Wie werde ich glücklicher? Fakten & Tipps
Die wichtigsten Zutaten für unser Glück sind weder grosse Ereignisse noch ein hoher Kontostand. Das wahre Glück formt sich in eher unscheinbaren Momenten.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt drei Arten von Glück: das Zufallsglück, das Wohlfühlglück und das Glück der Fülle.
- Unser Glück ist stark mit unserer Gesundheit verknüpft – beide beeinflussen einander.
- Für unser Glück am wichtigsten sind unsere sozialen Beziehungen, unsere psychische und körperliche Gesundheit und das Erleben von Sinn im Leben.
Was ist Glück?
Laut der Glücksforschung ist Glück vor allem subjektives Wohlbefinden: das Gefühl, dass das eigene Leben überwiegend angenehm, stimmig und zufriedenstellend ist.
Dabei geht es vor allem um Sinn, Haltung, Beziehungen, Freiheit oder innere Ruhe. Schon Aristoteles sagte, dass Glück ein gelingendes Leben sei, in dem Menschen ihre Fähigkeiten vernünftig und tugendhaft entfalten.
Welche 3 Arten von Glück gibt es?
Es gibt im deutschsprachigen Raum drei Arten von Glück:
- Zufallsglück: Diese Art des Glücks widerfährt uns, wenn uns unerwartet etwas Gutes passiert – etwa eine zufällige, glückliche Begegnung oder eine Situation, die gut ausgeht. Dieses Glück lässt sich weder künstlich erzeugen noch planen.
- Wohlfühlglück: Damit sind angenehme Momente und Gefühle gemeint, die uns glücklich machen: Freude, Genuss, Erfolg, Gesundheit, Nähe, Spass oder Entspannung. Diese Glücksmomente können wir teilweise begünstigen, zeitlich sind sie meistens begrenzt.
- Glück der Fülle: Diese Form des Glücks entwickelt sich im Laufe des Lebens, wenn wir unser Leben als stimmig empfinden – trotz seiner schwierigen, schmerzhaften und widersprüchlichen Seiten.
Kurz gesagt: Das Zufallsglück passiert, während wir das Wohlfühlglück erleben, und sich das Glück der Fülle als Lebenshaltung entwickelt.
«Frühere Studien legten nahe, dass das emotionale Wohlbefinden ab einem Jahreseinkommen von rund 60 000 Franken nicht mehr wesentlich zunimmt.»
Erkenntnisse aus der Glücksforschung
«Frühere Studien legten nahe, dass das emotionale Wohlbefinden ab einem Jahreseinkommen von rund 60 000 Franken nicht mehr wesentlich zunimmt», sagt Glücksforscherin Dandan Pang. «Jüngste Erkenntnisse zeigen jedoch, dass sowohl das alltägliche emotionale Wohlbefinden als auch die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt mit dem Haushaltseinkommen weiter zunehmen – auch über diese Einkommensgrenze hinaus.»
Geld ist jedoch nur einer von vielen Faktoren, die zu unserem Wohlbefinden beitragen. Besonders für unser Glück sind:
- Soziale Kontakte: Gute und verlässliche Beziehungen machen uns glücklich und schützen uns vor Einsamkeit. Das ist wichtig, weil Einsamkeit uns nicht nur unglücklich, sondern auch ungesund macht: Studien zeigen, dass Einsamkeit das Risiko für psychische Krankheiten, Herz-Kreislauf-Probleme und sogar eine frühere Sterblichkeit erhöht.
- Körperliche und psychische Gesundheit: Unsere Gesundheit beeinflusst unser Glück stark und wechselseitig: Gesundheit erleichtert positive Gefühle, Handlungsfähigkeit und soziale Teilhabe. Umgekehrt ist ein höheres Wohlbefinden mit besseren Gesundheitsverläufen verbunden, während ein niedriges Wohlbefinden das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen erhöht.
- Sinnhaftigkeit im Leben: Zu wissen, warum wir jeden Morgen aufstehen, ist in der Langlebigkeitsforschung ein zentrales Element fürs gute lange Leben. Denn ein stärkeres Gefühl von Sinnhaftigkeit und Lebensaufgabe ist in Langzeitstudien mit einem niedrigeren Risiko verbunden, früher zu sterben.
Hinzu kommt: Für unser langfristiges Wohlbefinden müssen wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.
So formuliert etwa der jüngste World Happiness Report 2026 die Glücksfragen neu: «Wie schaffen wir Beziehungen, digitale Räume und gesellschaftliche Bedingungen, in denen Menschen – besonders Junge – sich sicher, verbunden und handlungsfähig fühlen?»
Auch Glücksforscherin Pang betont das Zusammenspiel von individueller und gesellschaftlicher Verantwortung. «Auf persönlicher Ebene können wir lernen, uns bewusst Zeit zu nehmen und uns selbst, unseren Familien und unseren sozialen Beziehungen Aufmerksamkeit zu schenken.»
Die Psychologin verweist auf eine Meta-Analyse, die gezeigt hat, dass die Auswirkungen mangelnder sozialer Integration auf die Gesundheit ein ebenso bedeutender Risikofaktor sind wie Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel.
Zum anderen müsse auch die Gesellschaft ihren Teil beitragen, sagt die Forscherin: «Wir brauchen flachere Hierarchien und eine wirksame Korruptionsbekämpfung. Arbeitgeber:innen sollten ihren Mitarbeitenden ausreichend Erholung ermöglichen und neben Produktivität auch auf Gestaltungsspielraum, Sinnerleben, Vertrauen und Wertschätzung setzen.»
Tipps: Wie werde ich glücklicher im Alltag?
Wer seinen Alltag glücklicher gestalten möchte, sollte bewusst die Gewohnheiten ändern, die nicht guttun – und sich mehr Zeit für die Dinge nehmen, die das Glück nähren.
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Bewusste Beziehungen führen
Nehmen Sie sich Zeit für Ihre sozialen Beziehungen. Sie sind die wichtigste Zutat für Glück und Gesundheit – besonders im Alter. Das zeigen Langzeitforschungen der Universität Harvard.
Sich bewusst für seine Beziehungen Zeit zu nehmen, heisst: aktiv Verantwortung für die Qualität des Miteinanders zu übernehmen, zuzuhören, Bedürfnisse auszusprechen, Grenzen zu respektieren, Wertschätzung zu zeigen und nach Verletzungen wieder in Kontakt zu kommen.
Das gilt für Partnerschaften ebenso wie für Freundschaften, Familie, Nachbarschaft und Gemeinschaft.
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Social-Media-Konsum einschränken
Besonders das ständige Vergleichen mit anderen Menschen und deren kuratierten Höhepunkten ihres Lebens auf Social Media nagt an unserem Glück: Es belastet Selbstwert, Stimmung, Körperbild und subjektives Wohlbefinden.
«Der ständige Vergleich kann unseren inneren Massstab verschieben: Was zuvor gut und zufriedenstellend erschien, wirkt plötzlich ungenügend. Gleichzeitig aktiviert die schnelle Abfolge neuer Reize immer wieder unser dopaminerges Belohnungssystem», sagt Glücksforscherin Pang.
Unser Gehirn kann sich dadurch daran gewöhnen, ständig den nächsten Reiz zu erwarten. Ruhigere Tätigkeiten und gewöhnliche Alltagsmomente erscheinen dann weniger attraktiv.
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Sinnhaftes tun
Wofür stehen Sie jeden Morgen auf? Worin besteht der Sinn Ihres Lebens? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um diese Fragen zu beantworten.
Denn Sinnhaftigkeit ist eine ganz zentrale Säule unseres Glücks. Sie gibt dem Alltag Richtung, stärkt unsere Widerstandskraft und fördert die Selbstwirksamkeit.
Oft sind es unsere sozialen Beziehungen, die unser Leben mit Sinn erfüllen. Gleichzeitig ist auch die Verbundenheit ein wichtiger Aspekt unseres Wohlbefindens.
Ferner hilft uns Sinnhaftigkeit, unsere Aufmerksamkeit aufs Wesentliche zu konzentrieren. Damit werden Vergleichen, äusserer Status und kurzfristige Ablenkungen weniger wichtig.
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Autonomie & Freiräume schaffen
Wie autonom ist Ihr Alltag? Autonomie bedeutet, das eigene Handeln als freiwillig, selbstgewählt und mit den eigenen Werten vereinbar zu erleben.
Freiräume wiederum sorgen für mehr Autonomie im Leben. Beides stärkt das Wohlbefinden, weil wir nicht nur reagieren oder Erwartungen erfüllen, sondern das eigene Leben aktiv mitgestalten können.
Wie die Forschung zeigt, steigert das unsere Motivation, es fördert die Selbstwirksamkeit und schützt vor Dauerstress.
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Dankbarkeit üben
Bewusst dankbar zu sein, kann positive Gefühle, Zufriedenheit, Verbundenheit und hilfreiches Handeln fördern – und damit zu mehr Wohlbefinden beitragen.
Dankbarkeit kann als Gefühl auftreten, als Haltung oder als Handlung – etwa durch ein konkretes Danke, einen Brief oder ein Dankbarkeitstagebuch.
Bewusst Dankbarkeit zu üben, erweitert unseren Aufmerksamkeitsfokus, verstärkt positive Emotionen, erhöht unsere Hilfsbereitschaft, vertieft unsere Beziehungen (wenn wir Dankbarkeit anderen gegenüber äussern) und stoppt uns im Impulsverhalten, uns ständig mit anderen zu vergleichen.
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In die Natur eintauchen
Sich mit der Natur zu verbinden, kann die Stimmung, die Erholung sowie die Aufmerksamkeit verbessern und das Gefühl von Lebendigkeit stärken.
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Zeit wir draussen verbringen, sondern auch, ob wir die Umgebung bewusst wahrnehmen und uns als Teil der Natur erleben.
Das bewusste Erleben der Natur fördert die psychische Erholung, stärkt positive Gefühle und verbessert die Vitalität. Zudem hilft die Zeit in der Natur, Stress zu regulieren und die Aufmerksamkeit zu verbessern.
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In Bewegung kommen
Wenn wir Sport treiben, schüttet unser Körper Dopamin aus. Dopamin wiederum gilt als Glückshormon.
Das bedeutet zwar nicht, dass jede Bewegung sofort Spass macht – doch wiederholte positive Erfahrungen können dazu führen, dass das Gehirn Bewegung zunehmend als lohnend vorhersagt und leichter wieder aufnimmt.
Bewegung aktiviert den Körper, was uns mehr Wachheit und Energie gibt. Sie unterbricht Grübel- und Stressschleifen im Kopf und stärkt die Selbstwirksamkeit – da wir sofort fühlen, was wir für unser Wohlbefinden tun.
«Unser Glück ist stark mit unserer Gesundheit verknüpft.»
Was hat Glück mit Gesundheit zu tun?
«Unser Glück ist stark mit unserer Gesundheit verknüpft», sagt Professorin Pang. Sie beeinflussen sich gegenseitig.
So ist einerseits relativ einleuchtend, dass etwa Schmerzen, gerade wenn sie chronisch werden, unser Wohlbefinden und damit unsere Empfindung für Glück schmälern.
«Umgekehrt ist es aber auch so, dass insbesondere dauerhaft hoher oder als unkontrollierbar erlebter Stress die Lebenszufriedenheit und positiven Gefühle senkt», sagt Pang.
Die jüngere Glücksforschung beschäftigt sich deshalb zunehmend damit, wie Menschen mit körperlichen, psychischen oder sozialen Belastungen umgehen: Erleben sie die Situation als kontrollierbar? Erhalten sie soziale Unterstützung? Und finden sie ausreichend Zeit für Erholung?
Wie wichtig diese Skills sind, zeigt ein Blick in die Statistik: In der Schweiz fühlt sich jede vierte Person gestresst. Das zeigt die «Sanitas Health Forecast Studie» aus dem Jahr 2025. Jüngere Personen und Frauen fühlen sich dabei besonders häufig gestresst. Oft genannte Symptome sind Schlafprobleme, Reizbarkeit und Erschöpfung.
Wie der Präventionsradar 2026 der Sanitas Stiftung in einer repräsentativen Umfrage ermittelt hat, ist der arbeitsbezogene Stress die häufigste Stressart. Viele Formen von Stress nehmen im Alter deutlich ab, gesundheitsbezogener Stress ist dabei die Ausnahme.
Zudem werden digitale Aktivitäten meist neutral erlebt – sie können Stress aber sowohl verstärken als auch reduzieren.
Tipps für einen besseren Umgang mit Stress
Die beste Strategie ist nicht, Stress wegzudenken, sondern den Körper kurzfristig herunterzuregulieren und die Ursachen langfristig zu verändern.
«Besonders wirksam ist eine Kombination aus Bewegung, ausreichender Erholung, sozialer Unterstützung und einer einfachen Technik, die uns in akuten Stressmomenten beruhigt», sagt Psychologin Pang.
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Bewusst ausatmen
Atemübungen helfen gegen Stress. Die wohl einfachste und dabei wirkungsvollste Übung ist eine langsame, lockere Ausatmung. Sie verstärkt die Aktivität des beruhigenden Teils des Nervensystems: Der Herzschlag kann sinken und die gefühlte Anspannung nimmt ab.
Der wichtigste Faktor ist dabei ein langsames, angenehmes Atmen – keine extra lange forcierte Ausatmung.
So geht es: Atmen Sie etwas länger aus als ein, etwa 4 Sekunden ein und 6 Sekunden aus – für zwei bis fünf Minuten. Das kann Anspannung, Ärger und Grübeln unterbrechen.
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Entspannung finden
Autogenes Training, Imagination und progressive Muskelentspannung helfen, Stress zu reduzieren.
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Die eigene Lage benennen
In stressigen Situationen fühlt es sich oft so an, als wäre einfach alles zu viel. In solchen Momenten hilft es, sich ganz bewusst einen Augenblick Zeit zu nehmen – um in sich zu gehen und zu fühlen, was wirklich los ist.
Das macht Sie wieder handlungsfähig und stoppt den diffusen Alarm in Körper und Kopf.
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Gedanken entkoppeln
In stressigen Situationen haben wir oft ganz viele alarmierende Gedanken, an denen wir hängen bleiben.
Distanzübungen lehren uns, in einem solchen Fall zu verstehen: Das Gedankenkarussell in meinem Kopf entspricht nicht der Realität.
Es geht darum, unsere Gedanken zu bemerken, sie zu benennen, zu prüfen, ob sie uns helfen oder uns belasten – und unsere Aufmerksamkeit dann wieder auf einen sinnvollen nächsten Schritt zu fokussieren.
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Achtsamkeit und bewusste Bewegung üben
Auch Bewegung – insbesondere bewusstes Gehen – hilft gegen Stress. Versuchen Sie es mit einer einfachen Gehmeditation.
Zahlreiche Achtsamkeitsübungen helfen zudem, die eigenen Gedanken zu beobachten und zu lernen, sich von ihnen zu distanzieren.
Und: Meditation – 10 Minuten täglich reichen – wirkt sich ebenfalls positiv auf das Gehirn aus.
Fazit
Wahres Glück kommt selten mit grossem Knall. Es wächst eher in den unscheinbaren Momenten: beim Gespräch mit einer vertrauten Person, auf einem Spaziergang, nach erholsamem Schlaf oder wenn wir Sinn in unserem Leben sehen.
Unsere Gesundheit ist dabei zentral, weil sie uns die Energie, Bewegungsfreiheit und innere Stabilität gibt, um Beziehungen zu pflegen, Lebensaufgaben zu verfolgen und den Alltag geniessen zu können.