Asthma: Engegefühl und Atemnot

Pfeifender Atem, Reizhusten, ein beengendes Gefühl in der Brust und Atemnot: In der Schweiz ist jedes 10. Kind und jede 14. erwachsene Person von Asthma betroffen. Welches sind die Symptome, Ursachen und vor allem Behandlungsmöglichkeiten?

Text: Julie Freudiger; Foto: iStock

Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft entzündet und verengt sind, wodurch das Ein- und Ausatmen schwerfällt. Die Entzündung löst mehrere Reaktionen aus: Die Schleimhaut in den Bronchien wird überempfindlich und schwillt an, es bildet sich zäher Schleim, der die Bronchien verkleben kann. Die Muskeln rund um die Bronchien ziehen sich zusammen, die Atemwege und Bronchien verengen sich. Für einen Asthmaanfall typisch sind Verkrampfungen der Atemmuskulatur, die zu einer Atemnot führen.

Nicht allergisches und allergisches Asthma

Es gibt zwei grosse Gruppen von Asthma, die sich weniger in den Symptomen als vielmehr in der Ursache unterscheiden: Das allergische Asthma wird durch Allergien ausgelöst und beginnt meist in der Kindheit oder frühen Jugend. In der Regel tritt es saisonal auf, doch mit den Jahren kann es sich verselbstständigen und auch ohne Kontakt mit Allergenen Beschwerden verursachen. Vom nicht allergischen Asthma sind eher Erwachsene betroffen. Die Ursachen von Asthma im Erwachsenenalter sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Auslöser sind häufig Entzündungen der Bronchialschleimhaut oder ein jahrelanger chronischer Schnupfen. Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle. 

Vielfältige Symptome und Beschwerden

Die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Asthmabeschwerden sind sehr unterschiedlich. «Asthma ist eine heterogene Krankheit. Sie hat nicht nur verschiedene Ursachen, sondern wird auch unterschiedlich erlebt», erklärt Angelica Ramseier, Oberärztin Pneumologie am Kantonsspital Winterthur. Je nach Schweregrad des Asthmas gibt es dauerhaft wahrnehmbare Symptome wie Kurzatmigkeit. «Bei leichten Formen macht sich diese aber nur bei Belastungen wie sportlicher Aktivität bemerkbar», so die Fachärztin.

Typische Symptome einer schwereren Ausprägung sind laut Angelica Ramseier «plötzliche und teils schwere Atemnot, Enge in der Brust und eine erschwerte Ausatmung mit einem pfeifenden Geräusch». Auch Erstickungsgefühle, Beschleunigung der Atem- und Herzfrequenz und Husten mit zähem Auswurf können dazukommen. Problematisch sei die erschwerte Ausatmung, erläutert die Lungenspezialistin. «Weil die Atemwege so eng sind, kann man nicht mehr vollständig ausatmen und beim nächsten Atemzug hat es weniger Platz für Luft. Dadurch kann es zu einer oberflächlichen Atmung kommen, und das Gefühl der Atemnot stellt sich ein.»

Hinzu kommen Asthmaanfälle, die wenige Minuten bis zu mehrere Stunden dauern und sogar lebensbedrohlich werden können. In seltenen Fällen halten sie gar mehrere Tage an. 

«Das Vermeiden der Trigger ist nebst der medikamentösen Behandlung der wichtigste Faktor für ein möglichst beschwerdefreies Leben mit Asthma.»
Angelica Ramseier, Oberärztin Pneumologie Kantonsspital Winterthur

Ursachen: Was löst Asthma aus?

Die Asthmasymptome werden durch einen oder mehrere äussere Reize wie beispielsweise Allergene ausgelöst. Aber auch unspezifische Reize wie kalte oder rauchige Luft können die Bronchien reizen, da diese durch das Asthma sehr empfindlich reagieren. «Das Vermeiden der Trigger ist nebst der medikamentösen Behandlung der wichtigste Faktor für ein möglichst beschwerdefreies Leben mit Asthma», erklärt Angelica Ramseier. Um die Beschwerden und die Anfälle zu reduzieren, sollten Asthmabetroffene daher ihre spezifischen Trigger kennen. 

Auslöser für allergisches Asthma

  • Pollen
  • Hausstaub bzw. Hausstaubmilben
  • Tierhaare (Katze, Hund, Hamster etc.)
  • Schimmelpilzsporen

Nahrungsmittel, die eine allergische Reaktion auslösen können

  • Meeresfrüchte
  • Nüsse
  • Erdnüsse, Soja und andere Hülsenfrüchte
  • Glutamat
  • Stabilisatoren wie Sulfite in Wein, Fruchtsäften, getrockneten Früchten und Konservenfisch

Zusätzlich zur Atemnot treten dabei meist auch Symptome wie Juckreiz im Mund, Nasenfliessen, Bindehautreizung oder Nesselfieber auf.

Weitere Asthmaauslöser

  • Atemwegsinfektionen wie Erkältung, Grippe, chronischer Schnupfen, Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Stress und psychische Einflüsse
  • Medikamente wie Aspirin, Betablocker und Rheumamittel
  • Körperliche Anstrengung
  • Kalte und trockene Luft
  • Staub
  • Gerüche, chemische und physikalische Reizstoffe
  • Zigarettenrauch und Passivrauchen
  • Ozon- und Feinstaubbelastung
  • Holzstaub

Wie wird die Diagnose gestellt?

Stimmen die Symptome und die Krankengeschichte der Patientin oder des Patienten mit dem Krankheitsbild von Asthma überein, wird anhand von körperlichen Untersuchungen und Lungentests festgestellt, ob eine Verengung der Atemwege vorliegt. «Bei anderen Atemwegserkrankungen besteht das Engegefühl in der Brust konstant, bei Asthma ist es veränderlich», führt Angelica Ramseier aus. Lungenfunktionstests geben Aufschluss. «Mittels Spirometrie messen wir verschiedene Lungenwerte. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf den FEV1-Wert. Zu dessen Ermittlung atmen Sie kräftig über ein Mundstück in ein Messgerät aus. Das Spirometer misst das in einer Sekunde ausgeatmete Luftvolumen – sind die Atemwege verengt, fällt der Wert tiefer aus als bei normal funktionierenden Lungen.»

Ein weiterer Analysewert ist der Peak Expiratory Flow, der die maximale Geschwindigkeit der Ausatmung misst. Mit einem simplen Gerät lässt sich dieser auch ganz einfach zu Hause feststellen, was zur Selbstkontrolle oder zur Diagnose dienen kann. 

Je nach Beschwerden gehört zur Asthmadiagnose zudem die Abklärung von Allergien, was mittels Haut- oder Bluttests geschieht. Allerdings ist der Nachweis von Allergien nicht immer die Bestätigung eines allergischen Asthmas. 

«Mit der richtigen Behandlung lässt sich Asthma meist gut in den Griff kriegen.»
Angelica Ramseier, Oberärztin Pneumologie Kantonsspital Winterthur

Behandlung von Asthma

Asthma ist nicht komplett heilbar. «Aber mit der richtigen Behandlung lässt es sich meist gut in den Griff kriegen», sagt Angelica Ramseier. Gerade Kinder mit allergischem Asthma haben gute Chancen auf einen beschwerdefreien Alltag.

Unbehandelt allerdings beeinträchtigt und schädigt die chronische Atemwegserkrankung die Funktionsfähigkeit der Lunge. Das gilt auch für ein sehr leichtes Asthma. «Es ist in jedem Fall wichtig, die Entzündung zu hemmen», betont die Fachärztin. «Viele Patient:innen mit leichtem Asthma haben Bedenken wegen der Medikamente. Ich verstehe sie ja auch. Man will nicht leichtfertig Kortison einnehmen. In diesem Fall ist es aber unerlässlich.»

Je nach Schweregrad des Asthmas werden die Medikamente dauerhaft oder nur bei akutem Bedarf eingesetzt. Die Therapie von Asthma umfasst drei Schwerpunkte: Bronchien erweitern, Entzündung hemmen und Allergene meiden, sofern ein allergisches Asthma vorliegt. 

Medikamentöse Therapie:

  • Im Akutfall: Die rasch wirksamen Medikamente lösen bei einem Asthmaanfall die Verkrampfungen der Bronchien, damit die Luft wieder frei zirkuliert. Wichtig ist dabei, dass man richtig inhaliert. Eine Anleitung bietet beispielsweise die Lungenliga Schweiz.
  • Die Basistherapie: Um der Entzündung der Bronchialschleimhaut entgegenzuwirken und Dauerschäden zu vermeiden, wird ein kortisonhaltiges Medikament verschrieben. Auch dieses wird inhaliert und erweitert langfristig die Bronchien.
  • Biologika: Biologika sind körpereigene Substanzen (Antikörper), die im Labor nachgebaut werden und in sehr schweren Fällen zur Entzündungshemmung eingesetzt werden.
  • Behandlung der Allergie: Bei allergischem Asthma muss auch die Allergie behandelt werden. Je nach Fall und Schweregrad ist eine Desensibilisierung (Immuntherapie) eine Option. 

Vermeiden von Allergenen:

  • Sich über den Pollenflug informieren und seine Aktivitäten entsprechend planen. In den Apps von Meteo Schweiz und des Allergiezentrums Schweiz beispielsweise wird der Pollenflug in Echtzeit angezeigt.
  • Während der Pollensaison sich möglichst wenig im Freien aufhalten.
  • Die Wäsche nicht draussen trocknen lassen.
  • Pollengitter an den Fenstern und Pollenfilter im Auto installieren.
  • Vor dem Schlafengehen die Haare waschen.
  • Milbendichte Bezüge von Matratzen, Bettdecken und Kopfkissen verwenden.
  • Staubfänger wie Plüschtiere entfernen.
  • Auf Teppichböden verzichten.
  • Ferienorte auf über 1200 m ü. M. wählen, da in der Höhe keine Milben existieren.
  • Verzicht auf Haustiere.
  • Allergieauslösende Nahrungsmittel meiden.
«Alles, was die Atmung beruhigt und einen den eigenen Körper besser verstehen lässt, ist meiner Meinung nach sinnvoll.»
Angelica Ramseier, Oberärztin Pneumologie Kantonsspital Winterthur

Atemübungen, Bewegung und ein Asthmatagebuch

Asthmabetroffene können einiges dazu beitragen, ihre Lebensqualität zu steigern und ihre Gesundheit zu fördern. Dazu gehört, mit dem Rauchen aufzuhören und verrauchte Räume möglichst zu meiden. Übergewichtige Personen können von einer Gewichtsreduktion profitieren. Bei geringerem Körperfettanteil verbessern sich unter Umständen die Lungenfunktion und die Beschwerden. Sport und Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten, sind nicht nur ein guter Ausgleich und reduzieren Stress, sie unterstützen zudem die Asthmabehandlung. 

Die Diagnose Asthma kann belastend sein. Das kennt auch Angelica Ramseier von ihren Patient:innen: «Die Ungewissheit der Diagnose macht vielen zu schaffen.» Das Gefühl, bei einem Anfall nicht genügend Luft zu bekommen, kann sogar Panik auslösen – was den Anfall wiederum verstärkt. Daher ist es wichtig, sich gut über Asthma zu informieren und seine Krankheit zu kennen. Ein Asthmatagebuch hilft, die Kontrolle und Übersicht zu behalten. 

Bewusste Atemübungen stärken die Lunge, reduzieren die Atemnot und helfen bei der Entspannung. Die Lungenliga vermittelt in ihren Kursen «Atmen und Bewegen» stärkende und beruhigende Atemübungen. «Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man die eigene Atmung besser kennenlernen kann. Alles, was die Atmung beruhigt und einen den eigenen Körper besser verstehen lässt, ist meiner Meinung nach sinnvoll», gibt Angelica Ramseier mit auf den Weg. 

«Ich lebe trotz Asthma ganz normal»

Juliette Buholzer erzählt, wie sie mit Ihrem Asthma im Alltag umgeht

«Als ich zwei Jahre alt war, mussten meine Eltern mit mir zum ersten Mal in den Notfall, da ich nicht mehr aufhörte, zu husten, und Mühe hatte, zu atmen. Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Auch nicht an alle anderen Untersuchungen, bis wir die Diagnose Asthma erhalten haben. Wenn ich gerade keinen Asthmaanfall habe, merke ich aber nicht viel. Trotzdem muss ich jeden Morgen eine Dosis meines Asthmasprays inhalieren, damit sich meine Lunge richtig ausdehnt. Bevor ich den Spray regelmässig benutzt habe, waren meine Bronchien ständig entzündet, der Husten hörte nie auf.

Das ist zum Glück nicht mehr so. Sobald ich aber krank bin oder Heuschnupfen habe, brauche ich den Asthmaspray mehrmals am Tag. Bei einem Anfall ist der Husten vor allem abends schlimm, das Atmen fällt mir dann schwer – das kann beängstigend sein. Doch Atemübungen aus dem Yoga, die mir meine Mutter beigebracht hat, beruhigen mich. Wenn ich die ganze Nacht wegen des Asthmas nicht schlafen kann, muss ich am nächsten Tag zu Hause bleiben. Das kommt aber sehr selten vor. Denn trotz des Asthmas lebe ich ganz normal. Nur im Schwimmunterricht komme ich beim Tauchen nicht sehr weit, da mein Lungenvolumen klein ist.»  

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