Welche Lebensmittel sind entzündungshemmend?

Einige Lebensmittel sind wahre Superfoods: Sie können Entzündungen hemmen, Krankheiten vorbeugen und Symptome lindern. Doch nicht alle Nahrungsmittel sind hilfreich.

Text: Jessica Braun & Julie Freudiger

Bilder: iStock

6 Min

24.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Dauerhafter Lebensstil statt Diät: Angepasste Essgewohnheiten können helfen, chronische Entzündungen im Körper herunterzuregulieren.
  • Essen wie am Mittelmeer: Reichlich buntes Gemüse, zuckerarmes Obst, Nüsse, Kräuter sowie gesunde Fette in den Alltag integrieren.
  • Entzündungen vermeiden: Stark verarbeitete Produkte, Zucker, Weissmehl sowie rotes Fleisch sollten reduziert werden.

Was ist anti-entzündliche Ernährung?

Viele Erkrankungen gehen mit entzündlichen Prozessen einher, darunter Arthrose, Rheuma und Typ-2-Diabetes. Eine anti-entzündliche Ernährung will diese Reaktionen regulieren. Manche Lebensmittel seien dafür besonders gut geeignet, sagt der Rheumatologe Dr. Django Russo, Oberarzt meV am Stadtspital Zürich Triemli.

Diese gilt es, bevorzugt in den Speiseplan zu integrieren. «Es geht hier nicht um eine Diät mit bestimmten Rezepten», so Russo, «sondern um eine Ernährungsweise, die entzündungshemmende Lebensmittel bevorzugt.»

Warum fördern Nahrungsmittel überhaupt Entzündungen?

Klar ist: Wir müssen essen. Nehmen wir Nahrung zu uns, lösen wir jedoch komplexe Stoffwechsel- und Immunprozesse aus. Blutzucker und -fette steigen an. Entstehen dabei reaktive Sauerstoffverbindungen, bedeutet das oxidativen Stress für die Zellen.

Parallel dazu reagieren Immunzellen auf das Essen sowie auf damit aufgenommene Erreger, und schütten Botenstoffe aus. All das sind kurzfristige, eigentlich nützliche Reaktionen, die uns schützen.

Wie entstehen chronische Entzündungen?

Chronische Entzündungen entstehen, wenn diese schützenden inflammatorischen Prozesse nicht abklingen. Etwa, weil sie nicht vollständig ausheilen oder das Immunsystem überschiesst.

Solche chronischen Entzündungen treten bei einer Reihe von Erkrankungen auf, etwa der rheumatoiden Arthritis, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder bestimmten Autoimmunerkrankungen.

«Auch das sogenannte viszerale Fett, also Fettgewebe im Bauchraum rund um die inneren Organe, kann entzündungsfördernd wirken», sagt Django Russo. 

Warum ist eine anti-entzündliche Ernährung sinnvoll?

Über die Ernährung lassen sich Entzündungen zwar nicht heilen, aber positiv beeinflussen. Zum einen direkt: «Manche Nahrungsbestandteile wirken anti-inflammatorisch und antioxidativ, darunter Omega-3-Fettsäuren oder die sogenannten Polyphenole, also Pflanzenstoffe», so der Rheumatologe.

Indirekt steuert das, was wir essen auch, welche Mikroorganismen unseren Darm besiedeln. Stellt man die Ernährung um, dämpft dies wohl auch ungünstige mikrobielle Stoffwechselprozesse. «Zudem kann eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung – insbesondere bei einer damit verbundenen Gewichtsreduktion – dazu beitragen, viszerales Fett zu reduzieren.»

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Was macht eine entzündungshemmende Ernährung aus?

Auf dem Speiseplan steht hier vor allem Pflanzliches: Gemüse, Hülsenfrüchte und zuckerarmes Obst. «Der halbe Teller sollte ‹grün› sein. Ebenfalls wichtig: viele Ballaststoffe», so Django Russo. Etwa die in Vollkornreis oder sogenanntem Pseudogetreide wie Quinoa oder Buchweizen.

Denn verpackt in Ballaststoffe gelangt der in Nahrungsmitteln enthaltene Zucker nur langsam ins Blut. Ausserdem pflegen diese die Darmflora. Zucker und Weissmehl hingegen triggern Blutzuckerspitzen. Auch für Fleisch sowie Fleischprodukte gilt: weniger ist mehr.

Welche Lebensmittel sind entzündungshemmend?

Die anti-entzündliche Ernährung entspricht in vielen Punkten der viel gerühmten Mittelmeerkost. Damit sind aber nicht Pasta, Pizza und Gelati gemeint, sondern die traditionell einfache Ernährung Süditaliens und Griechenlands, insbesondere Kretas. Die Mittelmeerdiät besteht aus:

  • Gemüse 
  • frischen Früchten
  • Fisch und Meeresfrüchten
  • Olivenöl
  • Nüssen und Samen
  • vielen Kräutern
  • Knoblauch

Fleisch gibt es selten, und auch Milchprodukte stehen nicht in rauen Mengen zur Verfügung. Honig ist das bevorzugte Süssungsmittel.

  • Gesunde Fette

    Unter den Fetten gelten zwei Gruppen als anti-entzündlich: Omega-3-Fettsäuren und einfach ungesättigte Fettsäuren.

    Erstere stecken unter anderem in Raps- und Leinöl, in Walnüssen und Leinsamen sowie in fettem Fisch wie Hering, Lachs oder Makrele.

    Für einfach ungesättigte Fettsäuren ist Olivenöl das bekannteste Beispiel. Raps- oder Nussöl sind ebenfalls gute Quellen.

  • Gemüse & Obst

    Eine Ernährungsregel besagt: «Eat the rainbow – iss den Regenbogen.» Gemeint ist aber nicht «heute Blutwurst, morgen Blanchette», sondern farbige Pflanzenstoffe.

    Pflanzen produzieren sogenannte Polyphenole, um sich vor Einflüssen wie UV-Strahlung oder Krankheiten zu schützen. Von den positiven Effekten dieser Pflanzenstoffe profitieren auch Menschen.

    Besonders reich an Polyphenolen sind dunkle oder bittere Sorten, etwa Spinat, Brokkoli, Oliven, rote Zwiebeln, Beeren oder Granatäpfel.

  • Kräuter & Gewürze

    Vielfalt und Farbe sind auch beim Würzen angesagt: In Kurkuma steckt beispielsweise Curcumin, in Chili und Paprika scharfes Capsaicin. Beide gelten als anti-entzündlich. Ebenso Knoblauch, Zimt und viele Kräuter wie Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei oder Basilikum.

Nahrung fürs Gehirn und für den Körper
  • Der Wissenschaftsjournalist Bas Kast hat sich einen Überblick über Tausende Studien verschafft: «Der Ernährungskompass. Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung», Bas Kast, 2022
  • Kompaktes und übersichtliches Wissen zur anti-entzündlichen Ernährung – nicht nur für Rheumabetroffene: «Genuss mit Wirkung. Ernährung bei entzündlichem Rheuma», Rheumaliga Schweiz, 2022
  • Überblick über die theoretischen Hintergründe sowie gesunde und leckere Rezepte: «Die Anti-Entzündungs-Diät», Martin Kreutzer und Anne Larsen, 2021 (5. Auflage)

Welche Lebensmittel sollte man meiden?

«Eine anti-entzündliche Ernährung basiert weniger auf strengen Verboten als auf einer bewussten Auswahl der Lebensmittel und der Reduktion ungünstiger Ernährungsgewohnheiten», so der Rheumatologe Russo.

Fertigprodukte etwa enthalten kaum Ballaststoffe, dafür meist viel Zucker und rasch verdauliche Kohlenhydrate sowie Transfette, die Entzündungen begünstigen. 

Ist Fleisch entzündungsfördernd?

Rotes Fleisch – etwa Schwein, Rind oder Lamm – gilt als entzündungsfördernd, was zahlreiche Studien belegen. Ein Grund dafür ist die Arachidonsäure. Das ist eine essenzielle Omega-6-Fettsäure, die in hoher Konzentration für Entzündungen verantwortlich ist.

Auch ungesunde gesättigte Fettsäuren und Transfette sind in rotem Fleisch und Wurstwaren enthalten. Dennoch bedeutet das nicht, dass eine entzündungshemmende Ernährung rein vegetarisch sein muss. Nur sollte Fleisch in geringer Menge und nicht täglich Bestandteil des Menüs sein.

Ausserdem spielen die Qualität und die Zubereitung des Fleischs eine Rolle. Insbesondere Wurstwaren und Fertigprodukte weisen einen hohen Anteil an ungesunden, entzündungsfördernden Fetten sowie oft auch einen hohen Salzgehalt auf.

Sind Milch und Milchprodukte entzündungsfördernd?

Fakt ist: Milch und Milchprodukte enthalten Arachidonsäure. Während allerdings viele Studien aussagen, dass Milch kein Entzündungstreiber sei oder gar entzündungshemmende Eigenschaften habe, kommen andere zum gegenteiligen Schluss.

Das Problem in dieser Diskussion: Ein Grossteil der Studien wurde von der Milchindustrie bezahlt. In seinem Buch «Der Ernährungskompass» schreibt der Wissenschaftsjournalist Bas Kast, dass die Anti-Milch-Fraktion ebenso Daten verzerrt, um die Schädlichkeit von Milch zu untermauern. Eine objektive Übersicht, so Kast, gestalte sich daher schwierig.

Die Antwort auf die Frage, ob Milchprodukte Entzündungen hervorrufen, bleibt offen und ist Gegenstand hitziger Diskussionen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Eine milchfreie Ernährung ist durchaus ausgewogen und gesund, der Grossteil der Weltbevölkerung hat keine Milch auf dem Speiseplan.

Bas Kast schreibt: «Es gibt gesündere Kalziumquellen als Milch, wie eben Joghurt und Käse, aber auch Vollkornprodukte und grünes Gemüse, insbesondere Grünkohl und Brokkoli.» Wer hingegen Milch mag, muss nicht zwingend darauf verzichten.

Gegen einen mässigen Konsum von Milch – am besten Biomilch von Kühen in Weidehaltung – gibt es keine eindeutigen Argumente.

Ernährung bei entzündlichen Erkrankungen

Studien zeigen: Ernährung kann den Verlauf verschiedener chronischer Krankheiten positiv beeinflussen. Bei der rheumatoiden Arthritis ist der Nutzen am genauesten erforscht. Ebenso robust ist die Datenlage für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. 

Weniger gut belegt ist der Nutzen bei Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Eine ballaststoffreiche, naturbelassene Kost scheint diese jedoch positiv zu beeinflussen.

Das gilt auch für die Schuppenflechte (Psoriasis) und die damit verbundene Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis). Hier sind es offenbar Lebensmittel mit viel Arachidonsäure und anderen Omega-6-Fettsäuren, die ungünstig wirken . Ausgenommen davon sind Fisch und Meeresfrüchte, da sie gleichzeitig reich an Omega-3-Fettsäuren sind. 

Fazit

Die entzündungshemmende Ernährung ist eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Medizin und kann Beschwerden in einem gewissen Ausmass lindern.

«Eine notwendige medikamentöse Therapie wird sie jedoch nicht ersetzen», sagt Dr. Django Russo. Kombiniert mit Stressabbau und Bewegung kann sie aber viel Gutes bewirken. Und das sogar bei gesunden Menschen. 

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