Bluthochdruck früh erkennen

Bluthochdruck gilt als «stiller Killer»: Er verursacht oft keine Beschwerden und kann dennoch Herz, Gehirn und Nieren schädigen. Welche Werte kritisch sind, welche Symptome auftreten können und wie sich der Blutdruck wirksam senken lässt.

Text: Nicole Krättli

Bilder: Sebastian Doerk

12 Min

15.06.2026

Das Wichtigste im Überblick

  • Bluthochdruck bleibt oft lange symptomfrei und deshalb häufig unbemerkt.
  • Ab einem Wert von 140/90 mmHg sprechen Fachleute von Bluthochdruck. Massgeblich ist der Durchschnitt mehrerer Messungen, nicht ein einzelner Wert.
  • Bewegung, gesunde Ernährung, Abnehmen und Stressabbau können dazu beitragen, den Blutdruck zu senken.
  • Medikamente sind in der Regel gut verträglich und verringern das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich.
  • Unbehandelter Bluthochdruck erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden.

Werte nach Alter: Ab wann ist mein Blutdruck zu hoch?

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf ständig. Körperliche Aktivität, Stress, Schmerzen oder hohe Temperaturen können die Werte kurzfristig erhöhen. Entscheidend ist daher nicht eine einzelne Messung, sondern der Durchschnitt mehrerer Messungen.

Bei Erwachsenen gilt ein Blutdruck unter 120/80 mmHg als optimal. Fachleute sprechen ab Werten von 140/90 mmHg von Bluthochdruck. Die Diagnose wird in der Regel erst gestellt, wenn die Werte an mehreren Tagen wiederholt zu hoch sind.

Bluthochdruck ist weit verbreitet. In Europa ist etwa jede dritte Person betroffen, in der Schweiz ist es Schätzungen zufolge rund jeder Vierte. «Das Problem ist, dass man Bluthochdruck meistens nicht spürt», sagt Prof. Dr. med. Georg Noll, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie an der HerzKlinik Hirslanden in Zürich. «Viele Menschen erfahren erst bei einer Routinekontrolle oder aufgrund anderer Beschwerden, dass ihre Werte erhöht sind.» 

Blutdruckwerte bei Erwachsenen

Blutdruck-KategorieSystolisch (oberer Wert)Diastolisch (unterer Wert)
Optimaler Blutdruckunter 120 mmHgunter 80 mmHg
Normaler Blutdruck120 bis 129 mmHg80 bis 84 mmHg
Hochnormaler Blutdruck130 bis 139 mmHg85 bis 89 mmHg
Leichter Bluthochdruck140 bis 159 mmHg90 bis 99 mmHg
Mässiger Bluthochdruck160 bis 179 mmHg100 bis 109 mmHg
Schwerer Bluthochdruckab 180 mmHgab 110 mmHg

Welche Blutdruckwerte gelten im Alter?

Viele Menschen gehen immer noch davon aus, dass höhere Blutdruckwerte im Alter normal sind. «Vor 40 Jahren galt die Faustregel: 100 plus Lebensalter entspricht dem normalen oberen Blutdruckwert», erklärt Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll. «Bei einem 60-Jährigen wären das also 160 mmHg gewesen. Heute wissen wir jedoch, dass solche Werte langfristig ungünstig sind und auch ältere Menschen von einem niedrigeren Blutdruck profitieren.»

Für die meisten gesunden Erwachsenen gelten systolische Werte zwischen 120 und 129 mmHg als ideal. Im hohen Alter spielen jedoch auch der allgemeine Gesundheitszustand, vorhandene Begleiterkrankungen und die körperliche Belastbarkeit eine Rolle.

Daher gibt es besonders bei Personen über 85 Jahren keine festen Zielwerte mehr. Stattdessen wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt festgelegt, welcher Blutdruck individuell sinnvoll ist und die beste Balance zwischen dem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Lebensqualität bietet.

Blutdruck richtig messen

Ein einzelner Messwert liefert meist keine verlässlichen Aussagen. Stress, körperliche Anstrengung oder die Aufregung vor einem Arztbesuch können den Blutdruck vorübergehend erhöhen. Dieser sogenannte Weisskittel-Effekt beschreibt, dass die Werte in der Praxis erhöht sind, zu Hause jedoch nicht unbedingt. Deshalb ist es umso wichtiger, den Blutdruck korrekt zu messen und die Werte über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Wer zu Hause misst, sollte deshalb die Ergebnisse dokumentieren und regelmässig mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Bei unklaren oder schwankenden Werten kann zusätzlich eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung sinnvoll sein. Dabei misst ein Gerät, das Sie vom Arzt erhalten, über einen ganzen Tag und eine Nacht hinweg regelmässig den Blutdruck.

Wie Sie typische Messfehler vermeiden, welches Gerät geeignet ist und worauf Sie vor, während und nach der Messung achten sollten, erfahren Sie hier: So messen Sie Ihren Blutdruck richtig

Fünf Tipps: Wie kann ich den Blutdruck senken?

Bluthochdruck lässt sich häufig durch eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und einem gesunden Lebensstil wirksam senken. Welche Massnahmen sinnvoll sind, hängt unter anderem von den Blutdruckwerten, dem Alter und möglichen Begleiterkrankungen ab. Wichtig ist, dass erhöhte Werte möglichst früh erkannt und behandelt werden, um Herz, Gehirn, Nieren und Blutgefässe optimal zu schützen.

  • Medikamente

    Ab Blutdruckwerten von 140/90 mmHg empfehlen Fachgesellschaften häufig eine medikamentöse Behandlung – insbesondere dann, wenn sich die Werte auch durch einen gesunden Lebensstil nicht ausreichend senken lassen. Das Ziel sind meist Werte zwischen 120 und 129 mmHg systolisch, sofern diese gut vertragen werden.

    Blutdruckmedikamente wirken an unterschiedlichen Stellen im Körper. Einige entspannen die Blutgefässe, andere beeinflussen Hormone, die den Blutdruck steuern. Wieder andere unterstützen die Nieren dabei, überschüssiges Salz und Wasser auszuscheiden. Häufig werden mehrere Wirkstoffe kombiniert, um eine bessere Wirkung bei geringeren Dosierungen zu erzielen.

    «Mittlerweile sind die Medikamente sehr gut verträglich», sagt Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll. Aus seiner Sicht sollte ein deutlich erhöhter Blutdruck deshalb nicht über längere Zeit unbehandelt bleiben.

    Zu den wichtigsten Medikamentengruppen gehören:

    • ACE-Hemmer und Sartane: Diese Medikamente beeinflussen ein Hormonsystem, das den Blutdruck reguliert. Sie verhindern die Verengung der Blutgefässe und reduzieren dadurch den Widerstand, den das Herz überwinden muss. Sie zählen heute zu den wichtigsten Mitteln gegen Bluthochdruck und schützen zusätzlich Herz und Nieren.
    • Kalziumkanalblocker: Diese Wirkstoffe entspannen die Muskulatur der Blutgefässe. Dadurch erweitern sich die Gefässe, sodass das Blut leichter fliessen kann.
    • Diuretika: Diuretika unterstützen die Nieren dabei, überschüssiges Salz und Wasser auszuscheiden. Dadurch verringert sich das Blutvolumen und der Blutdruck sinkt. Sie werden häufig mit anderen Wirkstoffen kombiniert und eignen sich besonders bei salzbedingtem Bluthochdruck.
    • Betablocker: Betablocker hemmen die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Sie sorgen dafür, dass das Herz langsamer und mit weniger Kraft schlägt, was den Blutdruck senkt. Diese Medikamente kommen heute vor allem bei zusätzlichen Erkrankungen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder koronarer Herzkrankheit zum Einsatz.

    Welches Medikament am besten geeignet ist, hängt nicht nur vom Blutdruck ab. Auch Alter, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion und Diabetes sind bei der Wahl der Therapie wichtig. Daher wird die Behandlung individuell auf die einzelne Person abgestimmt.

    Wichtig zu wissen: Blutdruckmedikamente senken zwar einen Risikofaktor, beheben aber die Ursache meist nicht. Viele Menschen müssen sie deshalb dauerhaft einnehmen. Änderungen der Dosierung oder ein Absetzen sollten stets mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

  • Ernährung

    Ernährung und Blutdruck hängen eng zusammen. Besonders empfehlenswert ist die mediterrane Küche mit viel Gemüse, Früchten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornprodukten und gesunden pflanzlichen Ölen. Fisch kommt häufiger auf den Teller als Fleisch; stark verarbeitete Lebensmittel, Süssgetränke und frittierte Speisen dagegen selten.

    Häufig sind auch die Auswirkungen dieser Ernährung aufs Körpergewicht – und damit auf den Blutdruck – positiv. Denn vor allem Bauchfett gilt als problematisch, weil es Hormone und Entzündungsstoffe produziert, die den Blutdruck zusätzlich in die Höhe treiben können. Bereits eine moderate Gewichtsabnahme kann einen positiven Effekt auf die Blutdruckwerte haben.

    Im Hinblick auf den Salzkonsum empfiehlt die Schweizerische Herzstiftung Zurückhaltung. Viele Fertigprodukte, Brot, Käse oder Wurstwaren enthalten überraschend grosse Mengen davon. Wer weniger Salz isst, kann seinen Blutdruck häufig weiter drücken. Auch Alkohol beeinflusst die Blutdruckwerte. Weniger ist auch hier mehr.  

    Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll weist jedoch darauf hin, dass einzelne Ernährungsregeln häufig überschätzt werden. «Viele Menschen suchen nach der einen Ursache und fragen sich, ob sie weniger Fleisch essen oder etwas anderes weglassen sollten. Der Einfluss einzelner Faktoren ist meist relativ klein. Der grösste messbare Effekt entsteht nach wie vor durch die Gewichtsreduktion.»

  • Bewegung

    Regelmässige Bewegung gehört zu den wichtigsten Pfeilern der Blutdrucksenkung. Fachgesellschaften wie die Deutsche Herzstiftung empfehlen deshalb, sich möglichst an fünf Tagen pro Woche mindestens 30 Minuten zu bewegen. Besonders wirksam sind dynamische Ausdauersportarten wie zügiges Gehen, Walking, Joggen, Velofahren oder Schwimmen.

    Studien zeigen, dass sich der Blutdruck durch regelmässige körperliche Aktivität um mehrere mmHg senken lässt. Sehr motivierend ist: Je höher der Ausgangsblutdruck, desto stärker der positive Effekt. Gleichzeitig profitieren Herz, Gefässe, Stoffwechsel und die allgemeine Fitness.

    Wer sich bisher kaum bewegt hat, muss nicht sofort für einen Marathon trainieren. Es hilft schon, sich einfach mehr im Alltag zu bewegen: Treppe statt Lift nehmen, nach dem Mittagessen spazieren gehen oder mit dem Velo zur Arbeit radeln statt mit dem Auto fahren.

    Dennoch mahnt Prof. Dr. med. Georg Noll vor unrealistischen Erwartungen: «Wenn jemand einen Blutdruck von 150 oder 160 mmHg hat, warte ich nicht darauf, dass er fünf Kilo Gewicht verloren hat oder regelmässig Sport treibt. Das ist oft schwierig umzusetzen, und die Effekte zeigen sich erst nach einiger Zeit. Deshalb sollte man notwendige Medikamente nicht hinauszögern.»

    Bewegung bleibt aus seiner Sicht dennoch unverzichtbar. «Fitness ist langfristig besser für die Gesundheit als ein niedriges Gewicht allein. Das heisst: Lieber jemand, der etwas übergewichtig und fit ist, als jemand mit Normalgewicht, der sich überhaupt nicht bewegt.»

  • Stressmanagement

    Stress gehört zum Leben. Wie stark er sich jedoch auf den Blutdruck auswirkt, können wir beeinflussen. Denn unter Stress schüttet der Körper vermehrt die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Das Herz schlägt schneller, die Blutgefässe verengen sich, der Blutdruck steigt. Kurzfristig ist das eine normale Reaktion. Problematisch wird es, wenn der Körper dauerhaft unter Anspannung steht.

    Viele Menschen geraten dabei in einen Teufelskreis: Stress erschwert das Abschalten, der Schlaf leidet, die Erholung bleibt aus, und der Körper steht tagsüber noch stärker unter Druck. Tatsächlich zeigen Studien, dass chronische Belastung und Schlafmangel das Risiko für Bluthochdruck erhöhen können.

    Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll beobachtet in seiner Praxis häufig, dass Betroffene nach einer einfachen Ursache suchen. «Unser Bedürfnis nach einer Erklärung ist gross. In Wirklichkeit spielen meist mehrere Faktoren zusammen – genetische Veranlagung, Alter, Gewicht, Bewegung und Lebensstil.»

    Regelmässige Entspannungsphasen sind dennoch wichtig. Hilfreich können beispielsweise sein:

    • Achtsamkeits- und Atemübungen
    • Yoga oder Meditation
    • Spaziergänge in der Natur
    • Regelmässige Bewegung
    • Ausreichend Schlaf
    • Bewusste Erholungszeiten im Alltag

    Auch ausreichender Schlaf schützt Herz und Kreislauf. Während der Nacht sinken Blutdruck, Herzfrequenz und Stresshormone. Wer dauerhaft schlecht schläft, verliert damit einen wichtigen Teil der Erholungsphase für den Körper. 

  • Hausmittel: Blutdruck natürlich senken

    Zwar ersetzen Hausmittel eine medizinische und medikamentöse Behandlung nicht. Aber sie können den Blutdruck positiv beeinflussen – insbesondere in Kombination mit gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressabbau.

    Einige Lebensmittel enthalten Stoffe, die sich günstig auf die Blutgefässe auswirken. Dazu gehören beispielsweise Randen, Knoblauch, Ingwer oder kaliumreiche Lebensmittel wie Spinat, Hülsenfrüchte und Aprikosen. Auch grüner Tee sowie Kräutertees mit Melisse oder Lavendel werden häufig als natürliche Unterstützer genannt.

    Welche Hausmittel wissenschaftlich untersucht wurden und wie sie angewendet werden können, erfahren Sie hier: Blutdruck natürlich senken mit Hausmitteln

Video: Ursache, Symptome und Behandlung von Bluthochdruck

Ursachen: Wie entsteht Bluthochdruck?

Bei rund 90 Prozent der Betroffenen liegt eine sogenannte primäre Hypertonie vor. Das bedeutet, dass es keine einzelne Ursache gibt, die den Bluthochdruck erklärt. Stattdessen wirken verschiedene Faktoren zusammen. «Die genetische Veranlagung spielt dabei eine sehr wichtige Rolle», sagt Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll. Ob und wann sich diese Veranlagung bemerkbar macht, wird jedoch auch vom Lebensstil beeinflusst.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Familiäre Veranlagung: Wer Eltern oder Geschwister mit Bluthochdruck hat, trägt selbst ein deutlich erhöhtes Risiko.
  • Höheres Alter: Mit zunehmendem Alter verlieren die Blutgefässe an Elastizität. Dadurch steigt der Blutdruck bei vielen Menschen allmählich an.
  • Übergewicht: Besonders Bauchfett belastet Herz und Gefässe. Zudem werden Hormone und Entzündungsstoffe freigesetzt, die den Blutdruck erhöhen können.
  • Bewegungsmangel: Wer sich wenig bewegt, entwickelt häufiger Übergewicht und hat ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – beides begünstigt Bluthochdruck.
  • Ungesunde Ernährung: Viele stark verarbeitete Lebensmittel, wenig Gemüse und hoher Salzkonsum können die Blutdruckwerte negativ beeinflussen.
  • Chronischer Stress: Dauerhafte Anspannung führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen, die Herz und Blutgefässe belasten.
  • Alkoholkonsum: Selbst kleine, regelmässige Mengen können den Blutdruck ansteigen lassen.
  • Rauchen: Nikotin schädigt die Blutgefässe und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen entsteht Bluthochdruck infolge einer anderen Erkrankung oder eines äusseren Auslösers. Fachleute sprechen dann von einer sekundären Hypertonie.

Mögliche Ursachen sind:

  • Nierenerkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern
  • Bestimmte Medikamente wie einige Schmerzmittel oder abschwellende Nasensprays
  • Schwangerschaftskomplikationen
  • Seltener auch Drogen oder andere Substanzen

Um mögliche Ursachen und Folgeschäden besser einschätzen zu können, sind je nach Situation weitere Untersuchungen sinnvoll. Dazu zählen unter anderem Blut- und Urinanalysen, ein Elektrokardiogramm (EKG), Ultraschalluntersuchungen von Herz sowie Nieren oder eine Kontrolle des Augenhintergrunds.

Symptome: Welche Anzeichen deuten auf zu hohen Blutdruck hin?

Bluthochdruck wird häufig als «stiller Killer» bezeichnet, weil die Erkrankung meist lange Zeit keine Beschwerden verursacht. «Was man nicht spürt, beunruhigt einen nicht», sagt Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll. Viele Betroffene erfahren deshalb erst bei einer Routineuntersuchung, dass ihre Werte erhöht sind.

Mögliche Anzeichen für Bluthochdruck sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Nasenbluten
  • Ohrensausen

Bleibt Bluthochdruck über mehrere Jahre unbehandelt, kann dies Organschäden verursachen. Mögliche Hinweise auf solche Folgeschäden sind:

  • Kurzatmigkeit oder Luftnot
  • Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
  • Sehstörungen
  • Empfindungsstörungen
  • Herzinfarkt und Schlaganfall

Besonders wichtig: Treten plötzlich ausgeprägte Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen oder andere Schlaganfall-Symptome auf, kann ein medizinischer Notfall vorliegen. In diesem Fall sollten Sie umgehend den Notruf 144 wählen.

Da viele Menschen trotz deutlich erhöhter Werte beschwerdefrei bleiben, empfehlen Fachleute, den Blutdruck regelmässig kontrollieren zu lassen – insbesondere bei familiärer Vorbelastung, Übergewicht oder zunehmendem Alter.

Was passiert, wenn ich den Blutdruck nicht senken kann?

Über Jahre hinweg belastet ein hoher Blutdruck die Blutgefässe und wichtige Organe. «Er zählt weltweit zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen», sagt Kardiologe Prof. Dr. med. Georg Noll.

Mögliche Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks sind:

  • Schlaganfall

    Bluthochdruck gilt als wichtigster Risikofaktor für einen Hirnschlag. Die dauerhafte Belastung schädigt die Blutgefässe im Gehirn und erhöht das Risiko für Gefässverschlüsse oder Hirnblutungen.

  • Herzinfarkt

    Hoher Blutdruck fördert die Arterienverkalkung und schädigt die Herzkranzgefässe. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

  • Herzschwäche

    Das Herz muss über Jahre gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen. Dadurch verdickt sich zunächst der Herzmuskel, später kann die Pumpkraft nachlassen und eine Herzschwäche entstehen.

  • Nierenschäden

    Die feinen Blutgefässe der Nieren reagieren besonders empfindlich auf erhöhten Druck. Langfristig kann die Nierenfunktion eingeschränkt werden – in schweren Fällen bis hin zum Nierenversagen.

  • Durchblutungsstörungen

    Geschädigte und verengte Blutgefässe können auch die Durchblutung anderer Körperregionen beeinträchtigen, beispielsweise der Beine.

  • Augenschäden

    Auch die feinen Gefässe der Augen können durch dauerhaft erhöhten Blutdruck Schaden nehmen. Mögliche Folgen sind Sehstörungen oder Veränderungen am Augenhintergrund.

  • Aortenaneurysma

    Bluthochdruck kann ausserdem die Hauptschlagader belasten. In seltenen Fällen kann sich eine gefährliche Aussackung der Aorta bilden.

Die gute Nachricht ist: Schon eine moderate Blutdrucksenkung kann das Risiko deutlich reduzieren. «Wenn der systolische Blutdruck um nur 5 mmHg sinkt, nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa zehn Prozent ab», sagt Prof. Dr. med. Georg Noll.

Wie unterstützt mich die Krankenkasse?

Die Behandlung von Bluthochdruck umfasst oft mehr als nur die Einnahme von Medikamenten. Regelmässige Kontrolluntersuchungen, Bewegung, Entspannung sowie eine Ernährungsumstellung gehören ebenfalls dazu. Je nach Versicherungsmodell und Leistungsumfang beteiligt sich die Krankenkasse an unterschiedlichen Kosten.

  • Ärztliche Behandlungen und Medikamente

    Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für medizinisch notwendige Untersuchungen sowie viele ärztlich verschriebene Blutdruckmedikamente. Es gelten die üblichen Regeln zu Franchise und Selbstbehalt.

  • Vorsorge und Check-ups

    Zusatzversicherungen wie Vital Smart oder Vital Premium übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Kosten für Check-ups und Vorsorgeuntersuchungen.

  • Bewegung und Fitness

    Mit den Zusatzversicherungen Vital Smart und Vital Premium beteiligt sich Sanitas an den Kosten für Fitness-Abos sowie zertifizierte Kurse wie Yoga, Pilates oder andere Bewegungsangebote.

  • Entspannung und Stressabbau

    Auch Massagen, Yoga oder ausgewählte komplementärmedizinische Angebote können helfen, Stress zu reduzieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Je nach Zusatzversicherung übernimmt Sanitas einen Teil der Kosten.

  • Sanitas Coach App

    Die kostenlose Sanitas Coach App unterstützt Sie dabei, gesunde Gewohnheiten langfristig in den Alltag zu integrieren. Sie bietet Programme zu Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Schlaf – alles Bereiche, die auch für einen gesunden Blutdruck wichtig sind.

Welche Leistungen übernommen werden, hängt von Ihrer Grund- und Zusatzversicherung ab. Die genauen Voraussetzungen und Leistungsumfänge finden Sie auf den entsprechenden Informationsseiten von Sanitas.

Über den Experten

Prof. Dr. med. Georg Noll ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie an der HerzKlinik Hirslanden in Zürich. Seine Schwerpunkte liegen auf der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Behandlung von Herzinsuffizienz, Hypertonie und der nichtinvasiven Kardiologie.