisberger ergänzt, dass präventive Massnahmen selbst bei Menschen mit einer frühen Form kognitiver Beeinträchtigung noch helfen können, den Verlauf zu stabilisieren oder zu verlangsamen.

Die Früherkennung durch neue Bluttests erweitert zwar die Möglichkeiten der Medizin, doch Röthlisberger bremst die Erwartung, dass deshalb nun alle möglichst früh getestet werden sollten. Noch sei offen, bei wem solche Tests wann sinnvoll sind und was man mit diesem Wissen konkret anfangen kann.

Denn ein erhöhtes Risiko zu kennen, ist nicht automatisch eine Entlastung. «Es ist auch eine persönliche und grundsätzliche Frage: Ab wann möchte man wissen, dass man einem erhöhten Risiko einer bestimmten Krankheit ausgesetzt ist? Was macht man mit dem Wissen?», sagt Röthlisberger.

Solange Demenzen wie Alzheimer nicht heilbar sind, bleibt Früherkennung deshalb auch eine ethische und persönliche Entscheidung.

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10 Tipps, um geistig fit zu bleiben

Viele Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen, lassen sich im Alltag gezielt angehen. Die folgenden Tipps zeigen, wie Sie Ihr Gehirn langfristig aktiv und widerstandsfähig halten können. 

  • In Bewegung bleiben

    Regelmässige körperliche Aktivität hält nicht nur den Körper fit, sondern unterstützt auch das Gehirn. Dabei geht es weniger um Höchstleistungen als um konsequente Bewegung im Alltag.

  • Rauchen vermeiden

    Nichtrauchen gehört zu den wirksamsten Massnahmen, um das Demenzrisiko zu senken. Wer darauf verzichtet, schützt gleichzeitig Gefässe und Gehirn. 

  • Blutdruck und Cholesterin im Blick behalten

    Gute Herz-Kreislauf-Werte wirken sich direkt auf die Hirngesundheit aus. Wer diese Faktoren kontrolliert, reduziert mehrere Risiken gleichzeitig.

  • Gesundes Gewicht halten

    Ein stabiles Körpergewicht entlastet den Stoffwechsel und wirkt sich positiv auf zentrale Risikofaktoren aus.

  • Sozial aktiv bleiben

    Austausch mit anderen fordert das Gehirn auf vielfältige Weise. Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und Beziehungen halten geistig wach.

  • Hör- und Sehprobleme ernst nehmen

    Wer schlechter hört oder sieht, nimmt weniger Reize auf. Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Brillen können helfen, das Gehirn aktiv zu halten und Rückzug zu vermeiden.

  • Neues lernen

    Ob eine Sprache, ein Instrument oder ein Tanzkurs: Entscheidend ist die geistige Herausforderung. «Alles, was das Hirn stimuliert, ist potenziell sinnvoll», sagt Röthlisberger.

  • Gedächtnis gezielt trainieren

    Denksport, Rätsel oder Übungen können das Gehirn zusätzlich fordern.

  • Psychische Gesundheit stärken

    Auch die seelische Verfassung spielt eine Rolle. Depressionen stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko und sollten ernst genommen werden. 

  • Alltag so gestalten, dass er trägt

    Prävention wirkt nur, wenn sie langfristig umsetzbar ist. «Wenn Sie sich etwas vornehmen, was Ihnen enorm schwerfällt, wird es langfristig schwierig, dies aufrechtzuerhalten», warnt Röthlisberger. 

Holen Sie sich Unterstützung

Informieren Sie sich über Demenzerkrankungen, den Krankheitsverlauf und Unterstützungs- und Entlastungsangebote. Informationen finden sich unter anderem in verschiedenen Broschüren und Infoblättern von Alzheimer Schweiz.

Lassen Sie sich beraten. Zum Beispiel durch eine Fachperson des nationalen Alzheimer-Telefons (Tel. 058 058 80 00, info@alz.ch).

Was ist Demenz?

Demenz ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff für mehr als 100 verschiedene Erkrankungen, die das Gehirn betreffen. Dabei nehmen vor allem Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache zunehmend ab. Im Verlauf wird es für Betroffene immer schwieriger, den Alltag selbstständig zu bewältigen. 

Typisch ist, dass sich die Veränderungen über Monate bis Jahre entwickeln. Anders als bei normaler Vergesslichkeit betreffen sie nicht nur einzelne Situationen, sondern greifen in verschiedene Lebensbereiche ein. 

Wichtig ist: Nicht jede Demenz verläuft gleich. Einige Formen sind behandelbar oder teilweise reversibel, etwa wenn sie durch eine andere Erkrankung ausgelöst werden. Andere hingegen – wie bestimmte neurodegenerative Demenzen – sind nicht heilbar, lassen sich aber in ihrem Verlauf beeinflussen. 

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Der Begriff wird oft gleichgesetzt, meint aber nicht dasselbe. Demenz ist der Oberbegriff; Alzheimer eine spezifische Form davon. Die Alzheimer-Erkrankung ist mit rund 60 Prozent die häufigste Ursache für eine Demenz. Sie gehört zu den sogenannten primären Demenzen, bei denen Nervenzellen im Gehirn schrittweise abgebaut werden.

Deshalb gilt: Jeder Mensch mit Alzheimer hat eine Demenz, aber nicht jede Demenz ist Alzheimer. Neben Alzheimer gibt es weitere Formen, etwa die vaskuläre Demenz, die durch Durchblutungsstörungen entsteht, oder seltenere Erkrankungen mit anderen Ursachen und Symptomen. Gerade diese Unterschiede sind entscheidend, denn Diagnose, Verlauf und Behandlung können sich je nach Demenzform deutlich unterscheiden. 

Was ist die Ursache für Demenz?

Demenz entsteht nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch unterschiedliche krankhafte Veränderungen im Gehirn. Je nach Form werden dabei Nervenzellen und ihre Verbindungen geschädigt oder zerstört. Das wiederum hat Folgen für Gedächtnis, Denken und Verhalten.

Fachleute unterscheiden mehrere Hauptmechanismen. Bei vielen Demenzen kommt es zu einem fortschreitenden Abbau von Nervenzellen, etwa bei Alzheimer. Andere Formen entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, wie bei der vaskulären Demenz.

Häufig treten auch Mischformen auf, bei denen mehrere Prozesse gleichzeitig wirken. Daneben gibt es seltenere Ursachen, etwa Eiweissablagerungen oder andere Erkrankungen, die sekundär eine Demenz auslösen können. 

Wie unterstützt mich die Krankenkasse?

Ein gesunder Lebensstil ist zentral für die Demenzprävention, und genau hier setzen auch viele Leistungen der Krankenversicherung an.

  • Bewegung fördern lassen: Die Zusatzversicherung übernimmt einen Teil der Kosten für Fitnesscenter oder Gruppenkurse wie Yoga oder Pilates.
  • Unterstützung bei der Ernährung: Eine Ernährungsberatung kann von der Grundversicherung übernommen werden, wenn sie ärztlich verordnet ist und von anerkannten Fachpersonen durchgeführt wird.
  • Vorsorge und Check-ups: Bestimmte Vorsorgeuntersuchungen werden von der Grundversicherung übernommen. Allgemeine Check-ups ohne medizinische Notwendigkeit sind hingegen über die Zusatzversicherung gedeckt.

Die Krankenkasse unterstützt viele präventive Massnahmen. Wer gezielt vorsorgen möchte, sollte prüfen, welche Leistungen im eigenen Versicherungsmodell enthalten sind und wo sich Zusatzangebote lohnen. 

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Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern unterstützen wir Sie mit zahlreichen Spezialangeboten dabei, gesund zu bleiben oder schnell wieder gesund zu werden. Das lohnt sich für Sie – auch finanziell. 

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