Was die Zunge über unsere Gesundheit aussagt

Die Zunge ist seit Langem ein wichtiges Diagnostikwerkzeug. Lernen Sie, was Sie alles aus Ihrer Zunge ablesen können und wie Sie sie gesund halten.

Text: Laurina Waltersperger

Bilder: iStock

14 Min

23.06.2026

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Zunge ist wichtig für Schmecken, Sprechen, Kauen, Schlucken und die Immunabwehr. Eine gesunde Zunge ist hellrosa, feucht, beweglich und leicht rau.
  • Farbe, Belag, Risse oder Form der Zunge können Hinweise auf Infekte, Mangelzustände oder andere Erkrankungen geben. Bei anhaltenden Veränderungen, Schmerzen oder Wunden sollte man ärztlichen Rat einholen.
  • Gute Mundhygiene, Zungenreinigung, ausgewogene Ernährung und regelmässige Zahnkontrollen unterstützen einen gesunden Mundraum. Zucker, Tabak und Alkohol sollten möglichst reduziert werden.

Anatomie: Aufbau der Zunge

Die Zunge wird in drei Abschnitte eingeteilt: Zungenspitze, danach bilden etwa zwei Drittel des Organs den Zungenkörper, weiter hinten befindet sich die Zungenwurzel. 

Dabei besteht sie fast vollständig aus Muskulatur. Diese sorgt dafür, dass wir die Zunge spitzen, flach machen oder wölben können – was für Sprechen, Kauen und Schlucken wichtig ist. 

Auf ihrer Oberfläche befindet sich eine Schleimhaut, die mit Geschmacksknospen (Papillen) überzogen ist. Innen besteht sie aus einem dichten Geflecht aus Muskeln, Nerven, Blutgefässen und etwas Binde  sowie Lymphgewebe.

  • Wie sieht eine gesunde Zunge aus?

    «Eine gesunde Zunge ist hellrosa, feucht, schlank, beweglich und leicht rau – wegen der Geschmacksknospen. Manchmal ist sie etwas weisslich belegt», sagt Anita Meyer. Sie ist Ärztin für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Internistin.

    Diese Kriterien für eine gesunde Zunge gelten auch aus Sicht der westlichen Medizin.

  • Welche Funktionen erfüllt die Zunge?

    • Schmecken: In den Geschmacksknospen (Papillen) befinden sich Sinneszellen, die uns süss, sauer, bitter, salzig und umami schmecken lassen. 
    • Kauen & Schlucken: Die Zunge formt den Nahrungsbrei und hilft uns so beim Kauen und Schlucken. 
    • Sprechen und Lautbildung: Beim Sprechen formt die Zunge durch fein abgestimmte Bewegungen Laute und Silben. Sie unterstützt so unsere Artikulation. Besonders bei Lauten wie t, d, l, n, r ist die Stellung der Zunge entscheidend.
    • Tastsinn und Temperatur: In der Zunge befinden sich sehr viele Nervenfasern – das macht sie zu einem der empfindlichsten Orte unseres Tastsinns und unserer Temperaturwahrnehmung. Sie prüft Konsistenz, Kanten, Grösse und Temperatur der Nahrung und bemerkt Fremdkörper oder Verletzungen blitzartig. 
    • Gesundheitsanzeiger: Die Zunge gilt als Frühindikator, dass etwas mit unserer Gesundheit nicht mehr stimmt. Aufschluss dazu geben Farbe, Belag, Form und Oberfläche der Zunge.

    Zudem übernimmt die Zunge auch wichtige Abwehrfunktionen des Immunsystems:

    • «Frühwarnsystem»: An der Zungenwurzel sitzt die Zungenmandel. Sie besteht aus lymphatischem Gewebe. Die Zungenmandel enthält Abwehrzellen des Immunsystems. Diese Zellen nehmen Krankheitserreger oder Antigene aus Nahrung und Atemluft auf und können so frühzeitig eine Immunantwort auslösen. 
    • Schutzbarriere: Die Zungenschleimhaut dient als physikalische Barriere, die es Erregern erschwert, in den Körper einzudringen. In der Schleimhaut und im Speichel rund um die Zunge befinden sich antimikrobielle Moleküle und Immunglobuline, die Bakterien und Viren direkt binden und so Infektionen im Mund Rachen Raum reduzieren.
    • Mundmikrobiom: Auf der Zunge lebt ein Mikrobiom, das mit dem körpereigenen Abwehrsystem zusammenarbeitet. Ist dieses vorwiegend aus Bakterien bestehende Milieu intakt, können sich krankheitserregende Keime nicht ausbreiten – das schützt uns davor, dass sich solche Erreger im Körper ansiedeln können.

«Eine gesunde Zunge ist hellrosa, feucht, schlank, beweglich und leicht rau.»

Anita Meyer, TCM-Ärztin

Kann man an der Zunge erkennen, ob man krank ist?

Auf unserer Zunge befinden sich wichtige Hinweise über unseren Gesundheitszustand – das sagen sowohl die Schulmedizin als auch die TCM. 

«In der TCM betrachten wir – neben anderen Indikatoren – immer zuerst ausführlich die Zunge, um etwas über den Gesundheitszustand der Patient:innen zu erfahren», sagt Meyer. In der Schulmedizin hat ihre Bedeutung der Zunge als Diagnosetool abgenommen. 

Trotzdem liefert sie auch nach schulmedizinischem Verständnis nach wie vor wichtige Hinweise auf Infektionen im Mund-Rachen-Raum, Pilzerkrankungen, Mangelzustände, Blut- und Stoffwechselstörungen oder Entzündungen.

Ein Beispiel: Eine stark gerötete Zungenoberfläche – oft ist von einer «Himbeerzunge» die Rede – kann auf Scharlach hinweisen.

In der TCM gehen Anzahl und Feinheiten dieser Hinweise aufgrund der Farbe und Form einer Zunge noch viel weiter:

  • «Blut»: In der TCM ist «Blut» ein Funktionsbegriff, der eine wichtige Rolle spielt bei der Versorgung, Befeuchtung und Ernährung des Gewebes im Körper. Ein blasser Zungenkörper kann ein Anzeichen für einen «Blut»-Mangel sein. Eine sehr dunkelrote Zunge kann auf eine Blutstagnation hinweisen.
  • Yin/Yang: Yin steht eher für Kühle, Substanz und Befeuchtung; Yang für Wärme und Aktivität. Eine sehr rote und trockene Zunge weist auf einen möglichen Yin-Mangel hin, eine sehr blasse und schlaffe Zunge auf eine Yang-Schwäche.
  • Qi: Das Qi steht in der TCM für unsere Lebensenergie. Ein blasser und geschwollener Zungenkörper kann auf eine Qi-Schwäche hinweisen.

Störungen der Grundsubstanzen wie Blut, Yin/Yang oder Qi können verschiedene Krankheiten verursachen. Ein Beispiel: Die mögliche «Blut»-Stagnation, die TCM-Ärzt:innen aus einer dunkelroten Zunge ablesen, steht oft mit einem Herz-Kreislauf-Problem in Verbindung.

Zungenbelag: Was sagt die Farbe aus?

Egal ob in der Schulmedizin oder in der traditionellen chinesischen Medizin – auch der Belag auf der Zunge gibt wichtige Hinweise zur Gesundheit. 

Ein dünner, leicht weisslicher Belag, der sich einfach mit einer Zahnbürste oder einem Zungenreiniger entfernen lässt, sei meist normal, sagt Meyer. Dieser entsteht über Nacht oder, wenn wir lange nichts gegessen haben. 

Verändert sich jedoch die Farbe und wird der Belag dicker, kann das auf bestimmte Probleme im Mund oder bei unserer allgemeinen Gesundheit hinweisen.

  • Weisser Belag

    Ist der weisse Belag dick, «wolkig» und lässt sich schlecht abwischen, kann das ein Hinweis auf verschiedene Probleme sein – etwa Mundsoor (Pilz), Magen-Darm-Infekte oder andere Infekte. Häufig kommen Schmerzen oder ein Brennen auf der Zunge hinzu.

    Ein weisser, häufig auch dicker Belag deutet in der TCM auf eine innere Belastung mit «Schleim» hin. Diese steht in Zusammenhang mit zahlreichen verschiedenen Störungen und Krankheitszeichen. 

  • Gelber Belag

    Unzureichende Mundhygiene, Rauchen oder eine trockene Mundschleimhaut können zu einem gelben Belag führen. Auch bestimmte Lebensmittel und Getränke wie Softdrinks mit Farbstoffen oder Kurkuma können diesen verursachen.

    Hält sich der Belag über längere Zeit, lässt er sich schlecht abwischen oder kommen weitere Symptome dazu, kann das ein Hinweis auf Infekte, Pilze sowie Magen-Darm- oder Leber-/Gallenerkrankungen sein.

    In der TCM weist ein gelber Zungenbelag auf eine «innere Hitzestörung» hin – diese entsteht oft durch Stress, Ärger, lange Belastung, erhitzende Speisen oder eine Entzündung im Körper.

    «Um diese Zeichen richtig zu interpretieren, braucht es jedoch eine Fachperson», sagt TCM-Ärztin Meyer.

  • Brauner Belag

    Kaffee, Tee, Rotwein oder Tabak führen häufig zu einem braunen Zungenbelag.

    Auch hier gilt: Bleibt der Belag über mehrere Tage bestehen, kann er auf ein tieferliegendes Problem hinweisen – etwa Verdauungsprobleme (funktionelle Verdauungsprobleme, Gastritis, Reflux, Darmstörungen) oder Nierenschwächen.

    Ist der Belag dunkelbraun bis fast schwarz, ist nach TCM-Verständnis die «Hitze» im Körper gross. Diese wirkt wie ein «Dauerofen»: Sie trocknet die Flüssigkeiten im Körper aus, die uns normalerweise kühlen. 

    Dadurch wird das Gewebe trocken und empfindlich, Entzündungen und Unruhe nehmen zu – die innere Balance gerät aus den Fugen.

  • Grauer Belag

    Eine mangelnde Mundhygiene, gewisse Medikamente sowie Situationen, in denen die Zunge wenig «mitarbeiten» muss – aufgrund zu weicher Kost oder einer Sonderernährung –, können einen grauen Belag hervorrufen.

    Dieser wird durch abgelagerte Bakterien, abgestorbene Schleimhautzellen und Nahrungsreste gebildet.

    Hält der graue Belag an, kann er auf eine langsamere Erneuerung der Zungenschleimhaut hinweisen. Diese entsteht durch chronische Reizungen (z. B. durch Rauchen, Alkohol), Magen-Darm-Erkrankungen, Infekte oder bestimmte Medikamente und Stoffwechselprodukte.

    Zu dieser Farbe gäbe es keine TCM-Diagnosen, da diese Farbe fast nie vorkomme, sagt Meyer.

  • Schwarzer Belag

    Die «schwarze Haarzunge» ist harmlos und entsteht durch verlängerte Geschmacksknospen (Papillen), die sich nicht mehr wie gewohnt mechanisch abreiben und abschuppen.

    Die Gründe dafür können mangelnde Zungenreinigung, eingeschränkte Zungenbeweglichkeit oder fehlende Zungenarbeit sein. Letztere entsteht, wenn Betroffene nicht mehr richtig kauen können – dann fehlt es an Kaufläche und Abrieb. 

    Hellhörig sollten Sie werden, wenn der Belag bestehen bleibt, nicht abwischbar ist und lokale Schmerzen, Brennen, offene Wunden in der Schleimhaut, Knoten oder Verhärtungen hinzukommen – oder sich die Zunge einseitig verändert.

    In diesem Fall kann das Zungenbild auf einen Tumor, eine Vorstufe eines Tumors oder eine starke Immunschwäche, wie sie etwa bei HIV vorkommt, hinweisen.

    Zum schwarzen Zungenbelag gibt es keine TCM-Diagnosen.

Was bedeuten Risse in der Zunge?

Risse in der Zunge (Zungenfurchen) sind meist harmlose Vertiefungen oder Spalten in der Zungenoberfläche. Oft sind sie angeboren, altersbedingt oder entstehen durch mechanische Reize (z. B. Zähneknirschen) und haben keinen Krankheitswert. 

Sie können aber in manchen Fällen mit Mangelzuständen oder anderen Erkrankungen zusammenhängen, vor allem wenn Schmerzen, Brennen oder weitere Symptome dazukommen:

  • Nährstoffmangel: Risse können ein Indikator für einen Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Zink sein. Zusätzlich brennt die Zunge häufig und ist gerötet. Müdigkeit und Erschöpfung kommen als Begleitsymptome hinzu.
  • Pilzinfektion: Risse, die zusammen mit einem dicken, weissen Belag auftreten, der schwer abwischbar ist, können auf eine Pilzinfektion im Mund hinweisen (Mundsoor).

«In der TCM gelten Risse in der Zunge fast immer als Zeichen eines Yin-Mangels – und damit eines Mangels bei den Körpersäften», sagt TCM-Ärztin Meyer. Grund ist eine energetische Dysbalance der «Mitte», wo sich Magen und Verdauungsorgane befinden. 

Zusätzlich spielt die Stelle der Risse eine Rolle – da die Zunge in der TCM als «Landkarte» der Organsysteme gesehen wird.

  • Zungenspitze

    In der TCM steht die Zungenspitze für das Herz und seinen Funktionskreis. Das heisst: ein Netzwerk Meridianen, Gewebe, Emotionen und bestimmten Sinnesorganen.

    Für Risse an der Zungenspitze können ein Yin-Mangel oder eine lang andauernde «innere Hitze» verantwortlich sein. Diese trocknen die Körpersäfte aus und sorgen für eine Dysbalance im Körper. 

  • Vorderes Drittel der Zunge

    Im vorderen Drittel befindet sich laut TCM die Lunge. Risse in diesem Abschnitt können auf eine Anfälligkeit für Infekte oder Hautprobleme hinweisen.

  • Zungenmitte (mittleres Drittel)

    In der Mitte der Zunge sind Magen und Milz angesiedelt. Risse können als eine geschwächte Körpermitte, einen Magen-Yin-Mangel oder eine Milz-Qi-Schwäche gelesen werden. 

    Das heisst: Häufig treten Verdauungsprobleme wie Völlegefühl oder Blähungen, Müdigkeit nach dem Essen oder eine trockene und gereizte Magenschleimhaut auf.

  • Zungenränder

    An den Rändern der Zunge befinden sich Leber und Gallenblase. Sind Risse vorhanden, kann das auf Stress, Reizbarkeit, PMS, Spannungszustände oder muskuläre Verspannungen hinweisen. 

    Grund dafür ist etwa ein Leber-Yin-Mangel: Der Körper ist etwas ausgebrannt und trocken, die Reserven sind knapp.

    Risse an den Zungenrändern können auch Zeichen einer Leber-Hitze sein. Grund dafür sind zu viel Spannung und Hitze im System – als würde ein innerer Motor konstant auf Hochtouren laufen. 

    Oder aber die Risse sind Zeichen einer Leber-Qi-Stagnation. In diesem Fall fliesst die Energie im Körper nicht frei; das ist oft bei Stress oder Ärger der Fall. 

  • Zungenwurzel (hinteres Drittel)

    Auf der Zungenwurzel sind die Nieren sowie die Blase angesiedelt. Die TCM assoziiert Risse an der Wurzel mit chronischer Erschöpfung, Lendenbeschwerden, Schlafstörungen sowie Libido-/Fertilität- und Harndrang-Problemen.

    Ursache dafür ist zum einen ein Nieren-Yin-Mangel – wobei zu wenig «Kühl- und Feuchtigkeitsreserven» vorhanden sind. Daher wirkt der Körper eher ausgetrocknet und überhitzt.

    Weitere Gründe können auch eine chronische Erschöpfung der Körpersäfte oder der «Essenz» sein. 

    Letzteres steht in der TCM für die Grundausstattung an Lebensenergie, mit der wir zur Welt kommen. 

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Mögliche Erkrankungen der Zunge und des Mundes

Von Mundgeruch über Pilzinfektinen und Allergien bis hin zu Tumoren: Mund und Zunge können von unterschiedlichen Erkrankungen betroffen sein.

  • Mundgeruch

    Unguter Geruch aus dem Mund ist in den meisten Fällen harmlos. Er entsteht durch Rauchen und Bakterien im Mund, die Eiweissreste zersetzen und dabei übel riechende Schwefelverbindungen oder Gase freisetzen.

    In seltenen Fällen kann Mundgeruch auf Magenprobleme, Verdauungsstörungen oder Stoffwechselstörungen hindeuten. Letztere stehen in Zusammenhang mit Diabetes oder Leber- und Niereninsuffizienz. 

  • Pilzinfektionen

    Eine Pilzinfektion gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Mundraum. Sie entsteht, wenn sich Candida-Pilze im Mund übermässig vermehren.

    Das kann passieren, wenn die Flora der Mundschleimhaut nach der Einnahme von Antibiotika gestört ist, bei Diabetes, Immunschwächen, Mundtrockenheit oder Prothesen.

  • Entzündungen

    Mund und Zunge sind nicht selten auch von Entzündungen betroffen, die entweder durch Bakterien oder Viren verursacht werden. 

    So können etwas das Herpes-Virus, eine bakterielle Angina oder die hochansteckende Hand-Fuss-Mund-Krankheit für eine entzündete Zunge sorgen. 

  • Glossitis

    Die Glossitis ist auch als «Lackzunge» bekannt. Sie entsteht, wenn sich die Zungenschleimhaut entzündet oder degenerativ verändert. 

    Zu einer solchen Reaktion kann es durch Infekte, mechanische Reize (z. B. scharfe Zähne, Prothesen), allergische oder toxische Reaktionen, Alkohol-/Tabakkonsum, Nährstoffmangel oder systemische Erkrankungen (z. B. Zöliakie, Autoimmunerkrankungen) kommen.

  • Leukoplakie

    Unter Leukoplakie versteht man weisse Flecken oder Flächen auf der Schleimhaut, die sich nicht wegwischen lassen und für längere Zeit bestehen.

    Sie entstehen meist durch chronische Reizungen (z. B. Rauchen, Alkohol, schlecht sitzende Prothesen, scharfe Zahnkanten), bei denen die Schleimhaut als Schutzreaktion stärker verhornt und dadurch weiss wirkt.

    Mehrheitlich macht die Leukoplakie keine Beschwerden. Betroffene sollten sie aber im Auge behalten, weil sich die Flecken teilweise zu Krebs entwickeln können.

  • Tumore

    Vor allem chronischer Tabak- oder Alkoholkonsum kann zu krebsartigen Veränderungen in der Zungenschleimhaut führen.

    Auch eine schlechte Mundhygiene kann Krebs indirekt fördern: Sie begünstigt chronische Entzündungen im Mund, dauerhafte Schleimhautreizungen und eine ungünstige Bakterienflora.

Wann sollte ich ärztlichen Rat einholen?

«Wenn sich Ihr allgemeiner Gesundheitszustand verschlechtert», sagt die TCM-Ärztin Anita Mayer.

Bei diesen Warnzeichen sollten Sie handeln:

  • Anhaltende Schmerzen oder Zungenbrennen ohne ersichtlichen Grund
  • Dicker, nicht abwischbarer Zungenbelag oder hartnäckige Farbveränderungen
  • Knoten, Verdickungen, schlecht heilende Wunden, einseitige Schwellung an der Zunge oder Blutungen
  • Sichtbare Veränderungen, die länger als zwei Wochen bestehen oder zunehmen, vor allem bei Menschen mit starkem Tabak- oder Alkoholkonsum

Tipps für einen gesunden Mundraum

Mit einer guten Mundhygiene schützen Sie Zähne, Zahnfleisch, Zunge und das orale Mikrobiom langfristig. Folgende Massnahmen helfen:

  • Zähne richtig putzen

    Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich während zwei Minuten mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Diese sollte 1000–1500 ppm Fluorid (Empfehlung für Erwachsene) enthalten, um den Zahnschmelz bestmöglich zu schützen und das Kariesrisiko zu senken.

    Reinigen Sie zudem einmal am Tag die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen.

  • Mundflora unterstützen

    • Verzichten Sie zwischen den Mahlzeiten möglichst auf zuckerhaltige Snacks und Getränke
    • Trinken Sie ausreichend Wasser
    • Kauen Sie gut, gerade bei Rohkost. Das regt den Speichelfluss an und neutralisiert Säuren, die dem Mundraum schaden
    • Setzen Sie auf fermentierte Lebensmittel und ballaststoffreiche Kost, um das Mikrobiom in Mund und Darm positiv zu unterstützen
    • Wechseln Sie alle 2–3 Monate Ihre Zahnbürste, oder nach jedem Infekt
  • Schädliche Substanzen meiden

    • Zucker füttert kariogene Bakterien, die den Zucker in aggressive Säuren umwandeln. Diese greift den Schmelz und das Zahnfleisch an und fördert Entzündungen.
    • Saure Lebensmittel und Getränke wie Softdrinks, Energy-Drinks, Eistee, gesüsste Säfte und häufiges Zitronenwasser senken den pH-Wert des Mundraums. Das greift den Zahnschmelz an und reizt die Schleimhaut.
    • Tabak reduziert den Speichelfluss, verschlechtert die Durchblutung und verändert das Mikrobiom. Das fördert Beläge und Entzündungen und erhöht das Risiko für Parodontitis sowie Krebs.
    • Alkohol wirkt lokal reizend und austrocknend. Er stört zudem den Säure-Basen-Haushalt im Mund und begünstigt, dass schädliche Bakterien sich ausbreiten können.
    • Viel Kaffee bei gleichzeitig zu wenig Wasser kann den Mundraum austrocknen. Das stört die Mundflora.
    • Dauerhafte Anwendung starker antiseptischer Mundspülungen (z. B. Chlorhexidin) tötet auf Dauer zu viele gute Bakterien ab und bringt die Mundflora aus dem Gleichgewicht. 
  • Ernährung

    Mit der richtigen Ernährung können Sie Ihre Gesundheit im Mundraum unterstützen:

    • Rohes, knackiges Gemüse und Obst: Setzen Sie etwa auf Karotten, Sellerie, Paprika oder Äpfel. Sie wirken wie eine «natürliche Zahnbürste», regen den Speichelfluss an und liefern wichtige Vitamine für Schleimhaut und Zahnfleisch.
    • Ballaststoffreiche Lebensmittel: Vollkornbrot, Hafer, Hülsenfrüchte und Gemüse fördern Kauen und Speichelproduktion und unterstützen die guten Bakterien in Mund und Darm.
    • Milchprodukte: Insbesondere Käse, Naturjoghurt oder Kefir liefern Kalzium und Phosphate. Diese Nährstoffe sind wichtig, damit die Zähne die Mineralien wieder in den Zahnschmelz einlagern können.
    • Nüsse und Samen: Mandeln, Walnüsse, Sesam oder Sonnenblumenkerne liefern Mineralstoffe, gesunde Fette und erfordern kräftiges Kauen. Das ist gut für die Speichelproduktion und wirkt entzündungshemmend.
    • Probiotische und fermentierte Lebensmittel: Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut und Kimchi fördern die guten Bakterien in Mund und Darm und stabilisieren so das Mikrobiom an beiden Orten.
  • Regelmässige Zahnvorsorge

    Gehen Sie mindestens einmal im Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle und professionellen Zahnreinigung. 

    Menschen mit häufiger Karies in der Vorgeschichte, Parodontitis, vielen Füllungen/Kronen, Diabetes, Mundtrockenheit oder Allgemeinerkrankungen mit Einfluss auf die Mundgesundheit sowie Raucher:innen sollten zweimal im Jahr zur ärztlichen Vorsorge und Dentalhygiene gehen.

    Krankenkassen in der Schweiz übernehmen in den Zusatzversicherungen einen Teil dieser Vorsorgemassnahmen. Gedeckt sind oft: Kontrollen, Dentalhygiene, Füllungen, Wurzelbehandlungen, Kieferorthopädie, Kronen, Brücken, Prothesen – immer im Rahmen der vereinbarten Limiten.

  • Zunge reinigen

    Nicht nur die Zähne sollen gereinigt werden, sondern auch die Zunge. So gehen Sie vor:

    • Zuerst Zähne putzen (inkl. Zwischenräume)
    • Zunge locker weit herausstrecken, nicht verkrampfen
    • Zungenschaber oder Zungenbürste so weit hinten wie angenehm ansetzen. Besonders der hintere Bereich ist wichtig, dort sitzt der meiste Belag. Gehen Sie aber nur so weit zurück, wie es ohne Würgereiz möglich ist.
    • Mit leichtem Druck mehrmals von hinten nach vorn über die ganze Zungenoberfläche ziehen oder bürsten (3–5 Mal, dazwischen den Schaber mit Wasser abspülen)
    • Mund mit Wasser (oder milder Mundspüllösung) ausspülen, Zungenreiniger abspülen und trocknen lassen. 

Fazit

Egal ob in der westlichen oder östlichen Medizin: Die Zunge ist ein wichtiger Indikator unserer Gesundheit. Genau hinzuschauen lohnt sich, um die Mundgesundheit zu verbessern und Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen.

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